Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 625

Finnen, Entwicklungsstufen der Bandwürmer (s. Eingeweidewürmer des Menschen). Von besonderer Bedeutung sind die gesundheitsschädlichen F. des Rindes und Schweines, die im Fleische dieser Tiere vorkommen und durch den Fleischgenuß auf den Menschen übertragen werden können. Beim Rinde schmarotzt der Cysticereus inermis, die Vorstufe des feisten Bandwurmes (Taenia sagmata) des Menschen, beim Schweine der C. cellulosae, die Vorstufe des dünnen Bandwurms (Taenia solium) des Menschen. Die gesundheitsschädliche Rinderfinne ist in Nordostafrika, namentlich in Abessinien, z.T. auch in Ostafrika die gesundheitsschädliche Schweinefinne namentlich in Südafrika stark verbreitet. Dies erklärt es, daß in den genannten Ländern auch die entsprechenden Bandwürmer bei Menschen häufig sind. Rinder und Schweine stecken sich mit den F. durch die Aufnahme des Kotes oder einzelner Glieder der Bandwürmer an, die von bandwurmkranken Menschen abgesetzt werden. Die Verhütung der Übertragung der gesundfieitssehädlichen F. auf den Menschen geschieht durch die Fleischbeschau (s.d.), durch die die finnigen Tiere ermittelt und unschädlich gemacht werden, und durch die Einrichtung von Abortanlagen, um den Rindern die Aufnahme der Bandwurmbrut unmöglich zu machen. Die F. sind runde oder ovale Bläschen von der Größe eines Stecknadelkopfes bis zu der einer Erbse mit durchschimmernder Kopfanlage, und haben im Muskelfleische, insbesondere im Herzen und in der Zunge, ihren Sitz (s. Tafel 55).

Literatur: Bandwurm- und Trichinenmerkblatt, bearbeitet im Kaiserlichen Gesundheitsamt, ferner die unter Fleischbeschau genannten Werke.

v. Ostertag.