Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 638

Flamingos, Phoenicopteridae, Gruppe der Schreitvögel (Gressores), zu der auch Reiher und Störche gehören, auffallend durch sehr langen dünnen Hals und lange Beine, deren kurze Zehen durch Schwimmhäute verbunden sind. Sehr eigentümlich ist die Schnabelform. Der Oberkiefer ist abgeplattet, sein Spitzenteil in starkem Winkel abwärts gekrümmt, der Unterkiefer zu einer weiten Höhlung, aufgetrieben. Die Flamingos leben in wärmeren und heißeren Breiten, in Europa, Asien, Afrika und Amerika. Sie bewohnen freie Meeresküsten, Lagunen, Flußmündungen und auch größere Binnenseen und halten sich ausschließlich auf dem Erdboden oder im, Wasser auf, da sie ihrer kurzen Zehen wegen unfähig sind, aufzubäumen, Sandbänke an den Gestaden, in Lagunen, Seen und Flüssen sind ihre bevorzugten Aufenthaltsorte. Höchst gesellig, leben sie in großen Scharen vereint, suchen gemeinsam ihre Nahrung im seichten Wasser, halten gemeinsam Nachtruhe an den äußersten Spitzen von Landzungen und Sandbänken und brüten auch kolonieweise in weiten Sümpfen. Zum Schwimmen bequemen sie sich nur in der Not; die Schwimmhäute dienen ihnen anscheinend nur dazu, das Einsinken in weichen Boden zu verhindern. Ihr Flug ist schnell mit kurzen Flügelschlägen; Hals und Ständer werden dabei gerade fortgestreckt. Größere Scharen ordnen sich beim Zuge in eine schräge Linie oder in Keilform. Die Stimme ist krächzend. Die Nahrung, die in kleinen Wassertieren, Mollusken, besonders Krebsen, Würmern und auch in Pflanzenstoffen besteht, erlangen sie, indem sie durch Treten mit den Füßen den Schlamm aufrühren und in diesem nach Art der Enten schnattern. Die Nester werden im Sumpfe, auf nassem Boden oder in seichtem Wasser aus Pflanzen und Schlamm aufgeschichtet und haben die Form kurzer, abgestutzter Kegel. Die Eier haben längliche Form, bläulichweiße Farbe und darüber einen Kalküberzug. In Afrika lebt der auch über die Mittelmeerländer und Indien verbreitete Phoenicopterus roseus und der kleinere Phoenicopterus minor. In den anderen deutschen Schutzgebieten fehlen die F.

Reichenow.