Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 650 ff.

Forstwesen (s. Tafel 56). 1. Allgemeine Aufgaben des F. 2. Beamte des höheren Forstdienstes. 3. Das F. in Deutsch-Ostafrika. 4. Das F. in Kameun. 5. Das F. in Togo. 6. Das F. in Deutsch-Südwestafrika. 7. Das F. in den Schutzgebieten der Südsee. 8. Das F. in Kiautschou.

1. Allgemeine Aufgaben des F. Anfänge einer Forstwirtschaft sind in unseren afrikanischen Schutzgebieten und in Kiautschou vorhanden. Das waldreiche Kaiser - Wilhelmsland und die großen Inseln des Bismarckarchipels werden folgen in dem Maße, wie die Kenntnis. der dortigen Wälder und die Gesamtentwickelung jener Gebiete fortschreitet. Die allgemeinen Aufgaben des F. in unseren Schutzgebieten sind: 1. Verständige Nutzung der Wälder, wobei auf Verbesserung der Bestände zu achten ist und Schutz oder Schonung des Vorhandenen im Interesse der Nachhaltigkeit des Betriebs und der Wohlfahrtswirkungen des Waldes im Auge behalten werden muß. Ein Zeichen dafür, daß der Frage des Waldschutzes in den Tropen allgemein große Bedeutung zugemessen wird, ist eine Resolution des Internationalen Kongresses für tropische Agrikultur in Brüssel (1910) über die internationale Regelung des Waldschutzes in den Grenzgebieten der Kolonien. 2. Erforschung der Wälder in der Umgebung der Stationen und auf Reisen der Beamten; Sammlung und Verarbeitung der von den Eingeborenen, den Missionaren, in Tischlereien, auf Pflanzungen und beim Eisenbahnbau zu gewinnenden Erfahrungen. 3. Kulturversuche mit Holzarten, die als nutzbar erkannt sind, um Material zur Begründung von Nutzwäldern zu gewinnen.

2. Beamte des höheren Forstdienstes. In den höheren Forstdienst der Schutzgebiete werden Forstassessoren oder jüngere Oberförster übernommen, die auch im höheren Verwaltungsdienst der Schutzgebiete Verwendung finden können. Zweckmäßig ist eine vorbereitende Beschäftigung im Reichskolonialamt, Besuch des Seminars für orientalische Sprachen und ev. des Kolonialinstituts in Hamburg, endlich eine Orientierung über Sammeln und Konservieren von Pflanzen im Botanischen Museum zu Dahlem. Für Ausbildungszeit, Ausrüstung, Aus- und Heimreise wird Vergütung gewährt. Das Gesamteinkommen im Schutzgebiet. beträgt 8300 bis 13 400 M nebst freier Wohnung und freier ärztlicher Behandlung. Es setzt sich zusammen aus dem Gehalt (Klasse 4b, 3000 bis 7200 M), Kolonialzulage, Dienstwohnung oder Wohnungsgeld und etwaigen Stellen- oder Ortszulagen. Die Dauer der Dienstperioden beträgt für Kamerun und Togo 1 1/2 Jahre, für Deutsch - Ostafrika 2 Jahre, für die übrigen Schutzgebiete 3 Jahre. Nach jeder Dienstperiode wird ein etwa 4monatiger Heimatsurlaub gewährt. Die etatsmäßige Anstellung kann zu Beginn der zweiten, Dienstperiode erfolgen. Bei Pensionierung wird die in den Schutzgebieten zugebrachte Dienstzeit doppelt gerechnet. Weiteres über Forstbeamte sowie auch über Behörden s. im folgenden unter den einzelnen Schutzgebieten.

3. Das F. in Deutsch-Ostafrika. Der Waldbestand umfaßt: a) Die Mangrovegebiete im Bereich von Ebbe und Flut, namentlich an den Flußmündungen. Das forstlich wichtigste ist zurzeit das Mangrovegebiet des Rufijideltas, das 1906 auf 15 746 ha geschätzt wurde, von denen 1911 für 4476,63 ha die Betriebsregulierungsarbeiten beendet waren. Gegen Ende des Berichtsjahres 1911/12 wurde mit der Aufstellung des Betriebsplanes für die 12 062,25 ha umfassenden Mangroveflächen von Kilwa - Kissiwani, Samanga und Kiswere begonnen. b) Die sehr mannigfaltig zusammengesetzten Küstengehölze, zu denen der Sachsenwald (s.d.) bei Daressalam gehört. Sie bedecken einen mehrfach unterbrochenen bis zu 100 und 150 km breiten, meist aber schmäleren Küstenstreifen. Es sind lichte, oft parkartige, durch den Menschen stark veränderte Mischbestände. - c) Die Miombowälder (s.d.) in zwei Komplexen von je über 300 qkm Ausdehnung im Süden und Westen des Schutzgebietes. - d) Uferwälder, Haine der Palmyrapalme, Dumpalme und anderer Steppenbäume. Gut untersucht ist der Minsirowald, 20 000 ha umfassende, zum Teil sumpfige Alluvialwaldbestände der Kageraniederung. - e) Die Gebirgsregenwälder (s. Hochwald) bilden bis zu Höhen von 2200 m Gürtel am Kilimandscharo und Meru, bedecken Teile Usambaras und des Paregebirges, die Berge in der weiteren Umgebung von Mpwapua, Morogoro und Kilossa, finden sich im Grenzgebiet der Bezirke Moschi und Muansa, in den Utschungwebergen des Bezirks Iringa und endlich in der weiteren Umgebung von NeuLangenburg und im Living- stonegebirge (s. Englers Vegetationskarte in: Das deutsche Kolonialreich, herausgeg. von H. Meyer). Diese, in den Reisebeschreibungen oft als Hochwälder bezeichneten Bestände und die Höhenwälder (s. unter f) sind es im wesentlichen, welche für forstliche Nutzung in Betracht kommen. Sie mögen zusammen wohl 1 Mill. ha oder 1 % der Fläche des Landes ausmachen. - f) Oberhalb der Regenwälder finden sich die Nebel- oder Höhenwälder, ferner mehr oder weniger dichte Buschbestände mit Baumsträuchern und Sträuchern (Erica arborea), auch einzelnen Bäumen, Adlerfarnwildnisse, Weideland oder auch kahle Kuppen und Hänge. Zwischen 1900 und 2500 m wachsen z.B. im Uluguru- und Kingagebirge Bestände des bambusartigen Grases Arundinaria alpina. Die erste W alds chut zmaßregel hat 1895 Wissmann (s.d.) mit einer Waldordnung für Usambara getroffen, welche den Schutz des Bodens durch Wald im Auge hatte. Seit 1904 hat man mit der. Errichtung von Waldreservaten begonnen, deren Nutzung im Eigenbetrieb oder durch Verpachtung der Fiskus sich vorbehält. Bei der Errichtung von Reservaten können in dem betreffenden Gelände befindliehe Hütten enteignet werden, wobei selbstverständlich Zeit zum Einbringen einer etwa stehenden oder auch noch, einer weiteren Ernte gelassen wird. In der Umgebung von Dörfern wird etwa das Vierfache dessen, was die Bewohner unter Kultur haben, als ihr Besitz und Eigentum ausgeschieden. Neubesiedelung und Weidegang ist in den Reservaten nur mit Genehmigung der Forstbehörde erlaubt, das waldvernichtende Grasbrennen (s. Grasbrände) und das Abbrennen von Wald zur Gewinnung von neuem Kulturland ganz untersagt. Ein generelles Verbot des Grasbrennens läßt sich nicht durchführen, weil es zu tief in die Wirtschaftsweise der Eingeborenen eingreifen würde (Busse, Die periodischen Grasbrände im trop. Afrika usw.; Mitt. a. d. deutschen Schutz gebieten 1908 II); wo Brandschutz sich als nötig erwies, wurden freizuhaltende Brandstreifen um die zu schützenden Waldflächen und längs der Wege angelegt, oder streifenweise Anpflanzungen der raschwüchsigen, dichtkronigen Cassia florida und auch von Manihot Glaziovii (Ceara - Kautschuk) gemacht. Ein Teil der Reservate, z.B. in den Bergländern am Kilimandscharo, Meru und im Ulugarugebirge, wird, wie auch noch andere Waldbestände, als Sohutzwald angesehen. Im Laufe des Jahres April 1910 bis April 1911 wurden 36 Kronlandflächen mit zusammen 68 700,3 ha zu Waldreservaten erklärt. Hiervon entfielen schätzungsweise auf das Gebiet des immergrünen geschlossenen Gebirgswaldes 8340 ha, teilweise immergrünen geschlossenen. Küstenwaldes 44 379 ha, immergrünen geschlossenen Gebirgshöhenwaldes 15 162 ha, Ufer-, Fluß- oder Niederungswaldes 70,5 ha, Trockenwaldes 664 ha, Aufforstungsgeländes 84,8 ha. 158,3 ha kamen durch Grundstückverkäufe, 22 950 ha durch Flächenberichtigung oder Aufgabe der Reservation in Abgang. Im ganzen betrug am 1. April 1912 die Fläche der Reservate 484 417,8 ha, d. h. annähernd 0,51 % der Landesfläche, am 1. April 1913: 742 108,6 ha. Der Fortschritt in der Einrichtung von Reservaten hängt von dem Fortschritt der Erforschung und Vermessung und außerdem von der Möglichkeit der Bewachung ab, die bei der geringen Zahl der heute noch zur Verfügung stehenden Kräfte großen Schwierigkeiten unterliegt. Die Verteilung der Waldreservate über das Schutzgebiet zeigt folgende Tabelle vom 1. April 1912 (Pflanzer 1913 Nr.7):

In den Verträgen mit Privaten zur Waldnutzung behält sich das Gouvernement im Interesse des Waldschutzes vor, einzelne Waldflächen im Pachtgebiet von der Nutzung auszunehmen. Auch werden Bestimmungen über Wahrung der Nachhaltigeit des Betriebs, Erhaltung von Samenbäumen, Schonung von Jungwüchsen und Ruhenlassen des Hiebs auf bestimmten Flächen eingefügt. - Eine regelmäßige Staatsforstwirtschaft nach europäischem Muster besteht seit 1898 in den Mangrovebeständen des Rufijideltas. Ins Auge gefaßt ist die Nutzung dreier Holzarten (Bruguiera, Ceriops, Heritiera) im Plänterbetrieb mit 60jähriger Umtriebszeit. Wirtschaftsziel ist die Gewinnung von gutem starken Brennholz und schwächeren Nutzholzsortimenten. Hauptabnehmer waren arabische Dhaus, die Ksl. Marine und eine Brauerei in Daressalam. Der Einschlag betrug 1910/11 5376 fm, 1911/12 5728 fm, 1912/13 4325 fm. 1912 wurde für die Kisweremangroven ein Betriebswerk aufgestellt, die Abschätzung der Mangroven bei Samanga und Kiperele beendet und für die genau vermessenen Mangroven des Rowumadelta das Forsteinrichtungswerk gefertigt. Anderwärts sind im Eigenbetrieb des Fiskus im Bezirk Wilhelmstal (Usambara) 1909/10 238 fm, 1910/11 117 fm, 1912 242 fm, im Bezirk Morogoro 257 fm genutzt worden. Dazu kamen 1911/12 6,65 t Rinde von einem Probehau in den fiskalischen Gerberakazienbeständen und 134 kg Baumsamen. Nutzung seitens Privater fand in Usambara durch die Firma Wilkins & Wiese statt, die auf einer Pachtfläche im Schumewald (1910/11 3000 ha) 1911/12 2893,96 im (1909/10 1239,39 fm, 1910/11 3932 fm) sog. Zedernholz, das Holz von Juniperus procera (s. Zeder) und Podocarpusholz, geschlagen hat (Wert 1911/12 33 838,63 Rp. gegen 28 381,54 Rp. im Vorjahr). Das Holz wird durch eine unter erheblichen Schwierigkeiten errichtete Drahtseilbahn von 9 km Länge bei 1500 m Steigung vom Hochplateau herab der Usambarabahn zugebracht. 1912/13 verfrachtete diese Bahn hauptsächlich für Südafrika bestimmtes Podocarpusholz. Ferner hat die Mission Hobenfriedeberg 34 cbm Holz, die Firma Denhardt & Co. in den seit 1903 verpachteten Mangrovewäldern der Bezirke Tanga und Pangani in einem ca. 10 000 ha umfassenden Gebiet 1910/11 neben 999 t Mangroverinde 2219 fm Holz gewonnen. Insgesamt wurden aus den Privaten zur Nutzung kontraktlich überlassenen Waldflächen 1911/12 5523 fm Holz und 1637 t Rinde verwertet nebst 838 kg Kautschuk. Vereinzelte Nutzungen durch Käufer oder Verbraucher in den Waldreservaten erreichten einen Gesamtbetrag von 3500 fm Holz. Nutzungsberechtigte beanspruchten zur unentgeltlichen Entnahme aus fiskalischen Beständen ca. 3850 im Holz und 3 t Palmblätter. Im Berichtsjahre 1912/13 betrug die Hauptnutzung (Nutz- und Brennholz) im ganzen 17 113,556 fm, die Nebennutzung 2501,42 t Rinde, 1059,75 kg Kautschuk, 2000 kg Palmblätter, 150 kg Samen, 4500 Stück Pflanzen. Im Forstamt Rufiji erfolgt, abgesehen von dem in fiskalischer Nutzung stehenden Revier Salale, pachtweise Nutzung durch die Deutsch-koloniale Gerb- und Farbstoffgesellschaft. In Ostusambara hat die Deutsche Holzgesellschaft für Ostafrika in Fortführung der früheren Sigi - Exportgesellschaft mit einer. 23,7 km langen Kleinbahn den Anschluß an die Usambarabahn gewonnen. Die Gesellschaft rechnet besonders mit Absatz in den Tropengebieten selbst. Die Gesamtausfuhr Deutsch-Ostafrikas an Erzeugnissen der Forstwirtschaft erreichte 1911/12 einen Wert von 5 395 648 M, 1912/13 9 327 845 M. Den Hauptanteil an der Summe hat wildgewachsener Kautschuk (s. d.), der in erster Linie von Kautschuklianen (Landolphiaarten, Familie Apoeynaeeen), aber auch von anderen Kautschukpflanzen (Clitandra, Maseaxenhasia, Kickxia) abstammt. Bau-, Nutzund Edelhölzer nahmen 1911/12 an der Ausfuhr mit 6 155 009 kg, 1912/13 mit 3 839 625 kg teil. Die Einnahmen der Forstverwaltung sind von 72 100 Rupien (1911/12) auf 120 964 Rupien (1912/13) gestiegen. - Unter den Holzarten, auf welche die Forstwirtschaft bisher ihr Augenmerk gerichtet hat, sind außer Juniperus procera und Podocarpusarten zu nennen Chlorophora excelsa (s.d.), Khaya senegalensis, Kopalbäume (Trachylobium verrucosum; s. Kopal) und zahlreiche andere Leguminosen, Parinarium, die Komposite Tarchonanthus camphoratus "Korumbati", Calophyllum inophyllum (s.d.), Mkweo (Tylostemon Kweo, Fam. Laurazeen). Unter den Ausländern,. die versuchsweise angepflanzt wurden, sind unter vielen anderen Caesalpinia coriaria (Dividivi) (Familie Legunosen), die im Forstbezirk Rufiji gut gediehen ist, Acacia decurrens var. mollissima, die Stammpflanze der Blackwattle -Gerbrinde (s. Gerberakazien), die schon mit 5 - 6 Jahren volle Erträge gibt (1909/10 auf der Plantage Ambangulu von Wilkins & Wiese 745 ha), und auch verwertbares Holz besitzt, Eukalypten (s.d.) in vielen Arten, von denen z.B. E. globulus, der Blaugummibaum (Bluegum) in einem 14jährigen Wald keine guten Stämme geliefert hat, E. rostrata aber gut zu gedeihen scheint. Tiekanpflanzungen sind in verschiedenen Bezirken nicht sonderlich gediehen und erfordern wohl besonders sorgsame Auswahl des Standorts. Welche von den vielerlei versuchsweise angebauten Arten schließlich zum Anbau im großen sich eignen werden, kann erst die Erfahrung lehren. An Neukulturen wurden 1910/11 68,65 ha, 1911/12 97,91 ha angelegt, womit die gesamte. Kulturfläche auf 710,18 ha gebracht war. Der Stand am 1. April 1913 war 834,92 ha. Natürliche Verjüngung läßt sich im Mangrovegebiet bei der reichlichen Samenbildung und leichten Ansamung der betreffenden Arten mit einiger Nachhilfe erzielen, und auch Juniperus procera liefert an lichten Stellen Anflug (Deininger, Verjüngung der Zedernwälder West-Usambaras. Pflanzer 1912, 4), dessen Brauchbarkeit aber noch zu erproben ist. 1911/12 wurden aus den bisherigen Forstbezirken (Tanga, Wilhelmstal, Moschi, Bagamojo, Daressalam, Rufiji) unter Hinzunahme der Verwaltungsbezirke Pangani, Kilwa und Lindi drei große Förstbezirke mit je einer Lokalforstbehörde, der die Bezeichnung Forstamt beigelegt ward, gebildet. Die Forstämter sind Wilhelmstal, mit den Forststationen Moschi, Aruscha und Schumewald, Morogoro mit den Forststationen Bunduki und Mangangu und Rufiji in Mohoro mit der Forststation Salale. Jedes Forstamt soll dauernd unter Leitung eines höheren Forstbeamten stehen, dem je ein Förster als Gehilfe und weitere Förster als Leiter der Stationen zugeteilt sind. Die Zahl der farbigen Waldwärter betrug 1911/12 123. Die Zahl der farbigen Waldpolizisten mußte vermindert werden, weil dieses Personal sieh nur zum geringen Teil bewährte. Der erste Ksl. Oberförster wurde 1904 angestellt, nachdem vorher einem Forstassessor das Kulturreferat übertragen worden war. Früher sind die forstlichen Angelegenheiten wie Kulturanlagen und Versuche zur Forstbenutzung von den Bezirksamtmännern und Stationsvorstehern wahrgenommen worden, -die auch jetzt noch in der bezeichneten Richtung tätig sind. Wo Forstämter noch nicht bestehen, werden Forstpolizei, Forstschutz, Waldreservierung, Aufforstung, Holzverwertuing usw. von den zuständigen Bezirksbehörden kommissarisch wahrgenommen, denen dauernd (so bis jetzt nur in Rukoba, Forststation Kifumbiro) oder zeitweise fachmäßig vorgebildetes Hilfspersonal beigegeben ist. Der Wildreichtum der ostafrikanischen Steppenlandschaften hat schon lange die Jäger angezogen. Es sind daher 1908 und 1911 Jagdordnungen erlassen worden, die manche Tiere unter Schutz stellen, die Gebühren für große (umfassende) und kleine (nur für gewisse Tierklassen geltende) Jagdscheine festsetzen und Wildreservate abgrenzen (KolBl. 1912 Nr. 6); vgl. Jagd und Wildschutz in den Kolonien, herausg. v. Reichs-Kolonialamt. Jena 1913, G. Fischer.

4. Das F. in Kamerun. Die Gesamtschätzungen der Waldfläche des Altkameruner Waldgebietes, das als etwa 150 km breiter Streif sich an der Küste des Landes bis zum Njongfluß hinzieht und von da im Süden sich über das ganze Schutzgebiet ausbreitet, bewegen sich zwischen 6 und 9 Mill. ha. Neuerdings sind auch im Gebiet der künftigen Adamauabahn genügend zusammenhängende Waldungen festgestellt, um die Holzfeuerung der Maschinen zu sichern. Jene ersteren von Farmland und lichten Ölpalmenbeständen unterbrochenen Waldmassen sind im allgemeinen den Regenwäldern zuzurechnen. Sie bestehen aus einer großen Anzahl teils immergrüner teils laubwerfender Baumarten in bunter Mischung. Die mittlere Höhe der Bäume mag 20 - 30 m betragen; darüber hinaus aber ragen nicht wenige Riesen bis zu 50 m und mehr. Standörtliche Verschiedenheiten, wie Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit und Wasserversorgung und der verschiedene Grad menschlichen Eingreifens bedingen Verschiedenheiten in der Beschaffenheit der Bestände. Bald sind sie reich an schönen großen Stämmen bei relativer Armut an Unterholz (Primärwald); bald drängen sich unzählige Sträucher, kleine Bäumchen und Schlinggewächse unter lichterem Kronendach durcheinander, und Klettergewächse überwuchern die niederen und mittelhohen Bäume so, daß sie kaum zur Ausbildung ihrer Krone gelangen (Sekundärwald). Probeflächenaufnahmen in der Nähe der Bahnstrecken ergaben:

Die geringeren Stammklassen herrschten sehr erheblich vor, während die Holzmasse hauptsächlich von den wenigen starken Stämmen gebildet wurde. Schlüsse auf den Ertrag der Kameruner Wälder sind aus obigen Zahlen nicht zu ziehen, da die Qualität der Hölzer sehr verschieden ist. Mittelharte Hölzer herrschen vor, doch fehlt es nicht an solchen, die alle unsere Hölzer einerseits an Härte, andererseits an Weichheit übertreffen. Verbreitete Weichhölzer sind der Wollbaum (Ceiba pentandra), der rotblütige Wollbaum (Bombax buonopoz ense), der Schirmbaum (Musanga Smithii) und Alstonia congensis (Duala: Bokuka ba mbale, s. Tafel 56), welche die geschnitzten Kameruner Schemel liefert. Harthölzer: Mahagonibäume (namentlich Khaya und Entandrophragma - Arten), der Eisenholzbaum oder Bongosi (Lophira alata, s. Tafel 56), die Buscheiche (Chlorophora excelsa), Afrikanischer Birnbaum (Mimusops - Arten) und Ebenholzbäume (Diospyrosarten). In den Buchten von Rio del Rey und Duala und auch an den Mündungen des Sanaga und Njong finden sich Mangrovebestände, deren Gesamtfläche auf 40 000 bis 50 000 ha geschätzt wird. Ihr Hauptbestandteil ist die hartholzige Rhizophora mangle. Ein Unternehmen zu ihrer Nutzung scheint vorläufig aufgegeben zu sein. Unter den Erzeugnissen der Forstwirtschaft figurieren in der Statistik als Ausfuhrprodukte:

Die bedeutende Steigerung des Holzexports seit 1911 ist namentlich auf Rechnung der Mahagonibäume zu setzen. Früher nahm Ebenholz die erste Stelle ein. Im ganzen sind 1912/13 an der Ausfuhr 28 verschiedene Holzarten beteiligt. An Mahagoni wurden 1912/13 über 8000 Tonnen im Wert von mehr als 450 000 M ausgeführt. Zu obigem kommen noch Kopal, Kolanüsse, Njabikerne und in Zukunft vielleicht noch das für die Lack- und Papierindustrie anscheinend verwertbare Harz von Canarium Schweinfurthii und die Kapokwolle der Bombacacee Ceiba pentandra. Der Kautschuk stammt zum Teil von Kautschuklianen (Landolphia florida), zum größten Teil von Kickxia elastica (Familie Apocynaceen), einem Kautschukbaum, der namentlich in den Wäldern von Südkamerun in Menge auftritt und auch in Kultur genommen ist. - Von dem ausgeführten Holz gingen 1912/13: 7 328 967 kg nach Deutschland, 3 753 785 kg nach England. Der Ausfuhrwert an Mahagoni betrug 1911/12: 143 308 M, an Ebenholz 138 324 M (1912/13 184 819 M). Die Verwendung der Hölzer im Schutzgebiet selbst nimmt zu und wird durch Tischlereien in Buea und Duala und verschiedene Sägewerke erleichtert. Dem Gedeihen größerer Unternehmungen stand bisher der Umstand entgegen, daß keines der zahlreichen schönen und gewiß brauchbaren Hölzer in ansehnlicher Menge dauernd lieferbar erschien. Sehr auffallend war das Zurückbleiben der Kameruner Holzausfuhr gegenüber derjenigen unserer Nachbarkolonien Englisch - Südnigerien und Französisch - Äquatorialafrika. Jene hatte 1909 nur einen Wert von 177 117 M, 1910 von 143 862 M, während die französische Kolonie 1909 für 2 604 900 Francs, Südnigerien 1908 für mindestens 1 543 360 M Holz ausführte. Angestellte Erhebungen e rgaben, daß 80% des gesamten Holzexports von Französisch-Kongo und Spanisch - Guinea sieh auf Okume oder helles Mahagoni von Aukumea Klaineana (Familie Burseraceen) bezogen, eine Art, an deren Verbreitungsgebiet wir erst durch unsere Neuerwerbungen Anteil erhalten. Der Holzhandel Südnigeriens beruht auf hochbezahlten Mahagonisorten von Bäumen der Gattungen Entandrophragma und Khaya (Familie Meliazeen), die auch in Altkamerun gefunden sind. - Die Aufgabe der Forstverwaltung besteht in der Ausscheidung von Staatswaldungen, sowie Waldund Naturschutzreservaten, der Erkundung von Holzbeständen, Vorbereitung von Konzessionsverträgen, Überwachung der Holzkonzessionen, Aufsicht über Jagdausübung und ferner in der Einrichtung und Pflege von Ölpalmwaldungen. Versuchsbetriebe und Versuchskulturen in Victoria und auf den Verwaltungs- und Missionsstationen dienen der Erwerbung der Kenntnisse, die einer rationellen Bewirtschaftung zugrunde liegen müssen. Neukulturen wurden namentlich in Johann -Albrechtshöhe angelegt. Zurzeit (31. März 1914) besteht eine Forststation Kamerun - West in Mujuka an der Nordbahn, deren Arbeitsbereich die Verwaltungsbezirke Duala, Edea, Jabassi, Victoria, Johann - Albrechtshöhe und Bare umfaßt. Sie wird von einem höheren Forstbeamten geleitet, dem die Förstereien Johann - Albrechtshöhe und Dschang unterstellt sind. Drei weitere Förster in Dibombari, wo ca. 30 000 ha zusammenhängende Ölpalmwaldungen sieh finden, Edea und Jaunde unterstehen einem mit der Aufschließung, Reinigung und Überwachung der wilden Ölpalmbestände des Schutzgebietes beauftragten höheren Forstbeamten. Ein dritter höherer Forstbeamter ist in der Zentralbehörde tätig. In Dschang ist eine Forstschule zur Heranbildung von Eingeborenen zu Waldwärtern eingerichtet worden. - Der Gebietszuwachs wird die Aufgaben der Forstwirtschaft erweitern, da das Südkameruner Waldgebiet sich über einen großen Teil der Neuerwerbung fortsetzt.

5. Das F. in Togo. Die wenigen, der waldfeindlichen Kulturtätigkeit der Eingeborenen entgangenen Wälder tragen einen ähnlichen Charakter wie die Bergwälder Ostafrikas und Kameruns. Sie liegen in den Bergländern, welche das Schutzgebiet in einer von der Südwestecke nach Nordosten sich hinziehenden Diagonale durchsetzen. So finden sich z. B. 3000 ha Wald im Bezirk Misahöhe, etwa 30 000 ha in der Landschaft Buem in Westtogo zwischen dem 7. und 8. Grad n. Br., weitere Komplexe zwischen Atakpame im Osten und Bismarckburg im Norden, zwischen Sokode, Bassari, Dako und Bafilo, in der Gegend der Kalangaberge und in den Landschaften Kabure, Losso und Taberma. Die gesamte Waldfläche, ohne die vergrasten Steppenbuschbestände, wird auf 1350 qkm veranschlagt, was einer Bewaldungsziffer von 1 1/2 % gleichkommt. 750 qkm davon mögen Uferwald sein. Das Schutzgeb iet verfügt über drei je 25 000 bis 30 000 ha große unbewohnte Baumsteppengebiete, die systematisch bewaldet werden. Die betreffenden Anlagen wurden unter Leitung eines Forstassessors im August 1907 am Zusammenfluß der Flüsse Haho und Baloe im Anschluß an den Uferwald begonnen. Zwei Seiten des Geländes waren durch die Flüsse gegen Brandgefahr geschützt, an der offenen Seite wurde das Eindringen von Feuer dadurch verhindert, daß zu Beginn der Trockenzeit das Vorgelände bei von der Kultur abstreichendem Wind abgebrannt wurde. Das Aufforstungsgelände dehnt sich über 28 000 ha aus, von denen am 31. März 1914 1500 ha unter Kultur gebracht waren. Die Ausführung leitet ein Forstassistent nach den vom Forstreferenten aufgestellten Kulturplänen. Eine zweite Aufforstung Mo - Kamaa, gegründet 1909 (150 ha aufgeforstet), ist seit 1911 außer Betrieb bis zur definitiven Festlegung der Trace der Hinterlandbahn; eine dritte, Kalangaschi, ebenfalls 1909 gegründet, ist jetzt (31. März 1914) auf ungefähr 500 ha gekommen und wird durch die Bezirksleitung von Mangu Jendi nach den Plänen des Forstreferenten unter Heranziehung von Steuerarbeitern ausgeführt. Im Mangubezirk wurde besonderer Wert auf die Vermehrung der Kapokpflanzungen gelegt, die im Sokodebezirk sich um 25 ha vergrößerten. Auf anderen Stationen bestehen Versuchspflanzungen. In Atakpame wurden 1910/11 etwa 11 000, - 1911/12 9500 Bäume neu gepflanzt. Bemerkt sei, daß den Aufforstungsbestrebungen des Gouvernements seitens der Pflanzer entgegengehalten wurde, Plantagenkulturen mit baumartigen Pflanzen, wie Kakao, vermöchten den Wald zu ersetzen. Das ist insoweit richtig, als bebautes Land immer besser als Ödland ist. Im übrigen aber, z. B. in bezug auf die wasserwirtschaftlichen und Windschutzwirkungen des Waldes, kann hier nur von Fall zu Fall ein Urteil durch örtliche Überlegung und Erfahrung gewonnen werden. Der Holzhandel Togos ist noch gering, und die eingeführte Menge von Bau- und Nutzholz (1911: 723 156 kg, 1912: 832 822 kg) übersteigt bei weitem die Ausfuhr von Hölzern aller Art (1911: 171 923 kg im Wert von 7 003 M; 1912: 138 349 kg im Wert von 2 513 M; 1910/11 196 961 kg im Wert von 4 171 M). Daneben erscheint als Erzeugnis der Forstwirtschaft Kautschuk 1911/12 mit 144 640 kg, 1912/13 mit 165 759 kg. Mit der Telefunkengesellschaft, deren Bedarf etwa 3600 Raummeter beträgt, wurde ein Vertrag zur Brennholzlieferung abgeschlossen. - Als verwertbare Holzarten haben sich bis jetzt u. a. erwiesen: Diospyros mespiliformis, Erythrophloeum guineense, Chlorophora excelsa, Afzelia africana, Anogeissus leiocarpus, Pseudocedrela Kotschyi, Pterocarpus erinaceus. Sie werden seit Jahren zum Möbel-, Brücken- und Hausbau erfolgreich benutzt. Prosopis oblonga, Syzygium guineense, Cassia Siberiana, Chlorophora excelsa haben sich während zweier Jahre ohne Imprägnierung als Bahnschwellen zu ca. 80 - 60 % gut gehalten. Bei Kalangaschi 13 km nordwestlich von Sansane - Mangu erfolgt die Auffors'tung unter Leitung lokaler Verwaltungsbeamter, die von Zeit zu Zeit vom Forstpersonal beraten werden. Dieses Gebiet wurde schon im Jahre 1909 von dem mit den Verhältnissen des Mangubezirkes -vertrauten Hauptmann Mellin (gest. 1910) als seiner Bodenbeschaffenheit und örtlichen Lage nach zur Durchführung von Aufforstungen in größerem Maßstabe geeignet'in Vorschlag gebracht. Bei eingehender Untersuchung durch einen Sachverständigen im Jahre 1910 wurde dieses Gebiet für Aufforstungszwecke geeignet befunden; die Aufforstungsarbeiten wurden später in Angriff genommen. Am 31. März 1912 waren bei Kalangaschi unter Kultur 300 ha. Versuche über die Verwendbarkeit der Hölzer stellt z. B. das Bauamt in Lome an, wo die Anlage eines Sägewerks geplant ist. Aus Mangel an Personal konnte eine Waldschutzverordnung, die am 1. Sept. 1912 in Kraft trat, noch keine Anwendung finden.

6. Das F. in Deutsch- Südwestafrika. Pogge (Zeitschr. f. Forst- u. Jagdwesen 1911) unterscheidet nach forstlichen Gesichtspunkten 1. die baumlose Namib mit selten mehr als 15 mm jährlicher Niederschläge. Vom Meere etwa 500 m ansteigend. 2. Das dicht bebuschte Hereroland, in dem höhere Bäume nur einzeln oder in lichten Verbänden vorkommen. 100 - 600 mm jährlicher Niederschläge. Bis 1500 m über dem Meere. 3. Das Namaland mit niedrigem Buschwerk und wenigen hohen Bäumen fast nur in den Riviersenkungen (60 - 230 mm jährlicher Niederschläge; 1200 - 1500 m über dem Meere). 4. Der Kalahari und Omaheke umfassende östliche Teil mit meist parkähnlichem Baumbestande (welliges Dünengelände mit wenig erforschten Niederschlägen; 1200 - 1400 m über dem Meere). 5. Der nördliche Teil, etwa vom 20. Grade s. Br. an, der auch außerhalb der Flußbetten große, last geschlossene Waldungen trägt. Hier treten im Gegensatz zu den anderen Zonen zahlreiche dornlose Baumarten auf. (Grootfontein bis 1000 mm jährlicher Niederschläge; 1000 - 1400 m über dem Meere.) An der Südseite der Etossapfanne finden sich ausgedehnte Bestände von Copaifera mopane, die licht und unterholzfrei sind, so daß man kilometerweit in den Wald hineinsehen kann. Das mahagonifarbige Kernholz ist hart und widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse. Die Bäume erreichen 12 m Höhe. Andere Nutzbäume sind z. B. Euklea Pseudoebenus, der Ebenholzbaum des Namalandes (s. Tafel 56), ferner Combretum primigenium, der Ahnenbaum der Hereros, und Terminalia sericea der Kalahari, beide mit gutem Holz. Dazu kommen die zahlreichen, weitverbreiteten Akazien, von denen A. Giraffae, der Kanieldorn, ein mahagoniähnliches aber hartes Kernholz besitzt und A. maras, Bastardkameldorn, ein von den Wagenbauern besonders geschätztes Nutzholz liefert. Schon 1894 wurde zum Schutz von Bäumen, Busch und Strauchwerk eine Verordnung gegen die Brandgefahr erlassen. Eine weitere Verordnung (1900) stellt das unberechtigte Fällen, Kappen und Schälen von Bäumen unter Strafe. Seit 1906 sind kleinere mit Bäumen bestandene Flächen an den periodischen Flußläufen als "Wald"reservate vom Verkauf als Farmland ausgeschlossen. In Forstgärten (Windhuk, Neudamm, Brakwater, Okahandja, Osona, Gibeon, Grootfontein, Ukuib) werden Versuche zur Einführung von Holzarten gemacht, die Rascher wachsen als die einheimischen. Maulbeerbäume, Eukalypten, Casuarinen, Dattel- und Fächerpalmen sind unter anderem herangezogen worden. 1911/12 wurden über 58 975, 1912/13 46 370 junge Bäumchen gegen geringes Entgelt an Private abgegeben. Der Forstgarten in Ukuib hatte am Ende des Betriebsjahres 1911/12 eine Fläche von 27,19 ha mit 7387 Dattelpalmen. Das Studium der forst- und landwirtschaftlichen Fragen wird von dem Kommiss. Botaniker des Ksl. Gouvernements betrieben. Nach vorübergehender Entsendung eines im Kolonialforstwesen erprobten Beamten zum Studium der einschlägigen Fragen und Aufstellung eines Programms für die künftige Forstwirtschaft ist die dauernde Einstellung eines höheren Forstbeamten in Aussicht genommen.

7. Das F. in den Schutzgebieten der Südsee. Der wichtigste Baum dieser Gebiete ist zurzeit noch die Kokospalme, welche in der Kopra das Hauptausfuhrprodukt liefert. Dazu gesellen sich in wachsendem Maße Kakao und andere Kulturprodukte und in Zukunft wohl auch Walderzeugnisse; denn, soweit nicht reine Koralleninseln vorliegen, ist im größten Teil der Gebiete tropischer Mischwald die ursprüngliche Vegetationsform. Zumal auf den größeren Inseln sind ausgedehnte Wälder vorhanden, welche sicher nutzbare Arten bergen, die seinerzeit wenigstens für die Ausfuhr nach Australien in Betracht kommen mögen. Auf Kaiser-Wilhelmsland ist an der Küste stellenweise Mangrovewald mit Rhizophora mucronata und Bruguiera gymnorbiza entwickelt. Außerdem ist Strandwald mit Nutzbäumen wie Calophyllum inophyllum (Familie Guttiferen), Afzelia bijuga (Familie Leguminosen), Cordia subeordata (Familie Boraginaceen), Terminalia catappa (Familie Combretaceen) vorhanden, der sich in den immergrünen artenreichen Bergmischwald des Inneren fortsetzt. Hier wachsen die riesige Araucaria Hunsteini und die Dammarfichte (Agathis Dammara). In Sumpflandschaften und im Niederungswald sind Palmen, darunter Sago- und Rotanpalmen reich vertreten. Die großen Inseln des Bismarckarchipels zeigen ähnliche Verhältnisse. Casuarinen und Eukalypten treten auf; namentlich aus Neumecklenburg wird das Vorhandensein von Eukalyptuswäldern angegeben. Die Nutzung der Wälder besteht zurzeit in der Werbung von Holz für den Bedarf der Schutzgebiete selbst. Doch sind durch die Neuguinea-, Kompagnie eine Anzahl guter Hölzer nach Europa gebracht worden, und eine Hamburger Werft hat solche zu Möbeln und Dekoration benutzt. Im botanischen Gaxten zu Rabaul sind Siam- und Java - Tiek angepflanzt. 1912 prüfte ein vorübergehend entsandter Beamter die forstlichen Fragen zwecks Ausarbeitung der Grundlinien zur Schaffung eines geregelten Forstdienstes. Er führt zurzeit einen Forstassessor in den dortigen Wirkungskreis ein (31. März 1914). 1912/13 wurden aus Deutsch - Neuguinea 71 Tonnen (= 11 400 M) Holz von Afzelia bijuga zur Verarbeitung im Schiffsbau ausgeführt. Die Ausbeute der Paradiesvogeljagd betrug 9 860 Stück (gegen 1911/12 1061 Stück mehr). Die Schonzeit erstreckt sich vom 1. Nov. bis 15. Mai, und es bestehen 3 große Schutzbezirke. S. Deutsch -Neuguinea. In Samoa hat sich ein Bedürfnis zur Einrichtung eines forstlichen Versuchswesens und forstlichen Dienstes bis jetzt noch nicht geltend gemacht.

8. Das F. in Kiautschou. Zur Zeit der Besitzergreifung existierten krüppelige Bestände von Pinus Thunbergii zur Brennholzgewinnung und Wäldchen in der Umgebung der Tempel und Klöster. Im übrigen war in den Bergen der Boden stark verwahrlost. Um das Gelände wieder kulturfähig zu machen und zunächst in der Umgebung von Tsingtau aus sanitären und wasserwirtschaftlichen Gründen einen Wald zu schaffen, wurden neben der Befestigung der Wasserrisse an zwei nahe der Stadt gelegenen Hügeln unter der Leitung eines Forstassessors Aufforstungen in Angriff genommen. Um die nötige Krume sich ansammeln zu lassen, bedeckte man den rasch verwitternden Fels mit Rasenplatten und zog Steindämme, die Wasser durchsickern ließen, die mitgeführte Erde aber festhielten. Das so gewonnene Kulturland wurde dann mit Bäumchen bepflanzt, die sich gut entwickelten. Mancherlei Mißgeschick, Insekten- und Feuerschaden, blieb den Pflanzen nicht erspart, aber schließlich erwiesen sich Robinien aus deutschem Samen, Pinus Thunbergii und Erlen als besonders geeignete Holzarten, und heute beschränkt sich die Pflege der Anforstungen auf einer Fläche von 850 ha nur noch auf die normalen Forstschutzmaßregeln. Weitere Aufforstungen sind im Gang. So wird zurzeit der Wolantschii, ein öder Bergrücken bei Litsun, aufgeforstet, wobei die umwohnenden Chinesen die Arbeit freiwillig gegen Abgabe von Saatgut und Forstpflanzen ausführen. Das Forstamt Tsingtau unterstützt sie in der Bepflanzung ihnen gehöriger Ödländereien, Wegränder und Flußufer und erteilt auch sonst Rat und praktische Unterweisung. Der Verkauf von selbstgezogenen Forstpflanzen bildet eine gute Einnahmequelle. Im Jahre 1913 wurden z. B. über 1 Million Akazienpflanzen (wohl Robinien) abgesetzt. Die deutsch-chinesische Hochschule hat eine land- und forstwirtschaftliche Abteilung mit dreijährigem Lehrgang, den 1912 sieben Studierende absolviert hatten. S. Kiautschou.

Literatur: Zu 1. Büsgen, Wälder d. d. Kolonien in Handbuch d. Forstwissenschaft Bd. I V, herausgeg. v. Lorey, 3. Aufl. herausgeg. v. Wagner (Tübingen, Lauppsche Buchhandlung). - D. Kolonialbl. 1914, Nr. 8. - Weitere Lit. s. unten. Jagd: Jagd und Wildschutz in den deutschen Kolonien, hrsg. v. Reichs-Kolonialamt. Jena 1913, G. Fischer. - Zu 8. Berichte über Land- und Forstwirtschaft in Deutsch-Ostafrika. I. 1903; II. 1904 - 1906; III. 1, 1906; 3, 1907; 5, 1911 (Holtz, Minsirowald). Heidelberg, C. Winter. - Der Pflanzer, Ztschr. f. Land- und Forstwirtschaft in Deutsch- Ostafrika, hrsg. vom K. Gouvernement. Verlag der Deutsch-Ostafrika Rundschau, in Daressalam. VIII. 4, 1912. Beiheft 1, 1912. IX, 7; Juli 1913. Hier Jahresbericht der Forstverwaltung. - Gilg, Nutzhölzer, in Pflanzenwelt von Deutsch- Ostafrika, hrsg. von Engler, Bd. II. - v. Trotha, Der Wald um Tabora. Notizblatt d. Kgl. Bot. Gartens u. Museums z. Berlin - Dahlem. Nr. 48. Dez. 1911. - Stehenlist, Forstwirtschaft in Deutsch-Ostafrika. Berlin. P. Parey, 1914. - Zu 4. Jentsch, Urwald Kamerun. Beihefte zum Tropenpflanzer. XII. Nr. 1/2, 1911. - Büsgen, Beitr. z. Kenntnis der Pflanzenwelt und der Hölzer des Kameruner Waldlandes. Mitt. a. d. deutschen Schutzgebieten, Bd. 23, 2, 1910. - Reder, Eine forstliche Studienreise nach Franz.-Congo, Span.- Guinea und Südnigerien. D. Kolbl., 1912, Nr. 1. Einige Nutzhölzer Kameruns, von Engler u. Harms. Notizblatt d. Kgl. bot. Gartens u. Museums zu BerlinDahlem. Appendix XXI, 1 u. 2. Engelmann, Leipzig 1909 u. 1911. Zu 5. Metzger, Die Forstwirtschaft im Schutzgebiet Togo. Jena, G. Fischer, 1911. - Busse, Das südliche Togo. Vegetationsbilder, hrsg. von Karsten u. Schenck. IV, 2. Jena, G. Fischer, 1906. -Zu 6. Dinter, Deutsch-Südwestafrika, Flora, forst- u. landwirtschaftliche Fragmente. Lpz., O. Weigel, 1909. - Pogge, Nutzkolzbäume Deutsch-Südwestafrikas. Ztschr. f. Forst- u. Jagdweisen 1910, p. 400. - A. Schenck, Vegetationsbilder aus Südwestafrika in Vegetationsbildern, h. v. Karsten u. Schenck. Jena, G. Fischer, Reihe 1, 5; ebenda: Seiner, Trockensteppe der Kalahari. Reihe 8, Heft 1. - Dinter, Die vegetab. Feldkost Deutsch-Südweistafrikas. Okahandja 1912. Ed. Rühl, Bautzen. - Zu 7. Rechinger Vegetationsbilder am dem Neuguinea-Archipel. In Vegetationsbilder, h. v. Karsten u. Schenck. VI, 1. G. Fischer, Jena.

Büsgen.