Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 625 f.

Finsch, Friedrich Hermann Otto, geb. 8. Aug. 1839 zu Warmbrunn. Ursprünglich für die Kaufmannschaft bestimmt, wandte F. sich bald naturwissenschaftlichen, besonders zoologischen Studien zu und machte größere Reisen im Südosten Europas. 1861 wurde er Assistent am Reichsmuseum zu Leiden, 1864 Leiter des naturhistorisch - ethnologischen Museums in Bremen. 1868 wurde F. von der Universität Bonn zum Ehrendoktor ernannt. Er bereiste 1872 mit Dr. M. Lindemann die Vereinigten Staaten, führte 1876 eine Expedition des "Vereins für die deutsche Nordpolarfahrt zu Bremen" nach Westsibirien, reiste 1879/82 mit Unterstützung der Humboldt - Stiftung in Berlin über Neuyork und San Franzisko nach Hawaii, Marshall- und Gilbertinseln, den östlichen Karolinen, dem Bismarckarchipel, Tasmanien, Neuseeland, Südost - Neuguinea und Java. Im Sommer 1884 wurde er von einem von A. v. Hansemann (s.d.) gebildeten Konsortium nach Sydney und auf dem daselbst gekauften Dampfer "Samoa" (Kapitän Dallmann) nach dem Bismarckarchipel, und Kaiser-Wilhelmsland geschickt, wo wichtige Studien, Sammlungen und Entdeckungen gemacht und der politischen wie wirtschaftlichen Besitzergreifung durch das Reich und die Neuguinea - Kompagnie (s.d.) erfolgreich vorgearbeitet wurde. Prof. Dr. F. lebt zurzeit als Leiter des Völkermuseums zu Braunschweig. Über seine zahlreichen zoologischen, ethnographischen und geograhischen Veröffentlichungen: Systematische Übersicht der Ergebnisse seiner Reisen und schriftstellerischen Tätigkeit (1859 - 1899), Berl. 1899; am bekanntesten sind: Samoafahrten, Lpz. 1888 mit Ethnologischem Atlas, und Ethnologische Erfahrungen und Belegstücke aus der Südsee (in Annalen des k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien, III, 1888). Adr.: Braunschweig, Altewicring 19B.