Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 667 f.

Fruchtfolge, die auf dem Prinzip des Fruchtwechsels (s.d.) beruhende Aufeinanderfolge verschiedener Gewächse auf demselben Standort. Zur Vermeidung gleichartiger Entziehung von Nährstoffen und einseitiger physikalischer Beeinflussung des Bodens läßt man Tiefwurzler auf Flachwurzler, Halmfrüchte auf Hackfrüchte, stickstoffmehrende Pflanzen (Leguminosen) auf stickstoffzehrende folgen und umgekehrt. Das System, nach welchem in einem bestimmten Betriebe die Gewächse aufeinander folgen, heißt Rotation; in Wirtschaften von gleichartigem Boden arbeitet man mit einer, in solchen von verschiedenartigen Böden mit zwei oder auch mehr Rotationen. Der Anzahl der in eine Rotation aufgenommenen Kulturen oder Gruppen von Kulturen (s. Futterbau) entspricht die Zahl der zu ihr gehörigen Feldstücke oder "Schläge". Der geregelten F. mit festen Rotationen steht die sog. freie "Wirtschaft" gegenüber, bei welcher der Betriebsleiter in jedem Jahr einen neuen Bestellungsplan aufstellen muß. - In den Schutzgebieten ist die Frage der F.einrichtung noch offen. Zahlreiche private Landwirte und die Versuchsstationen beschäftigen sich mit ihrer Lösung. Um neue und zweckmäßige, den Reinertrag steigernde Systeme zu finden, bedarf es noch langjähriger Studien und Versuche. Diese sind um so wichtiger, als eine richtige F. eine der wichtigsten Grundlagen für den landwirtschaftlichen Betrieb darstellt. Bei der Feststellung eines F.systems, von dessen richtiger Anordnung auch die Rentabilität der Wirtschaft in hohem Grade abhängt, sind u. a. folgende Punkte zu beachten. Gewisse Pflanzen "vertragen sich nicht mit sich selbst" und dürfen nicht zu häufig "auf sich selbst folgen", sondern immer erst in längeren Zeitabständen auf dasselbe Land gebracht werden. Andere nehmen den Nährstoffgehalt des Bodens stark in Anspruch ("Sauger", z.B. Mais, Bananen); daher ist "gehäufter Anbau", selbst bei Düngung, unzweckmäßig. Solcher führt öfters auch zum Überhandnehmen von Schädlingen im Boden. Auf "Vorfrucht" und "Nachfrucht" ist in bezug auf biologische Eigenschaften und Ansprüche Rücksicht zu nehmen; sehr wesentlich ist auch der Zustand, in welchem die Vorfrucht den Acker hinterläßt. Man soll für die. anspruchsvollsten Früchte, vor allem aber für die Hauptkulturen, die günstigsten Bedingungen schaffen (Baumwollbau! Tabakbau!). Die in der Wirtschaft vorhandenen menschlichen und tierischen Arbeitskräfte müssen das ganze Jahr hindurch möglichst gleichmäßig beschäftigt werden. In gemischten Betrieben (Feldbau und Viehhaltung) ist bei Festsetzung der den einzelnen Kulturen oder Gruppen von solchen einzuräumenden Gesamtflächen ein angemessenes Mengenverhältnis zwischen den zum Verkauf, zur Viehfütterung und zur Arbeiterernährung bestimmten Produkten innezuhalten. Die F. muß in Einklang gebracht werden mit den für den Betrieb jeweils bestimmenden Produktionsfaktoren (s. Landwirtschaft).

Literatur: v. d. Goltz, Handbuch d. Landwirt schaft, Bd. III, 828 ff. 1890. - v. Rümker, Uber Fruchtfolge (Tagesfragen a. d. modernen Ackerbau, Heft 4. Berl. 1906) ; daselbst ausführlicher Literaturnachweis.

Busse.