Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 662

Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft, eingetragener Verein mit dem Sitz in Berlin, Am Karlsbad, Afrikahaus. Nach seiner Satzung ist sein Zweck, im Anschluß an die Bestrebungen der Deutschen Kolonialgesellschaft in den deutschen Kolonien deutschen Familiengeist und deutsche Art zu pflegen. Er wurde 1907 als deutsch - kolonialer Frauenbund gegründet. 1908 erfolgte sein Anschluß an die Deutsche Kolonialgesellschaft (s.d.) unter Annahme des jetzigen Namens. Gleichzeitig übertrug der Präsident der Kolonialgesellschaft dem F. die Prüfung der in häusliche Stellungen nach Deutsch -Südwestafrika zu entsendenden weiblichen Hilfskräfte, soweit sie für die Übersiedlung eine Unterstützung durch die Kolonialgesellschaft beantragen. Während in den ersten Jahren nur wenige Mädchen ausgesandt wurden, hat sich ihre Zahl nach und nach so gesteigert, daß im Jahre 1913 nach Deutsch- Südwestafrika 90 Mädchen dem Präsidenten der Kolonialgesellschaft zur Gewährung freier Ausreise empfohlen werden konnten und ausreisten. Die Mädchen erhalten freie Ausreise in der 3. Schiffsklasse oder einen Zuschuß zur 2. Schiffsklasse. Von den im Jahre 1912 ausgesandten 107 Mädchen haben sich 29 verheiratet, mehrere haben sich selbständig als Schneiderinnen oder Weißnäherinnen niedergelassen, fünf sind nach Deutschland zurückgekehrt, die übrigen befinden sich in Stellung. 1910 eröffnete der F. das Heimatshaus in Keetmanshoop, um das P4,eutsche Element im Süden des Schutzgebietes zu stärken. Etwa 122 Mädchen sind bislang in das Heimatshaus geschickt worden, sie haben zum Teil schnell Stellungen gefunden. In Lüderitzbucht unterhält der F. ein Jugendheim. Er hat ferner die Sammlung und Aussendung von Bibliotheken unter seine Aufgaben eingereiht. Der F. zählte 1914 in 141 über ganz Deutschland verteilten Abteilungen über 18 600 Mitglieder. Seine erste Vorsitzende war die verstorbene heifrau v. Liliencron, ihr folgte Freifrau v. Richthofen und dieser Frau Hedwig Heyl.

Meyer - Gerhard.