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Flora. Die floristische Erforschung eines Landes sieht ihr Ziel in der
Feststellung aller Pflanzen, die in ihm
vorkommen. Sie erstrebt möglichste Vollständigkeit und setzt darum eine
umfassende Sammeltätigkeit zu allen Jahreszeiten
voraus. Ihr liegt ganz in erster Linie daran, die Frage zu beantworten:
Welche Pflanzenarten setzen die Vegetation eines Landes zusammen. Jede
"Flora", die im Druck erscheint, ist eine nach dem Begriff der
systematischen
Verwandtschaft geordnete Aufzählung von
Pflanzennamen.
Die Erforschung der Vegetation (s.d.) eines Landes stellt sich höhere
Aufgaben. Sie fragt nicht nur: Was kommt vor? Sondern auch: Wie kommt
es vor? Sie geht über die rein geographische Feststellung von Fundorten
hinaus, indem sie die Pflanzen nach Formationen gruppiert, d.h. nach Genossenschaften, die sich unter der
Einwirkung
gleicher Bodenverhältnisse, gleicher klimatischer oder sonstiger äußerer
Faktoren immer zusammen vorfinden. Sie berücksichtigt auch die
Physiognomik
der Gewächse, trennt das Häufige von dem Seltenen, zählt nicht bloß auf,
sondern versucht zu schildern. Die F. eines Landes kann nach Herbarien,
nach Sammlungen getrockneter Pflanzen entworfen werden, seine Vegetation
vermag nur der dem Verständnis näher zu bringen, der das Land selbst
bereist
hat. Die F. der deutschen Schutzgebiete
ist uns nur im allgemeinen bekannt, wenn auch einige Teilgebiete in
ihnen
(die Karolineninsel Jap, die Maxshallinseln,
Kiautschou, das mittlere Küstengebiet Ostafrikas, der Kamerunberg und die Umgebung Bipindis in
Südkamerun,
vereinzelte Gebiete in Südwestafrika) schon ziemlich eingehend
erforscht
sind. Der Reichtum der F. eines Landes wird nach der Zahl der in ihm
spontan
auftretenden Arten ermessen. Er ist nicht allein abhängig von günstigen
klimatischen Faktoren, sondern mehr noch von der Verschiedenheit der
Bodenverhältnisse,
die innerhalb der Grenzen des Landes herrschen, und von der
Einwanderungsmöglichkeit,
die dieses Land den Pflanzen seiner Nachbarländer bietet. Ist es als
kleinere
Insel durch breite Meeresflächen oder als Teil eines Festlandes durch
hohe, bis in die Schneeregion reichende Gebirge ringsum und von jeher
abgeschlossen gewesen, wird es immer eine ärmlichere F. aufweisen, als
wenn es stets frei und offen dalag und den aus allen Himmelsrichtungen
kommenden Zuzüglern möglichst wechselvolle Existenzbedingungen bot.
Gerade
das geologische Alter spielt darum eine wichtige Rolle. Von den
deutschen
Kolonien dürfte Kamerun die reichste F. haben, gewiß an 10 000
Arten,
während die sich nur aus Koralle aufbauenden Karolinen es auf kaum mehr als ein- bis
zweihundert
bringen. Eine verhältnismäßig große Zahl von Arten birgt ferner Deutsch-
Südwest-
und Ostafrika. Togo, das keine höheren Gebirge besitzt, hat auf
gleichem
Raum viel weniger. Kiautschou ist sehr arm daran, weil dort last du
gesamte
Gelände unter Kultur steht. Neuguinea
ist noch zu wenig erforscht, um genaueres sagen zu können, doch weist
das, was bekannt ist, auf einen Reichtum hin, der dem Kameruns
gleichkommt,
ihn vielleicht noch übertrifft.
Literatur: Alles, was bis auf die neueste Zeit über die F. unserer
afrikanischen Kolonien veröffentlicht wurde, ist aufgeführt u. zusammengefaßt in
dem Werk: A. Engler, Die Pflanzenwelt Afrikas,
Lpz. 1912, von dem bisher 2 Bände erschienen sind. - Alles auf Neuguinea
Bezügliche findet man in dem Werk: K. Schumann u. Lauterbach, Die Flora der deutschen
Schutzgebiete in der Südsee. Berl. 1902. Vgl.
ferner für die Karolinen: O. Volkens, Die Vegetation der Karolinen in Englers Bot. Jahrb.,
Lpz. 1901; für die Marshallinseln: G.
Volkens, Die Flora der Marshallinseln in Notizblatt d. Kgl. Bot. Gartens u. Mus.
Nr. 32, Berl. 1903; für Samoa: F. Reinecke in Engler8 Jahrb., Lpz. 1897/98, u. F.
Vaupel in Englers Bot. Jahrb., Lpz. 1910; für Kiautschou: E. Gilg u. Th.
Loe8ener, Beiträge zu einer Flora von Kiautschou u. einiger angrenzender Gebiete
in Englers Bot. Jahrb., Lpz. 1904.
Volkens.
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