Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 642

Fleischkonservierung. Da das Fleisch bei den hohen Wärmegraden der tropischen und subtropischen Gebiete schnell dem Verderben ausgesetzt ist, ist hier seine zweckmäßige Konservierung von großer Bedeutung. Diese kann in verschiedener Weise erfolgen:

1. Dörrfleisch. Dieses wird heute im großen in besonderen Anstalten, "Saladeros" genannt, in Argentinien, Brasilien usw. hergestellt. Das Fleisch wird in große Stücke von bestimmter Stärke zerlegt, eine Zeitlang gepökelt und dann an der Luft getrocknet. Diese Art der Zubereitung ist in den Kolonien nicht bekannt, es werden aber zurzeit Versuche zur Herstellung von solchem Dörrfleisch in Deutsch- Südwestafrika eingeleitet. Dörrfleisch (Biltong) wird hingegen im kleineren Umfang von Farmern vielfach hergestellt. Solches Fleisch, insbesondere von Wild, wird in lange Streifen geschnitten, gepökelt und getrocknet, zuweilen auch geräuchert. -

2. Geräuchertes Fleisch und Fleischwaren. Auch diese werden in den Kolonien, wenn auch nicht in großem Umfange, hergestellt. In Deutsch-Ostafrika erfreuen sich z. B. die geräucherten Schinken und Dauerwaren der Farm Kwai großer Beliebtheit. -

3. Fleischkonserven (Büchsenfleisch). Derartige Fabriken bestehen in Argentinien, Uruguay. Es ist in Aussicht genommen, auch in Deutsch - Südwestafrika eine solche Fabrik zu errichten, sobald so viel Schlachtware im Lande vorhanden ist, daß ein fortlaufender Betrieb unterhalten werden kann. In geringem Umfange werden Konserven in Deutsch-Südwestafrika heute auch schon hergestellt. Eine kleine in Karibib errichtete Fleischkonservenfabrik hat ihren Betrieb einstellen müssen, doch beabsichtigt man, diese auf kräftigerer finanzieller Grundlage wieder zu errichten. -

4. Gefrierfleisch (Kühlfleisch). Die Herstellung von Gefrierfleisch hat für viehreiche Bezirke, die auf den Export angewiesen sind, große wirtschaftliche Bedeutung. In Deutsch - Südwestafrika ist jetzt der Anfang mit der Gewinnung von Gefrierfleisch gemacht. Von Swakopmund aus werden die dort anlegenden Dampfer mit Gefrierfleisch versorgt. Auch ist Gefrierfleisch nach dem Hamburger Freihafen verschifft, dieses hat sich indes als noch nicht marktfähig erwiesen. Für Anlagen nach dem Muster der Gefrierfabriken in Argentinien fehlt im Schutzgebiet zurzeit noch das erforderliche Schlachtvieh. -

5. Pökelfleisch. Dieses wird durch 3 - 4 Wochen langes Lagern des Fleisches in Pökellauge hergestelllt. Es findet Verwendung für die Verproviantierung von Schiffen, die nicht mit Kühlräumen versehen sind und auch zur Herstellung von Büchsenfleisch. In Deutsch Südwestafrika werden zurzeit Versuche gemacht, Pökelfleisch für den Export nach Deutschland herzustellen. Über Fischkonservierung s. Fischindustrie.

Neumann.