Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 646 ff.

Flußschiffahrt. 1. Allgemeines. 2. F. in Togo. 3. F. in Kamerun. 4. F. in Deutsch-Ostafrika. 5. F. in der Südsee und Kiautschou.

1. Allgemeines. Für die F. liegen die Verhältnisse in den deutschen Schutzgebieten nicht sonderlich günstig. Zwar gibt es auch hier bedeutende Flüsse und Ströme, die, die Länge der Flüsse in der norddeutschen Tiefebene erreichen und großen Wasserreichtum haben. Ihre Verwendbarkeit als Wasserstraßen ist indessen meist beschränkt, sei es, daß die Wassertiefen wenigstens während eines Teils des Jahres nicht ausreichen, oder daß die Strömung zu reißend ist, oder daß Stromschnellen den Wasserlauf unterbrechen.

2. F. in Togo. Togo besitzt außer den Grenzflüssen Volta (s.d.) und Monu (s.d.) keine Flüsse mit nennenswerter Schiffahrt. Für das Küstengebiet bildet die Lagune, die sich vom Togosee bis zum Monu parallel zur Küste hinzieht, eine wichtige Verkehrsstraße, auf der jederzeit zahlreiche Kanus und Boote von zum Teil beträchtlicher Ladefähigkeit verkehren.

3. F. in Kamerun. Kamerun hat eine große Anzahl von Flüssen, die für Schiffahrtszwecke geeignet sind (s. Karte ). Auf verschiedenen von ihnen spielt sich bereits ein nicht unbedeutender Verkehr ab, der in Anbetracht der Unzulänglichkeit der sonstigen Verkehrsverbindungen für das Wirtschaftsleben des Schutzgebiets von Bedeutung ist. Die von den Hochländern im Innern des Schutzgebiets kommenden Flüsse enthalten vielfach Stromschnellen, die durch den Absturz des Hochlandes zum Flachlande bedingt sind. Wenn deshalb auf diesen Flüssen auch keine durchgehende Schiffahrt möglich ist, so können doch die einzelnen Abschnitte als Glieder eines großen Verkehrsnetzes, dessen Rückgrat die Eisenbahn bildet, von hoher Bedeutung für die Erschließung des Schutzgebietes werden. Von den zur Küste eilenden Flüssen sind zu nennen. Der Kreuzfluß (Crossfluß), der allerdings nur mit seinem Oberlauf in deutschem Gebiete liegt, die Zuflüsse und Arme des Astuariums an der Rio del Rey - Küste und an der Kamerunbucht, ferner der Sanaga, Njong, Lokundje, Kampo und die Munibucht mit ihrem Zufluß Temboni. Von den zum Kongo strömenden Flüssen kommen für die Schiffahrt in Betracht der Ssanga mit seinen Nebenfluß Dscha und seinen Quellflüssen Kadei und Mambere, sowie deren Nebenflüsse Bumba und Dume, die unweit des Ssanga in den Kongo mündenden Flüsse Likuala -Mossaka und Likuala - Essubi und der das Schutzgebiet allerdings nur auf eine kurze Strecke berührende Ubanghi mit seinem Nebenfluß Lobaje. An der Südgrenze des Schutzgebiets bildet der dem Ogowe zuströmende, Iwindo mit seinen Zuflüssen Dschua, Karagua und Nuna ein zusammenhängendes Schiffahrtssystem. Für den Nordwesten des Schutzgebiets spielt die Schifffahrt auf dem Benue und seinen Nebenflüssen Taraba, Faro und Mao - Kebbi eine Rolle, die durch den Niger unmittelbare Schifffahrtsverbindung mit dem Meere haben. Im Nordosten sind die Grenzflüsse Schari und Logone und der Nebenfluß des letzteren, Penndé, schiffbar. Der Kreuzfluß wird in der wasserreichen Zeit mit ]deinen Flußdampfern bis Ossidinge befahren. Die Arme des Ästuariums an der Rio del Rey - Küste sind teilweise für Seeschiffe zugänglich, die Zuflüsse, von denen hauptsächlich Ndian und Meme zu nennen sind, nur für ]deine Fahrzeuge auf verhältnismäßig kurze Strecken bis zu den Schnellen. Von den Zuflüssen der Kamerunbucht kann der Mungo bis Mundame und der Wuri bis Jabassi, desgleichen der Dibombe, ein Nebenfluß des Wuri, mit. Barkassen befahren werden. Die Arme des vielverzweigten Ästuariums der Kamerunbucht, haben zum großen Teil bedeutende Wassertiefen und sind deshalb auch für große Fahrzeuge benutzbar. Hervorzuheben sind der Bimbiafluß, der von der See her für Schiffe von 4 - 5 m Tiefgang zugänglich ist, der Dibamba und der Kwakwa Kreek, der die Kamerunbucht mit dem unteren Teile des Sanaga verbindet. Letzterer ist von der Mündung bis zu den großen Wasserfällen bei Edea, wo die Eisenbahn den Fluß kreuzt, für kleine Flußdampfer schiffbar. Oberhalb Edea ist der Sanaga mehrfach von Stromschnellen durchsetzt. Ob und in welcher Weise die durch die Stromschnellen gebildeten Abschnitte für die Schiffahrt ausgenützt werden können, steht noch nicht fest. Der Njong ist an der Mündung bei Klein - Batanga nur auf etwa 46 km (bis Dehane) schiffbar, dann wieder von Balmaj o, dem Endpunkte der im Bau begriffenen Kamerun - Mittellandbahn bis Abong - Mbang. Diese Strecke, die von kleinen Flußfahrzeugen befahren werden kann, ist etwa 330 km lang. Sie läßt sieh, wie neuere Untersuchungen ergeben haben, auf 225 km wesentlich - verbessern, und ist daher als Zubringer der Mittellandbahn von großer Bedeutung. Sie gewinnt noch dadurch, daß ihr Ende sich dem Dume, der von der Dumestation an zu benutzen ist, auf eine Entfernung von etwa 50 km nähert. Lokundje und Kampo sind nur im Unterlauf auf kurze Strecken befahrbar, der Lokundje 20 km hinauf bis Ebea, der Kampo 25 km hinauf bis Dipika. Die etwa 25 km tief eingeschnittene Munibucht ist für Seeschiffe zugänglich, ihr Zufluß Temboni für Flußfahrzeuge etwa 20 km hinauf. - Der Ssanga ist während des ganzen, Jahres für Schiffe von mehr als 1 in Tiefgang bis Wesso hinauf befahrbar; er trägt zeitweise große Kongodampfer auch noch bis Nola (wo Kadei und Mambere zusammenfließen). Vom Dscha ist der Unterlauf von Wesso bis nach Ngoila hinauf das ganze Jahr hindurch für ]deine Dampfer benutzbar und für Boote noch bis zu den Dongo - Schnellen. Der Oberlauf kann von Booten zwischen Kam und Kul befahren werden. Auf dem bei Molundu mündenden Nebenfluß Bumba des Dscha verkehren Boote bis Duluku hinauf. Der Unterlauf des Kadei enthält von seiner Mündung bei Nola bis Delele hinauf zahlreiche, Stromschnellen, die eine Schifffahrt kaum zulassen. Oberhalb Delele bis Baturi und vielleicht noch bis Bakumbo ist der Kadei benutzbar. Der auf dieser Strecke in den Kadei mündende Dume läßt sich mit ]deinen Fahrzeugen bis zur Dumestation hinauf befahren. Auf dem Mambere gelangen mäßig große Dampfer in der Regel bis Bania und unter günstigen Verhältnissenbis Carnot. Likuala -Missaka und Likuala - Essubi sind weiter hinauf schiffbar, als sie die Grenze des Schutzgebiets bilden. Auf dem Lobaje können kleine Dampfer bis nach Loko hinauf und im Oberlauf streckenweise Boote verkehren. Der Iwindo ist schiffbar von Alati abwärts über die Grenze des Schutzgebiets hinaus bis nach Kandjama, von seinen Nebenflüssen der Dschua bis Madschingo hinauf, der Karagua bis nach Ntam hinauf, der Nuna auf dem größten Teil seines Laufes. -Auf dem Benue ist Garua in der wasserreichen Zeit (Juli bis September) für Dampfer von 1,20 m Tiefgang erreichbar. Schiffe von 0,60 m Tiefgang können noch den Mao - Kebbi hinauf bis Bipari und unter günstigen Verhältnissen bis Lere gelangen. Von hier aus besteht eine Wasserverbindung bis zum Logone, die aber für Schiffahrtszwecke nicht in Betracht kommt. Der Faro ist für Boote bis über Tschamba hinaus benutzbar, der Taraba auf eine bedeutende Strecke in das Schutzgebiet hinein. Auf dem Schari können Dampfer von 0,60 m Tiefgang verkehren, desgleichen auf dem Logone und Penndé bis zum 8. Breitengrad hinauf. S. a. die einzelnen Flüsse.

4. F. in Deutsch-Ostafrika. Deutsch - Ostafrika besitzt weniger Flüsse, die für Schiffahrtszwecke dienstbar gemacht werden können. Von den Küstenflüssen ist der bedeutendste der gegenüber der Insel Mafia in den Indischen Ozean mündende Rufiji. Die übrigen, Pangani, Wami, Kingani und der südliche Grenzfluß Rowuma sind von geringerer Bedeutung, dagegen kommt als ein wertvolles Flußsystem im Nordwesten des Schutzgebiets noch der dem Victoriasee zuströmende Kagera mit seinen Nebenflüssen in Betracht. Außer den Flüssen hat nun -aber Deutsch - Ostafrika in den Binnenseen an seiner West- und Nordgrenze vorzügliche und äußerst wichtige Schiffahrtsstraßen. Für das Wirtschaftsleben des Schutzgebiets ausgenutzt wird von diesen Seen bisher nur der durch die Ugandabahn mit dem Meere verbundene Victoriasee, der für die Schiffahrt um so wertvoller ist, als er viele befahrbare Buchten besitzt, die tief in das Land einschneiden. Der Kiwusee ist verhältnismäßig klein und als Schiffahrtsstraße ohne größere Bedeutung. Der langgestreckte Tanganjikasee, der zurzeit nur einen geringen Verkehr hat, stellt einen riesigen Zubringer für die Tanganjikabahn dar, die in Kigoma (in der Nähe von Udjidji) am See endet. Die Bedeutung des Sees als Zubringer für die Eisenbahn läßt sich daran ermessen, daß die Länge seiner Ufer größer ist als die Länge der ganzen Bahn von Daressalam bis Kigoma. - Der Njassa hat schon einen lebhafteren Verkehr, da er durch den allerdings nicht in seiner ganzen Länge benutzbaren Zambesi - Schire - Weg Verbindung mit dem Meere besitzt. Für die Erschließung des ostafrikanischen Schutzgebiets ist der Njassa bisher ohne erhebliche Bedeutung geblieben. Der Rufiji ist in seinem Delta mit Schiffen größeren Tiefgangs, zum Teil sogar mit Seeschiffen, weiter hinauf bis zu den Panganischnellen mit kleinen Flußfahrzeugen zu befahren. 'Es verkehrt hier ein Heckraddampfer von etwa 30 cm Tiefgang, der zwei Prähme von je 30 t Ladefähigkeit schleppt. Der Mittellauf des Rufiji von den Panganischnellen bis zur alten Ulangastation (wo der Flußlauf nach Südosten umbiegt) hat starke Strömung und kommt für die Schiffahrt kaum in Betracht. Oberhalb der Ulangastation schließt sich eine etwa 200 km lange Flußstrecke an, die größtenteils liefen von 1 m hat und mit Ausnahme einer ungefähr in der Mitte gelegenen Stelle ohne große Schwierigkeiten der Schiffahrt dienstbar gemacht werden könnte. - Der Pangani ist etwa 30 km, der Wami etwa 50 km und der Ruwu etwa 60 km von der Mündung' hinauf für kleine Flußfahrzeuge benutzbar. Der Rowuma hat einen sehr unregelmäßigen Lauf, kann aber vielleicht von kleinen Fahrzeugen 200 km von der Mündung hinauf befahren werden. Im Kagera liegen hohe Wasserfälle dicht unterhalb der Einmündung des Ruwuwu. Von dort ist der Kagera abwärts bis zu der Stelle, wo er nach Osten umbiegt, und aufwärts bis zum Zusammenfluß seiner Quellflüsse Akanjaru und Njawarongo schiffbar. Von hier kann der erstere noch etwa 70 km und der letztere noch etwa 20 km hinauf benutzt werden. Der Nebenfluß Ruwuwu des Kagera ist auf 100 km hinauf zu befahren. -Auf dem Victoriasee verkehren große Dampfer von 600 und neuerdings sogar mehr als 1000 Registertonnen. Der Tanganjika trägt bisher nur kleinere Dampfer; indessen ist auch er für tiefgehende Schiffe benutzbar. Die für die Mittellandbahn in Auftrag gegebenen Dampfer gleichen denen auf dem Victoriasee. Auf dem Njassa fahren ebenfalls größere Dampfer. S. a. die einzelnen Flüsse.

5. F. in der Südsee und in Kiautschou. Im Schutzgebiet Deutsch- Neuguinea kommen für die Schiffahrt hauptsächlich 2 Flüsse in Betracht, - die aber recht günstige Vorbedingungen bieten, der Kaiserin-Augustafluß (s.d.) und der Ramu in Kaiser-Wilhelmsland, ferner noch der Puliefluß (s.d.) auf Neupommern. Diese Flüsse haben den Vorzug, daß Seeschiffe in ihre Mündungen einlaufen und den Unterlauf auf erhebliche Strecken befahren können. Nach den neuesten Untersuchungen läßt sich annehmen, daß der Kaiserin - Augustafluß für kleinere Seeschiffe auf 400 km und für Flußschiffe auf weitere 400 km benutzbar ist. Auch werden wahrscheinlich noch mehrere Seitenflüsse zu befahren sein. Samoa und Kiautschou haben keine Flußschiffahrt.

Fischer.