Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 649 f.

Forellen, zur Familie der Salmonidae oder lachsartigen Fische gehörige Fischarten, die als Speisefische hoch geschätzt werden. Von den F. ist die wirtschaftlich wichtigste die Bach - F. (Trutta fario L.), ein Standfisch der raschfließenden, klaren und kalten Gewässer Europas im Flachlande und im Gebirge bis zu 2500 m Höhe. Am günstigsten sind Bäche mit kiesigem Grund und natürlichen Verstecken, deren Temperatur im Sommer nicht über 20° C steigt. Die Bach - F. nährt sich, aus den Verstecken hervorstoßend, von Krebstierchen, Würmern, Schnecken, Insektenlarven, kleinen Fischen und Luftinsekten. Sie laicht von Oktober bis Februar, in kalten Gewässern früher, in warmen später. Die Weibchen legen in von ihnen mit dem Schwanz aufgeworfene Kiesgruben von 1/2 - 1 m Durchmesser etwa 1000 gelbliche oder rötliche 4 - 5 mm große Eier, die vom Männchen befruchtet und dann mit Kies überdeckt werden. Bach - F. werden hoch bezahlt. Sie bilden daher auch Gegenstand einer ausgedehnten künstlichen Zucht (s. Fischzucht) und Teichwirtschaft (s.d.); sie sind außerdem eine der beliebtesten Fischarten für den Angelsport, vor allem für Flugangel mit natürlichen oder künstlichen Fliegen. Bach - F. sind auch von England ins Kapland überführt und sollen in den dortigen Gewässern gut fortkommen. Ihre Einführung in Gewässer der deutschen Kolonien ist verschiedentlich versucht, aber noch nicht gelungen. Die Regenbogen - F. (Trutta iridea W. Gibb.) ist heimisch in den westlichen Vereinigten Staaten von Nordamerika, wo sie im Oberlauf der Zuflüsse des Stillen Ozeans laicht. Die Nahrung, welche dieselbe ist wie bei der Bach - F., nimmt sie gierig auf und ist daher raschwüchsiger als diese, auch sehr widerstandsfähig gegen höhere Temperaturen bis zu 28° C. Die Regenbogen. - F. ist im Jahre 1884 nach Deutschland eingeführt, hat sich zu einem der wirtschaftlich wichtigsten Produkte der künstlichen Fischzucht (s.d.) entwickelt, spielt daher in der Forellenteichwirtschaft eine große Rolle, eignet sich aber auch als Beisatzfisch in Karpfenteichem In Deutschland liegt die Laichzeit je nach der Temperatur des Gewässers von Januar bis Mai. Das Laichgeschäft vollzieht sich wie bei der Bach - F., doch legt das Weibchen je nach Größe 500 - 2500 Eier ab. Mit Rücksicht auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen hohe Temperaturen eignet sich die Regenbogen - F. zur Einbürgerung in geeignete Gewässer der Kolonien. Ihre Überführung in Gebirgsbäche des Bezirks Wilhelmstal (Deutsch-Ostafrika) soll demnächst versucht werden.

Lübbert.