Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 658 f.

Fracht, das zu Land oder zu Wasser versendete Sachgut (Rückfracht die Ladung für den Rückweg), sodann aber auch im uneigentlichen Sinne der für die Beförderung festgesetzte Preis oder Lohn, der meist nach dem Gewicht der F. festgesetzt wird. Der Beförderungsvertrag wird im allgemeinen abgeschlossen durch Ausstellung des Frachtbriefs, im Seeverkehr Konossement, bei der Binnenschiffahrt Ladeschein genannt. Die Formen des Frachtbriefs und die bezüglichen Bestimmungen sind für die Eisenbahnbeförderung in unsern Schutzgebieten festgelegt durch die Kolonialeisenbahn - Verkehrsordnung (KVO., s.d.) vom 26. Febr. 1913. Für das Frachtgeschäft im allgemeinen, d.h. für die Beförderung von Gütern zu Lande oder auf Flüssen oder sonstigen Binnengewässern ist der sechste Abschnitt, §§ 425 - 452, des Deutschen Handelsgesetzbuchs vom 10. Mai 1897 maßgebend. Das Seefrachtgeschäft wird in Buch IV §§ 556 - 663 behandelt. - Die F. auf dem Landwege, bei Beförderung durch Träger, Maultiere, Handwagen, Ochsenwagen oder Lastautomobil sind im allgemeinen erheblich teurer als die auf der Eisenbahn; letztere werden unter Umständen noch stark unterboten durch die F. auf Wasserwegen, besonders auf natürlichen Schiffahrtsstraßen, zu deren Anlage und Unterhaltung es besonders hoher Aufwendungen nicht bedarf. Die Lösung der Frachtfrage für den Landweg ist für die wirtschaftliche Entwicklung der Schutzgebiete von ganz besonderer Bedeutung und im wesentlichen enthalten im Bau zweckmäßig angeordneter und wirtschaftlich betriebener Eisenbahnen, unter Verwendung angemessener Tarife (s. Eisenbahntarife), die dem Unternehmen eine Rente sichern, dabei aber den Verkehr nicht zu hoch belasten und vor allem seine Entwicklung nicht hemmen. Die im Eisenbahnbetriebe möglichen niedrigen Frachsätze haben vielfach die Wirkung, neuen Verkehr zu wecken, den bestehenden zu beleben; doch ist es unter Umständen bedenklich, dabei unter die Selbstkosten zu gehen; auch ist es meist kaum durchführbar, stark herabgesetzte Frachtsätze später wieder in die Höhe zu schrauben.

Baltzer.