Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 628 ff.

Fischerei. 1. Bedeutung der F. 2. Die einzelnen Zweige der F. 3. Europäische F.methoden in Afrika. 4. Die F. der Eingeborenen in den deutschen afrikanischen Kolonien. 5. Die F. der Eingeborenen in den deutschen Kolonien der Südsee.

1. Bedeutung der F. F. im weiteren Sinne ist die Erbeutung von Wassertieren und Wasserpflanzen. Man spricht u. a. von Wal-, Austern-, Perlen-, Schwamm-, Seetang-, Bernstein - F. Unter F. im engeren Sinne versteht man den Fang der Fische (s.d.). Die F. zerfällt in Binnen - F., den Fischfang im süßen Wasser der Flüsse, Seen, Teiche, und See - F., die im Salzwasser an der Küste (Küsten - F.) und auf hoher See (Hochsee - F.) betrieben wird. Die F. ist ein Gewerbe von hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung, weil sie einerseits die einzige Möglichkeit schafft, um in ungeheuren Mengen im Wasser vorhandene Organismen (Pflanzen und Tiere des Ufers, des Bodens und des Planktons, s.d.) dem Menschen nutzbar zu machen, indem diese teils den Fischen direkt (Jugendformen aller Arten, Hering, Stint, Maränen u.a.) oder deren Nährtieren zur Nahrung dienen; andererseits stellt die F., insbesondere die See - F. in körperlicher, moralischer und intellektueller Beziehung so hohe Anforderungen an die Ausübenden, daß die Fischer allgemein als die Eliteklasse der Seeleute gelten und namentlich als Personal für die Kriegsflotten hochgeschätzt werden. Es kommt noch hinzu, daß das Produkt der F., namentlich eine Anzahl von Seefischarten, ein billiges und hochwertiges Nahrungsmittel darstellt, dessen Vorzüge gegenüber der einseitigen Ernährung durch das teurere Warmblüterfleisch immer mehr anerkannt werden. Der Wert des jährlichen F.ertrages beläuft sich in Deutschland auf etwa 170 Mill. M (Binnen - F. 120, See - F. 50 Mill. M), in Großbritannien auf etwa 300 Mill. M, auf der ganzen Erde auf mehrere Milliarden M jährlich.

2. Die einzelnen Zweige der F. Die Binnen - F. zerfällt in die natürliche F., d. i. die Befischung der Ströme, Flüsse, Bäche einerseits, der Seen anderseits; und die künstliche F. oder Fischzucht (s.d.); diese letztere bildet die Grundlage für die moderne Teichwirtschaft (s.d.). Natürliche und künstliche F. sind heute nicht mehr vollkommen getrennt, indem man versucht, auch in der natürlichen F. die Methoden der künstlichen F. anzuwenden. So werden die Flüsse und Seen mit den Produkten der künstlichen Fischzucht (s.d.) besetzt (Lachse, Aale, Schleien, Zander, Forellen u.a.). - Die natürliche F. in den Strömen, Flüssen, Bächen und Seen wird mit den verschiedensten Geräten, insbesondere den Angeln, Netzen, Reusen betrieben (s. Angel- F., Netz- F., Reusen- F.). Die künstliche F. in Form der Fischzucht (s.d.) und der Teichwirtschaft (s. d.) hat sich, namentlich in Deutschland und Nordamerika, zu einem Gewerbe von hochentwickelter Technik entwickelt. - Die See - F., die je nach dem Ort ihrer Ausübung in Küsten - F. und Hochsee - F. zerfällt, bedient sich vorwiegend der Angeln (Kabeljau, Makrelen, Heilbutt), der Treibnetze (Hering, Makrele) und vor allem des Schleppnetzes (fast alle Nutzfische). Die See - F. wird heute von fast allen nordeuropäischen Nationen mit Dampfern betrieben (s. Fischdampfer). Eine Ausnahme bilden die skandinavischen Länder, in deren F.betrieben an die Stelle der Dampfmaschine der Explosionsmotor (s. Fischkutter) getreten ist.

3. Europäische F.methoden in Afrika. An den Küsten Afrikas werden bisher nur an drei Stellen europäische F.methoden angewendet: 1. vor Marokko und dem französischen Mauretanien durch französische, englische,. portugiesische, deutsche Fischdampfer mit Grundschleppnetzen und durch französische Langustenfischerboote, die ihre Fänge auf europäischen Märkten, meist in Portugal und Frankreich (infolge hohen Schutzzolls hier nur die Franzosen selbst), löschen. Die Zahl dieser Fahrzeuge schwankt je nach den Erfolgen, die erzielt werden, ist aber, soweit die englischen und deutschen Fischdampfer in Frage kommen, in letzter Zeit sehr zurückgegangen, weil auch Portugal neuerdings die Anbringung der Fänge durch fremde Fischer erschwert. 2. Vor Angola von portugiesischen Fischern aus der Provinz Algarve, die von offenen Booten aus mit Angeln, Treibnetzen und Zugnetzen in Küstennähe, meist auf 5-10 m Tiefe fischen und ihren Fang an Land zu Trockenfisch (s. Fischindustrie) verarbeiten. Im ganzen sind in Angola etwa 150 Boote mit 300 Weißen und vielen schwarzen Fischern beschäftigt. Der Export hatte schon im Jahre 1905 einen Wert von 850 000 M jährlich. Die wichtigsten F.plätze Angolas sind Mossamedes, Porto Alexandre und Große Fischbai. Von Porto Alexandre aus wird seit 1910 auch Walfang (s.d.) mit norwegischen Fangdampfern betrieben. 3. An den Küsten des Kaplandes fischten 1907 7 Fischdampfer und 361 Segelfahrzeuge mit einer Besatzung von 491 Weißen und 1297 Farbigen. Die Dampfer sind in Kapstadt und Durban, die Segelboote in 27 Fischerorten der Küste beheimatet. Neuerdings sind nach Mosselbay von Schweden 5 F.motorfahrzeuge geliefert. Die Dampfer fischen mit Schleppnetzen, die Segler fast ausschließlich mit Angeln, nur wenige mit Stellnetzen und Zugnetzen (s. Netz - F.). Der Fang wird teils frisch verbraucht, teils gesalzen und getrocknet, nur wenig geräuchert. In Durban und in Mosselbay sind neuerdings Walfanggesellschaften tätig (s. Walfang). Zwei solcher Gesellschaften arbeiten auch von der Walfischbai, während je eine Gesellschaft an zwei Plätzen Deutsch - Südwestafrikas, Swakopmund und Sturmvogelbucht, im Frühjahr 1913 mit dem Fang beginnen wollte.

4. Die F. der Eingeborenen In den deutschen afrikanischen Kolonien. An den gesamten übrigen Küsten Westafrikas wird der vorhandene große Fischreichtum bisher nur durch Eingeborene ausgebeutet. Der Fischbestand scheint fast an der ganzen Küste ein außergewöhnlich großer zu sein, wenn die Fauna auch mit der Höhe des Salzgehalts wechselt. Dieser beträgt (nach Gruve 1) an den Küsten Mauretaniens und Senegambiens 40 - 50 Promille und nimmt von hier bis zur Mitte des Golfs von Guinea ab bis auf 20 - 25 Promille. Dieser Salzgehalt bleibt bestehen bis südlich der Mündung des Kongo. Von hier nimmt der Salzgehalt wieder zu, bis er auf der Höhe von Mossamedes 40 - 50 Promille beträgt. Von hier erfolgt eine allmähliche Abnahme bis auf 30 Promille, die bei Kapstadt gefunden werden. So kommt es, daß wir zwischen Senegambien und dem Kongo eine andere Fanna finden als weiter nördlich und südlich. Der Umfang der F., die von den Eingeborenen an diesen Küsten betrieben wird, ist in den einzelnen Kolonien sehr verschieden. An manchen Stellen wird eine ungemein intensive F. ausgeübt, wie an der Elfenbeinküste und in Dahomé, das sogar geräucherte Fische in erheblicher Menge exportiert, an anderen Stellen fischen die Eingeborenen überhaupt nicht, wie in Deutsch - Südwestafrika. In den andern beiden deutschen westafrikanischen Kolonien wird von den Eingeborenen ziemlich viel gefischt. - In Togo wird an der Küste, besonders aber in den Lagunen gefischt. Die See befährt man in Kanus, von denen zwei zusammen ein Netz schleppen. Am Strande werden Reusen der mannigfachsten Art aufgestellt. In den Lagunen fischt man ebenfalls mit Schleppnetzen, die von zwei Kanus gezogen werden, ferner mit Wurfnetzen (s. Netz - F.), Angeln (s. Angel - F.), Fischzäunen, Reusen (s. Reusen -F.). In den Flüssen verwendet man Fischzäune, Reusen, Speere, Pfeil und Bogen, Gifte, die von einer Euphorbiacee gewonnen w erden. Diese Gifte streut man ins Wasser und betäubt damit die Fische. Die am häufigsten vorkommenden Fische sollen Baxben (s.d.) und Welse (s.d.) sein. -Sehr viel intensiver wird von den Eingeborenen F. in Kamerun ausgeübt. So liegen an der Mündung des Rio del Rey etwa 15, an der des Kamerunflusses etwa 10 Fischerdörfer. Die Eingeborenen betreiben hier den Fang sehr eifrig mit Zugnetzen, Stellnetzen, Wurfnetzen (s. Netz - F.), mit Reusen (s. Reusen - F.), auch häufig mit Speer, Pfeil und Bogen. Auch die Bibundibucht und der Betikastrand sollen sehr fischreich sein. Die Fische werden entweder frisch verwendet oder geräuchert. Geräucherte Fische sind in ganz Westafrika stark begehrt. Eine Trocknung von Fischen ist mit Rücksicht auf das feuchte Klima nur auf künstlichem Wege möglich. Im Binnenland ist die F. noch wenig entwickelt. Zwar sind die Gewässer durchaus nicht fischarm, aber die F. wird verhältnismäßig wenig ausgenutzt. In einigen Teilen des Schutzgebiets findet man an den Ufern der Flüsse beköderte Fallen zum Fang größerer Fische; beim Berühren des Köders wird die Falltür ausgelöst und schließt sich. An Netzen wird vorwiegend das Wurfnetz (s. Netz - F.) angewendet. In Deutsch - Südwestafrika wird, wie schon .erwähnt, von Eingeborenen überhaupt nicht gefischt. In Swakopmund und Lüderitzbucht wird von Europäern mit Booten in ganz kleinem Umfange F. betrieben. Der Ertrag genügt kaum, um den Lokalbedarf zu decken. Zuzeiten (z. B. 1901/03) sind auch ganz geringe Mengen nach Kapstadt exportiert worden. Im Innern des wasserarmen Landes kann ein natürlicher Fischbestand nur an sehr wenigen Stellen vorhanden sein. Eine dieser Stellen ist der große Fischfluß, in dem Welse (s. d.; Clarias gariepinus) und eßbare Taschenkrebse (s. d.; Potamon pellatum) ziemlich zahlreich vorkommen. Von wirtschaftlicher und hygienischer Bedeutung - letztere mit Rücksicht auf die Vernichtung der Moskitolarven durch die Fische ist die fischereiliche Ausnutzung der Stauweiher (s. Teichwirtschaft), in denen Karpfen und Schleien mit Erfolg gehalten werden können. Diese beiden Fischarten wurden 1904 aus Deutschland (Fischzuchtanstalt Berneuchen) eingeführt. Im Mai 1913 wurde durch den Kolonialausschuß des Deutschen F.vereins mit gutem Erfolge neues Besatzmaterial von Karpfen und Schleien nach Swakopmund und Lüderitzland zur Verteilung auf verschiedene Stau - Weiher des Schutzgebietes überführt. - In Deutsch-Ostafrika enthält das Meer nach dem Urteil der Sachverständigen in Küstennähe große Fischmengen. So werden z. B. auf dem Markt in Tanga etwa 25 verschiedene Arten von Seefischen angebracht, von denen viele zur Familie der Seebarsche (s.d.) gehören. Es gibt Arten, die 40 - 50 Pfund schwer werden. Die F. an der Küste Deutsch - Ostafrikas wird nur von Eingeborenen betrieben und zwar vorwiegend mit Angeln, Stellnetzen, Wurfnetzen, dann auch mit Reusen und Fischzäunen. Die Fische werden entweder frisch verkauft oder getrocknet; sie reichen nicht annähernd aus, um den Bedarf der Kolonien an Fischfleisch zu decken, so daß große Mengen von getrockneten Fischen aus Indien eingeführt werden müssen. Im Binnenlande sind di oßen Seen fischreich, doch ist die Ausübung der g dort sehr erschwert, weil die Seeufer auf weite Strecken der Schlafkrankheit wegen unbewohnbar sind. Die Flüsse sind ungleichmäßig mit Fischen besetzt, unter denen Wels-, Barsch- und Barbenarten vorherrschen. Neuerdings hat die F. im Pangani einen erfreulichen Aufschwung genommen; es werden dort sehr große Mengen von Welsen gefangen, die geräuchert und über den ganzen Bezirk Wilhelmstal verhandelt werden (s.a. Fischindustrie). Im Jahre 1911 ist die Einführung von Karpfen und Schleien im Teiche der Minakipflanzung bei Daressalam gelungen. Die Besetzung der Quellbäche des Mkusuflusses im Bezirk Wilhelmstal mit Regenbogenforellen ist in Aussicht genommen. - Im ganzen ist der Stand der F. in den deutschen Kolonien ein durchaus unbefriedigender. Deutschland ist leider auf diesem Gebiet kolonialer Tätigkeit weit hinter den übrigen Kolonialvölkern, selbst hinter den Portugiesen, zurückgeblieben. Die dringend erforderliche Entwicklung der F. in den deutschen Kolonien wird nur dann ausreichend gefördert werden, wenn die Regierung sich entschließt, Fischereisachverständige hinauszusenden und mit der Organisation der F. zu beauftragen.

Lübbert.

5. Die F. der Eingeborenen in den deutschen Kolonien der Südsee. Im Nahrungserwerb der Eingeborenen spielt die F. mit ihren vielen Methoden und Hunderten von Abarten eine sehr wichtige Rolle. Sie ist vorzüglich bei den Bewohnern der kleinen und den Küstenbewohnern der großen Inseln ausgebildet; im. Binnenlande hat sie nur Bedeutung bei den Anwohnern größerer Flußläufe. Männer und Weiber üben die Fischerei aus, aber selten gemeinsam; beide haben ihnen allein eigentümliche Methoden, die wiederum mit der Art der Fischgründe zusammenhängen. Die F. der Frauen beschränkt sich auf das Riff, den Strand, wo kleine Fische in Reusen, Körbchen, Gelegenheitswehren, oft auch in Treiben gefangen, und gleichzeitig eßbares niederes, Seegetier aller Art als Schnecken, Muscheln, Holothuhen, Krebse eingesammelt oder am Strande ausgegraben werden. Nur in wenigen Fällen beteiligen sich Frauen am Fischfang vom Kanu aus. Die Kanu - F. gehört zu den Obliegenheiten der Männer, die infolgedessen auch eine große Zahl von meist recht schmackhaften Fischen für die Frauen verbieten, um sie allein zu essen. Andererseits behalten auch die Frauen viele von ihnen gefangene Fische und Seetiere für sich zurück. Verbote erstrecken sich allgemein über eine Reihe von Meerestieren, die als Totemtiere (s. Totemismus) bestimmter Sippen gelten; Angehörige solcher Sippen dürfen derartige Tiere nicht essen, oder erst nachdem durch besondere Weihen das Verbot aufgehoben ist; den anderen ist es ohne weiteres gestattet. Zu gewissen Zeiten: Schwangerschaft der Frau, Pubertäts-, Ernte-, Totenfesten, sind für die Beteiligten gleicherweise eine Reihe von Fischen verboten (s. Tabu). Man unterscheidet: Wild - F., durch F.gerechtsame geregelte F., Gelegenheits - F. und Fischzucht. Die Wild - F. ist am meisten im Schwange. Jeder hat das Recht, unbekümmert um andere an allen Orten dem Fischfange obzuliegen. Für die Hochsee gilt sie allgemein, in Lagunen, auf Riffen, ferner in Flüssen unterliegt sie gewissen Einschränkungen. Die einzelnen Dorfschaften oder Stämme reservieren die anliegenden Wasserflächen der alleinigen Abfischung durch ihre Angehörigen. Auf den Karolinen, Marshallinseln, Samoa und in einzelnen Teilen des Bismarckarchipels, Kaiser-Wilhelmslands bestehen besondere F.gerechtsame. Die Oberhoheit ruht hier in den Händen weniger Personen, der Häuptlinge, Dorfältesten oder Familienhäupter der besitzenden Klassen. Die Wasserflächen auf dem Riffe, in den Lagunen und direkt vor dem Riffe auf hoher See sind in einzelne Reviere abgeteilt, die äußerlich durch Landmarken oder Steinsetzungen gekennzeichnet sind. Die Nutznießung dieser Reviere ist allein den Besitzern überlassen, die ihr F.recht jedoch gegen bestimmte Abgaben und Anteil am Fangergebnis an andere Leute aus den übrigen Klassen überlassen. Die Gelegenheits - F. geht auf Fang von nur zeitweilig und in einzelnen Exemplaren oder zu regelmäßigen Zeiten erscheinenden Meerestieren aus. Zu den ersten gehört z. B. der Fang des Dugongs, des Wals, der Schildkröte usw., zu den zweiten z.B. der Fang des Palolo (s. Samoa 6) n Samoa und am Kap König Wilhelm im Kaiser-Wilhelmsland oder der des Bonitos auf den Antinseln bei Ponape (Karolinen). Fischzucht wird von den Eingeborenen selten getrieben, es sei denn, daß man das Halten von Schildkröten in Teichen dafür rechnet, die nach Eingeborenenanschauung auch zu den Fischen zählen. Fischzucht in wahren Sinne wird nur in Nauru (Marschallinseln) ausgeübt, wo in den abgeteilten Teichen einer ehemaligen Lagune die Ibiafische aus stecknadelgroßen Individuen zu makrelenartigen Exemplaren herangezogen werden. Zur Ausübung des Fischfanges ist eine große Anzahl von Geräten nötig, die zum Teil Gemeingut aller Völker wurden. Den lokalen Verhältnissen und Erfordernissen entsprechend sind diese Gerätschaften ihren jeweiligen Zwecken angepaßt. Daraus erklärt sich in der Südsee ihre ungemein große äußere Verschiedenheit, obschon in der Verwendungsweise nennenswerte Änderungen nicht eintraten. Als Fischgeräte sind in der Südsee gebräuchlich: 1. Angel, 2. Schlinge, 3. Netz, 4. Speer, 5. Bogen und Pfeil, 6. Korb (Handgeräte), 7. Falle, 8. Gift, 9. Reuse, 10. Wehr und Buhne (automatische Geräte). Keule, Rassel und Köder aller Art finden als wichtige Hilfsutensilien Verwendung. In jüngster Zeit bildet auch das Dynamit ein F.gerät, dessen Anwendung jedoch nur in wenigen Gegenden erlaubt ist. - Die Angel ist das gebräuchlichste Fischgerät der Südsee. Selten benutzt man einen Angelstock, sondern bedient sich meist einer Leine, die mit Haken und Köder bewehrt wird. Diese Leinen bestehen aus gedrehten, seltener geflochtenen Schnüren aus Kokosfaser, Hibiskusbast, Seetang, Rotan und Menschenhaaren. Sie haben Durchmesser von der Dicke eines Seidenfadens bis zu mehreren Zentimetern. Der Haken besteht entweder aus einem Stück oder ist zusammengesetzt. Schildpatt, Knochen, Perlmutter, Holz werden zu seiner Herstellung benutzt, falls nicht europäische eiserne Haken verwendet werden. Die einfachen Haken stellt man in beliebiger Größe, Form und Ausführung her, die sich nach den verschiedenen Fischarten richten (s. Tafel 57 Abb. 4, 12, 30-33). Die zusammengesetzten Haken oder Spinner bestehen zum mindesten aus zwei Teilen, dem fischähnlichen Blänker und dem eigentlichen Haken, die beide durch geeignete Bindungen verschiedenster Art zusammengehalten oder auch verkittet werden. Bei vielen Spinnern wird statt des Köders mit dem Haken eine künstliche Fliege aus Federn, Bast oder Blättern eingebunden (s. Tafel 57 Abb. 13, 14, 19, 23). Haken werden meist an die Leine angewunden. Zum Fang mit dem einfachen Haken benutzt man als Köder: Küchenabfälle, kleine Fische, niederes Seegetier usw., auch lockt man durch besondere vorher gefangene Köderfische den Fangfisch herbei; beim Spinner ersetzt der fischförmige Blänker den Köder. Beim Fang benutzt man die Handleine, die, mit einem Haken bewehrt, ruckweise gehoben und gesenkt wird; in tiefen strömenden Gewässern ersetzt man sie durch die Langleine, welche mehrere in regelmäßigen Abständen eingeknüpfte Haken besitzt. Für den Fang des Purgierfisches, namentlich der Grundfische, bedient man sich der Grundangel, die mit einem Senker an der Riffkante oder in mäßig tiefem Wasser verankert wird, so daß der Haken im Wasser schwebt. Die Spinner werden einzeln oder zu mehreren an einer Leine hinter schnellsegelnden Kanus geschleppt, um vornehmlich Raubfische damit einzufangen (Bonito). Eigentümliche Angeln sind: das Fanggerät für den Octopus (Samoa), die Bojenangel für den Fang fliegender Fische und die Fischdrachen (s. Tafel 57 Abb. 1 und 5). Die Bojenangel (s. Tafel 57 Abb. 18) besteht aus einer entleerten Kokosnuß, deren Keimloch mit einem Pfropfen fest verschlossen wird. An dieser Schale sitzt eine Leine mit einem kleinen mondsichelförmigen Haken, der mit einem Köder versehen wird. Sobald der fliegende Fisch anbeißt, taucht die Boje unter Wasser und gibt dem Fischer damit das, Zeichen, seine Beute ins Kanu zu ziehen. Auch die Drachen - F., die vornehmlich in den Karolinen, dann auch auf den Admiralitätsinseln, St. Matthias, Emir, den Salomonund den Tamiinseln gebräuchlich ist, wird vom Kanu aus betrieben. Diese Drachen fertigt man aus leichten Stäben und Blättern oder nur aus Blättern an, läßt sie Inder auch bei uns gebräuchlichen Weise an dünnen Schnüren in die Luft steigen (s. Tafel 57 Abb. 1 und 5) und bindet die Drachenleine am Kanu fest. Eine Fischleine, die unten mit einem Spinner bewehrt ist, ersetzt den Schwanz. Man rudert möglichst schnell gegen den Wind, wobei der Spinner durch das Wasser ohleift und leicht als Köder angenommen wird. den Admiralitätsinseln und den Salomonen werden in der Drachen - F. statt der Spinner auch spinnwebenähnliche Kokons benutzt. Man rollt die Spinnweben zusammen und befestigt den seidenglänzenden Ball an der Fangleine. Einige Zahnfische beißen sich in diesen Köder fest und können nicht wieder frei kommen. Die Kokons liefernden Raupen werden auf netzähnlichen Zuchtrahmen oder auf bestimmten Büschen gehalten. Gelegentlich wird, wie z.B. in Tobi (Westkarolinen), die Drachen - F. am Riffrande mittels Angelstocks ausgeführt. Die Angel - F. liefert im übrigen Esche besserer Qualität, als die mit den anderen, Geräten gefangenen. - Schlinge. Für den Fang von Schildkröte, Delphin, Dugong, Hai und Aal sind Schlingen mannigfacher Art in Gebrauch. Ihre wichtigsten Formen sind die Stockschlinge, welche für den Aalfang gebraucht wird, die Überstreifschlinge, mit der Schildkröte, Delphin, Dugong eingefangen werden, und die Haischlinge. In Neumecklenburg besteht dieses Fanggerät (s. Tafel 67 Abb. 2) aus einem flügelähnlichen hölzernen Schwimmer, der in der Mitte durchbohrt ist. Durch dieses Loch läuft das Schlingenseil aus Rotan. Man lockt den Hai mit einer Rassel aus Kokosschalen oder Cassismuscheln herbei und stellt die Schlinge so geschickt, daß der Hai hineingerät. Befindet sich das Tier in der Schlinge, so zieht man sie zu und bringt den Hai längsseits vom Boot, wo ihm mit Keulen und Speeren der Garaus gemacht wird.

Netz.

In der Netz - F. sind zwei wesentlich verschiedene Geräte gebräuchlich: Rahmennetze und Garne. Die ersten werden meist in der Klein-F. benutzt und in den verschiedensten Größen hergestellt vom kleinsten Handnetz bis zum größeren Kätscher und Hamen. Die Netzbeutel werden mit Netzschützen über flachen Brettchen in der Breite der Maschen aus Kokosbindfaden, Seetang oder Hibiskusbast geschurzt. Man hängt sie in feste Holzrahmen ein oder spannt sie über zwei Holzbügel. Außerdem werden sie mit langen hölzernen Stielen versehen. Die Rahmennetz - F. wird wesentlich auf dem Riffe betrieben; auf hoher See oder in den Lagunen findet sie nur beim Treibfischen und Fang der fliegenden Fische Verwendung. In der Netz - F. nimmt das Senknetz eine Sonderstellung ein, während das Scheren- oder Klappnetz und die Hamenkurre ein Mittelding zwischen Hainen und Garnen bildet. Das Senknetz (s. Tafel 57 Abb. 6) besteht aus einem weitmaschigen Netzbeutel, der in einen kreisrunden Rahmen eingehängt ist und in der Mitte durch einen steinernen Senker heruntergehalten wird. Der Rahmen hängt mit drei bis vier Haltestricken an der Handleine. Über dem Netzbeutel wird in einen Strick der Köder eingeklemmt, das Netz in die Tiefe gesenkt und rasch emporgeholt, sobald ein Fisch anbeißt. - Das Scheren- oder Klappnetz besteht aus zwei zusammenklappbaren Netzwänden, deren Außenwand an festen Holzleisten hängt und die entweder, durch eine schmale Netzwand verbunden, ein Ganzes bilden (Melanesien), oder von denen jede selbständig ist (Mikronesien). Diese Geräte werden wie Garne beim Treibfischen verwendet. - Die Hamenkurre (s. Tafel 57 Abb. 34) ist nur in Jap (Karolinen) gebräuchlich. Sie besteht aus einem gestielten Scherbrett, an dem ein trichterförmiges, engmaschiges, kräftiges Netz befestigt ist. Es wird auf dem Riffboden geschleppt. Die Garne sind einfache Netzwände, die an langen Strecktauen, den Simmen, befestigt sind, welche durch die obersten Netzmaschen hindurchgezogen werden. An dem Obersimm sind in regelmäßigen Abständen Schwimmhölzer (Flotten) eingeknüpft, während das Untersimm mit Senkern aus Steinen, Muschelringen usw. besetzt wird. Dadurch wird das Netz im Wasser schwimmfähig erhalten und behält gleichzeitig seine senkrechte Lage bei. Die Garn - F. wird in Lagunen, an Meeresküsten, in der Brandung namentlich in leicht absperrbaren Wasserstrecken betrieben. Sie ist sehr lohnend. Die Garne werden als Stellnetz, Sperrnetz, Treibnetz, Zugnetz, gelegentlich auch als Wurfnetz gebraucht. Die Zahl der in der Garn - F. angewendeten Methoden ist sehr groß. - Die Reusen (s. Tafel 57 Abb. 35 - 38) sind verschieden geformte kleine bis beträchtlich große Geflechte mit einem oder mehreren trichterförmigen Eingängen, durch welche die Fische in die Reusenkammer zu den Ködern gelangen, aber infolge der Sperrvorrichtungen nicht wieder heraus können. Als Herstellungsmaterial benutzt man gespaltenen Bambus, Rotan, Baumzweige, die mit Bindfaden zusammengehalten werden. Mit diesen Geräten wird Fischfang auf dem Riffe, am Riffabfall und auf hoher See betrieben. Beliebte Fangstellen sind die Riffkanäle, an denen das Wasser ein- und ausströmt. Hier werden die Reusen bei Niedrigwasser ausgesetzt, mit Steinen beschwert oder verankert und nach Verlauf mehrerer Tiden wieder eingeholt, um von ihrem Inhalt befreit zu werden. Das geschieht durch eine in der Reuse befindliche Tür. Sehr wichtig ist die Verwendung der Reuse in der Treibholz - F. Diese Fangmethode ist wegen ihrer Ergiebigkeit in den Karolinen recht beliebt. Die Eingeborenen fahren die Reuse in Kanus auf die Hochsee und fahnden auf Treibholz, das meist reich mit Seegetier aller Art besetzt ist und so Fische heranlockt. Die Reuse wird an das Treibholz angebunden; man läßt sie mehrere Stunden auf dem Meere treiben und holt mit ihr dann einen reichen Fang ein. Es gibt eine große Zahl von Reusenformen verschiedenster Art und Aussehens, von wenigen Kubikdezimetern bis zu mehreren Kubikmetern Inhalt, daß eine Einzelbeschreibung zu weit führen würde. Die wichtigsten Arten sind: die einfache Reuse, kastenartig, flach, quadratisch oder mit gewölbtem Dach, mit einem Eingang; die Trommelreuse, radförmig, zylindrisch mit einem oder zwei Eingängen; die Faßreuse mit zwei Eingängen, oben und unten. Sie ist in KaiserWilhelmsland, Neupommern sehr gebräuchlich und wird mit besonderen Ankern in tiefem Wasser verankert; die Schlauchreuse, meist für den Aalfang in strömenden Gewässern und Schilf der Flüsse bestimmt; die Reuse. mit meterlangem, zylindrischem Vorstecknetz, das an der Eingangstür zur Reuse befestigt wird. - Wehr und Buhne. Beide werden in der Riff - F. verwendet. Sie werden im seichten Wasser in der Nähe der tiefen Riffkanäle oder der Brandung angelegt. Die Wehre haben steinerne Leitdämme, die Buhnen haben solche aus hohem Busch- oder Röhrichtgeflecht. Sie sind von sehr verschiedenem Grundriß und derartig angelegt, daß die Leitdämme bei Hochwasser vollständig mit Wasser bedeckt sind. Die Fische schwimmen an den Leitdämmen entlang und gelangen in die Buhnenkammern und Bünn der Wehre, aus denen sie sich nicht zurückfinden. Mit ablaufendem Wasser werden die Zugänge zu den Buhnen oder zur Bünn im Wehr mit Netzen abgesperrt und so der Fang geborgen. Buhne und Wehr verwendet man auch kombiniert.

Fischstechen.

Diese Art der F. ist allgemein beliebt und wird überall mit Speeren, in Melanesien auch mit der Harpune und Bogen und Pfeil ausgeübt. -Der übliche Fischspeer (s. Tafel 57 Abb. 11) besteht aus einem langen, dünnen Rundholz, das vorn mit einem engen Kranz von Zinken bewehrt ist. Daneben kommen lokal noch andere Formen vor. Die Harpune wird gleichfalls aus Holz angefertigt und ist mit einem Haken versehen. Mit ihm wird die Jagd auf Dugong, Delphin, Hai ausgeübt. Bogen- und Pfeil sind die gleichen wie die im Kampf verwendeten Waffen. Zur Erzielung einer größeren Treffsicherheit fertigt man die Fischpfeile auch in der Form der eben beschriebenen Fischspeere an. Auf einem hochgelegenen Platz, einem Steinhaufen auf dem Riff oder einem Baume, wartet der Schütze oft stundenlang auf einen vorüberziehenden Fisch, um ihn sich als Beute zu holen. - Falle, Korb, Gift. Diese drei Fangmittel haben eine untergeordnete Bedeutung. Eigentliche Fischfallen sind unbekannt; die Falle wird als steinbeschwerte Schlagfalle nur zum Fang von Krabben und Krebsen benutzt. Körbe verwendet man gelegentlich in der Buhnen - F. oder verbirgt sie unter Steinhaufen, um beim Treibfischen die kleinen Fische, welche nachher meist als Lockund Köderfische gebraucht werden, hineinzuscheuchen und zu fangen. Zum Fischen mit Gift, dem dai namit belong Kanaka", benutzt man verschiedene Saponin enthaltende Pflanzen; der zerstampfte Pflanzenbrei wird in abgeschlossene Wassertümpel geschüttet. Die betäubten Fische treiben an die Oberfläche und werden hier mit Kätschern eingesammelt. - So viel über die Fanggeräte, deren man sich bei den verschiedenen F.methoden bedient. Diese Methoden sind derartig, daß einige von einzelnen Leuten ausgeführt werden können, bei anderen bedarf es des Zusammenwirkens mehrerer Fischer, Geräte und Kanus, von dem Fischtreiben abgesehen, an denen große Gesellschaften, bisweilen das ganze Dorf, teilnehmen. Lebende Fische bringt kein Eingeborener heim, sondern er tötet sie sofort nach dem Fang, meist durch einen Einbiß in das Hirn. - Die Verteilung des Fanges erfolgt nach streng geregelten Sätzen an die Familien im Dorfe, nachdem der Häuptling und zuweilen die See- und Fischgeister ihren besonderen Anteil erhalten haben. - Die Fangzeiten sind recht verschieden; sie richten sich nach der Fischart, ihrem Auftreten zu bestimmten Zeiten; auch sind nicht alle Tagesstunden geeignet. Die Nacht, namentlich bei Neumond und erstem und letztem Viertel, wo bei Fackelschein gefischt wird, und die frühen Morgenstunden sind am geeignetsten. Fischt man am Tage, so werden die Augen gegen das Blenden der Sonne und des Wassers durch einen Schirm geschützt. Zu bestimmten Jahreszeiten werden auf einigen Inseln große Überseereisen nach anderen Plätzen ausgeführt, um hier besonders reiche Fischzüge zu tun oder Schildkröten einzufangen. -Die Zubereitung der Fische geschieht durch Kochen und Rösten. Rösten ist meist üblich; man brät den Fisch samt Eingeweiden am offenen Herdfeuer oder auf heißen Steinen. Mehrere Fischarten werden roh genossen. Auch an giftige Fische wagt sich der Eingeborene heran und genießt sie nach Entfernung der giftigen Bestandteile. - Fische und Fischfang unterstehen dem Schutz besonderer Meer- und Fischgeister. Strenge, lokal verschiedene Förmlichkeiten und feierliche Handlungen, die in Opfern, Gebeten, Klausur, Speiseverboten, Weiberenthaltung, Orakeln usw. bestehen, müssen innegehalten und befolgt werden, um eine reiche Beute zu erzielen.

Thilenius.

Über Sonderzweige der F. s.a. Angelfischerei, Fischzucht, Netzfischerei, Reusenfischerei, Teichwirtschaft. Über die industrielle Verwertung der Fische s. Fischindustrie.

Literatur: Benecke-von Debschitz, Die Teichwirtschalt. Berl. 1911. - Demandt, Die Fischerei der Samoaner. Hamb. 1913. - Ehrenbaum, Über Fische von Westafrika, besonders von Kamerun. Hamburg 1914. -Gruvel et Bouyat, Les Pêcheries de la Côte Occidentale d'Afrique. Paris 1906..- Gruvel, Les Pêcheries des Côtes du Sénegal et des Rivières du Sud. Paris 1908. -Gruvel, Der Fischfang der Eingeborenen in den Kolonien Westafrikas, Petermanns Mitteilungen. Gotha 1911. - Gruvel, L'Industrie des pêches 8ur la côte occidentale d'Afrique. Paris 1913. - Lübbert, Die Einführung von Motor und Schernetz in die deutsche Segelfischerei. Berl. 1906. - Peiper, Die Küsten- und Seefischerei in Deutsch-Ostafrika, Mitteilungen des Deutschen Seefischerei - Vereins. Berl. 1911. - Schultze, Die Fischerei an der Westküste Südafrikas. -Abhandlungen des deutschen Seefischereivereins. Berl. 1907.

Lübbert.