Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 659 f.

Framboesie (englisch: "Yaws"; französisch: "le Pian"), in den Tropen weit verbreitete, hauptsächlich Eingeborene befallende Infektionskrankheit. Sie ist in den tropischen Gebieten Afrikas, Asiens, Australiens und Amerikas beobachtet. In den Gebieten, in denen sie endemisch herrscht, wird fast stets die gesamte Bevölkerung davon befallen, und zwar vornehmlich schon im Kindesalter. Die Krankheit macht hauptsächlich Symptome auf der Haut, zunächst an der Stelle der Infektion, wo eine charakteristische Papel, aber auch ein ausgedehntes Geschwür ("Muttergeschwür" in verschiedenen Eingeborenensprachen benannt) entstehen kann. Diese Erstaffektion sitzt bei Kindern besonders oft im Gesicht, hauptsächlich am Lippenrand; bei stillenden Frauen an der Brust, bei Frauen mit Säuglingen oft über der linken Hüfte, wo das Kind getragen wird. Ein bis drei Monate später tritt dann der allgemeine Ausschlag auf, der in dem Grade der Ausbildung sehr wechseln kann. Es entwickeln sich aus roten Flecken allmählich Papeln, die mehr und mehr wachsen, bis die Oberhaut platzt und eine rote, glänzende, warzenartige Geschwulst entsteht, die in ihrem Aussehen oft einer Himbeere (französisch = "frambois") ähnelt, was zu obiger Namengebung geführt hat. Allmählich wird auf der Oberfläche eine gelbe Flüssigkeit ausgeschwitzt, die trocknet und eine schmierige Borke bildet. Nicht immer sind die Papeln so gleichförmig gestaltet, oft sind sie breiter und flacher, und wo sie dicht stehen, fließen sie zu größeren, geschwürigen, ring- und bogenförmigen Affektionen zusammen, die aber recht vielgestaltig sein können. Ein Lieblingssitz der Framboesieknoten sind die Übergangsstellen von Haut und Schleimhaut, also Lippenrand, Nasenöffnung, After, weibliche Geschlechtsteile); besonders bei Kindern sind diese Stellen stets bevorzugt. Im übrigen können alle Körperstellen befallen werden. Während des Verlaufs treten häufig auch Kopfschmerz und Fieber auf. Die Knoten heilen schließlich von selbst aus - oft erst nach langer Zeit -, und es bleiben zuletzt keine Narben zurück. Manchmal findet man aber auch Spätformen der Krankheit an den Handund Fußflächen, wo Verdickungen und Verhornungen der Haut mit tiefen Furchen und Schrunden sich zeigen; auch weitgehende Zerstörungen des Nasen - Rachenraumes werden hierzu gerechnet. Diese Formen sind lange nicht zur F. gezählt worden. Die Krank heit wird übertragen durch direkte Berührung mit Infizierten, eine andere übertragungsweise ist bisher nicht erwiesen. Der Erreger ist 1905 von Castellani in Ceylon entdeckt worden als eine Spirochaete (Spirochaeta pertenuis), die dem Syphiliserreger sehr nahe verwandt ist. Syphilis (s.d.) und F. selbst stehen sich sehr nahe, sind aber keineswegs identisch, wie Tierversuche mit Affen bewiesen haben. Überstehen einer F. ver schafft eine gewisse Immunität dagegen. Die relativ harmlose Erkrankung ist therapeutisch durch die gleichen Mittel wie die ihr verwandte Syphilis zu bekämpfen. Sie heilt unter entsprechender ärztlicher Behandlung mit geeigneten Quecksilber- und Jodpräparaten in einigen Wochen ab; das neue Ehrlichsche Präparat Salvarsan (s.d.) aber wirkt bei ihr noch besser als bei Syphilis und bringt die Eruptionen oft innerhalb weniger Tage zum Schwinden.

Literatur: Mense, Handbuch der Tropenkrankheiten. - Scheube, Die Krankheiten der warmen Länder.

Martin Mayer.