Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 626 f.

Fische sind Wirbeltiere, die im Wasser leben, keine konstante Temperatur haben, sondern die ihrer Umgebung annehmen, sich mit Flossen bewegen, im Wasser aufgelöste Luft durch Kiemen atmen, ein einfaches, aus Kammer und Vorhof bestehendes Herz, eine Wirbelsäule und ein von Kiefern gestütztes Maul, ferner paarige Nasengruben und außer den unpaaren auch paarige Flossen besitzen. Die F. sind die dem Wasserleben am besten angepaßten Wirbeitiere. Die Haut der echten F. besteht aus zwei Hauptschichten, der Oberhaut und der Lederhaut. Erstere besteht aus Zellen, die in mehrfachen Schichten übereinander liegen. Die obersten Lagen dieser Zellen, die durch die unmittelbare Berührung mit dem Wasser gänzlich durchweicht sind, bilden in ihrer Gesamtheit die schlüpfrige Substanz, die man in nicht ganz zutreffender Weise "Schleim" nennt. In der Lederhaut entstehen die Schuppen der F.; sie ist auch der Sitz der Farbenzellen oder Chromatophoren, welche die verschiedenen Farben der F. verursachen. Die Wirbelsäule der F. besteht last stets aus Wirbelkörpern mit oberen und unteren Bögen, der knöcherne Kopf aus dem Hirnschädel und dem Gesichtsschädel. Von den Flossen sind die Brust- und Bauchflossen paarig, die Rücken-, Schwanz- und Afterflosse unpaarig. Die Muskulatur besteht vorwiegend aus Längsmuskeln. Das Gehirn zeigt die niedere Organisation durch geringe Entwicklung der Großhirnrinde. Die Nase besteht aus zwei Grübchen, am Auge besitzt die Linse fast die Gestalt einer Kugel. Das Auge der F. ist für das Sehen in der Nähe eingestellt, da die Lichtstrahlen vom Wasser stark absorbiert werden und daher Gegenstände in einiger Entfernung nicht mehr wahrgenommen werden können. Das Gehörorgan, das Labyrinth, ist groß; es ist vorwiegend ein Sinnesorgan für das Gleichgewichtsgefühl. Die Seitenlinie ist ebenfalls ein Sinnesorgan, das wahrscheinlich zur Wahrnehmung von Strömungen und Widerständen, auch zur Fernwahrnehmung fester Körper dient. Der Darm beginnt mit der geräumigen Mund - Rachenhöhle und verjungt sich dann zu einem verhältnismäßig wenig gewundenen Rohr, an welchem Speiseröhre, Magen, Dünn- und Dickdarm nicht immer sehr scharf gegeneinander abgesetzt und oft auch an Dicke nur wenig voneinander verschieden sind. Die zur Atmung dienenden Kiemen sind dünnwandige Hautteile, die von Blutgefäßen besonders reich versorgt werden und zu vielfach verästelten, buschartigen Anhängen oder breiten Blättern ausgewachsen sind, um für den Gasaustausch eine möglichst große Oberfläche zu bieten. Hinter den Kiemen liegt, entstanden aus einer Ausstülpung der Speiseröhre, die mit Gasen gefällte Schwimmblase, die bei manchen F. (Haie, Rochen, Plattfischen, Makrelen u. a.) fehlt. Sie ist wahrscheinlich ein Organ, das zur Bestimmung des Wasserdrucks und damit der Wassertiefe dient und von dem, aus reflektorisch eine Regulierung der Muskelbewegungen erfolgt. Unmittelbar hinter und unter der Kiemengegend liegt das Herz, das stets aus Kammer und Vorkammer besteht, die durch zwei Klappen voneinander getrennt sind. Rechts und links von der Wirbelsäule liegen zwei blutgefäßreiche rotbraune Nieren, die meist von der Herzgegend bis zum After reichen. Die Leber, meistens sehr groß und von dunkel gelbbrauner oder braunroter Farbe, liegt vorne dicht am Herzbeutel und umfaßt mit einzelnen Lappen den Schlund und den Magen von unten her. Meist findet sich eine mit grüngelber Galle gefüllte Gallenblase. Die braunrote Milz liegt in der Nähe des Magens. Von den mehr als 10 000 beschriebenen Arten der F. leben etwa drei Viertel im Meere, die übrigen im Süßwasser. Ihrem Aufenthaltsort nach teilt man die F. in Süßwasser - F. und See - F. Die F.Fauna in den deutschen Kolonien ist wenig erforscht. Wir wissen daher nicht viel über Arten und Mengen der vorkommenden F. Doch ist es bekannt, daß die an die Küsten Deutsch - Südwestafrikas und Deutsch - Ostafrikas stoßenden Meere sehr fischreich sind. Das Gleiche wird für die Küste von Kamerun angenommen, doch liegen sichere Beobachtungen bisher nicht vor. Von wirtschaftlich wichtigen F. spielen im Atlantischen Ozean die größte Rolle die Umberfische, Sciaenidae (s.d.), die Zahnbarsche (s.d.), der zur Familie der Polynemidae gehörige Kaitän (s.d.), die Meeräschen (s.d.), Mugilidae, der zur Familie der Trichinoidae gehörige Snuk (s.d.), die Meerbrassen (s.d.), Sparidae, einige Herings- (s.d.) und Plattfischarten (s. Zungen). Eine ganz verschiedene F.fauna weist der Indische Ozean auf. Dort wiegen vor: Seebarsche (s.d.), zur Familie der Percidae gehörig, die an der Küste Deutsch-Ostafrikas in sehr großen Exemplaren vorkommen, Meerbarben (s.d.), Mullidae, auch einige Meeräschen (s.d.) und zahlreiche Meerbrassen (s.d.), zur Gruppe Lethrinus gehörig, ferner zur Familie der Aale (s.d.) gehörige Muränen, die im Indischen Ozean bis 2 in lang werden. Die im Innern Afrikas am häufigsten vorkommenden Süßwasserfische sind wohl die Welse (s.d.), Siluridae, von denen einzelne Arten eine Größe von 3 in erreichen. Auch werden, namentlich in Deutsch-Ostafrika, Barben- (s.d.) Arten vielfach gefunden. Häufig sind die über das ganze tropische Afrika verbreiteten Lungenfische (Protopterus s.d.), auch Chromisarten (s.d.) kommen vor. Im allgemeinen ist die wirtschaftliche Bedeutung der afrikanischen Süßwasserfische wenig bekannt. Doch scheinen viele Binnengewässer, insbesondere die großen Seen, sehr fischreich zu sein. In den Stauweiher Deutsch - Südwestafrikas hat man neuerdings aus Deutschland eingeführte Karpfen (s.d.) und Schleien (s.d.) eingesetzt, die dort an manchen Orten gut fortzukommen scheinen. Über den Fang der F. s. Fischerei.

Literatur: Ehrenbaum Über Fische von Westafrika, besonders von Kamerun. Hamburg 1914. - Günther, Handbuch der Ichthyologie. Wien 1885. - Günther, Fische der Südsee. Hamburg 1873 - 1910. - R. Hertwig, Lehrbuch der der Zoologie. Jena 1912. - Hoek, Catalogue des poissons du Nord de l'Europe. -Kopenhagen 1904. - Hofer, Die Süßwasserfische von Mitteleuropa. Lpz. 1909. - Nitsche - Hein, Die Süßwassefische Deutschlands. Berl. 1909. Pfeffer, Ostafrikanische Fische. Hamburg 1892. - Schulze, Die Fischerei an der Westküste Südafrikas. Berl. 1907.

Lübbert.