Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 668 f.

Fulbe (s. Tafel 58, 78, 82, 83), auch Fulla, Fullani, Fellata oder Fellani genannt, sind Hamiten (s.d.), die von Nordwesten in Deutsch- Adamaua (Kamerun) eingewandert sind. Allerdings haben sie sieh auf deutschem Gebiet mit den Negerstämmen und besonders mit den Haussa (s.d.) sehr stark vermischt, so daß nur noch der Stamm der BororoF., die noch heute wie früher alle F. als wandernde Hirten herumziehen, sich relativ rein erhalten hat. Sie haben einen schlanken Wuchs, der selbst im Alter niemals zum Fettansatz neigt, sind mittelgroß und haben eine helle Hautfarbe. Doch ist letztere oft sehr wechselnd. Die Gesichter sind langgezogen, fast kaukasisch, mit schmalen, geraden Nasenrücken und schmalen Lippen. Die Haare sind nicht kraus sondern wellig. Eigenartig ist, daß blaue Augen und blonde Haare bei den reinen F. keine Seltenheit sein sollen. Im allgemeinen haben sie den Typus der Berber Nordafrikas. Die Verbreitung der F. reicht vom Senegal durch den ganzen westlichen Sudan bis nach Deutsch - Adamaua hinein. In Kamerun sitzen sie auf einem breiten Streifen, der erst von Bakundi nach Osten verläuft und dann nach Norden umbiegt, sich um Garua verbreitert und im Norden noch einige Enklaven bildet, ebenso wie im Osten. Die Verbreitung der F. wird durch f olgende Städte, die ihre Hauptzentren angeben, markiert: Bakundi, Gaschaka, Banjo, Dodeo, Kontscha, Tschamba, Jola, Garua, Rei Buba, ferner in den Enklaven um Tibati, Ngaundere, Binder, Marua. - Die F. kommen nach ihrer Überlieferung aus Westen. Wahrscheinlich zwang Übervölkerung sie zum Wandern. Als Hirten kamen sie so nach Deutsch - Adamaua. Wann diese Einwanderung stattgefunden hat, läßt sich nicht bestimmt feststellen. Unter dem Bornukönige Dala (1564/70) siedelten sich F. in Bornu an, im 17. und 18. Jahrh. in Bagirmi. Zu derselben Zeit mögen sie dann wohl das Benuegebiet erreicht haben. Damals kamen sie als friedliche Hirten und fügten sich der Herrschaft der betreffenden Länder. Am Anfang des 19. Jahrh. war das ganze Adamaua mit einer Reihe von F.siedelungen bedeckt, die friedlich neben den Heiden wohnten. Erst dann begann die Eroberung. Ein Wanderpriester namens Othman dan Fodio, von Senegal gebürti verstand es, den Glaubenseifer der F. zu erwecken, und es gelang ihm im Jahre 1802 die Haussastaaten (s.d.), die zerrüttet waren, über den Haufen zu rennen und sogar Bornu zu besiegen. Als Hauptstadt erbaute er sich Sokoto. Unter den Großen, die er mit den eroberten Reichen belehnte, bekam Modibo Adama das Lamidat Adamaua. - Die F. teilen sieh in mehrere Sippen, die sich schon bei der Einwanderung von Nordwesten absonderten, vielleicht überhaupt in verschiedenen Zeiten eingewandert sind. Das sind vor allem die Wollarbe und die Jillaga. Zu ersteren gehören die Ba und vielleicht auch die Baewue oder Sugur. Diese Sippen wanderten im Westen des Mandaragebirges nach Süden, während zwei andere Sippen, die Badaua und die Gara, im Osten dieses Gebirge umgingen und jetzt die Enklave von Marua bilden. Die Bororo - F. (s.d.) sind erst später eingewandert. - Nach der Eroberung Adamauas begann der Kleinkrieg mit den Ureinwohnern, den Heidenstämmen (s.d.), der sich bis zur deutschen Eroberung hinzog. Die F. vermochten den Heiden aber nicht in das Gebirge zu folgen, und so blieben die Völker, die sich dorthin zurückgezogen hatten, unabhängig. Die Regierungsform der mohammedanischen F. ist despotisch. Früher war der Sultan von Sokoto der Oberherr der ganzen F. Er setzte verschiedene Lamidos (s.d.) über die Provinzen seines Reiches, z.B. der Lamido von Jola herrschte über Adamaua. An Stelle des Emirs von Jola ist heute die deutsche Regierung getreten. Adamaua zerfällt wieder in eine Anzahl von Lamidaten, z.B. das Lamidat von Tibati, und so geht es weiter abwärts bis zum Lamido über einen kleinen Ort. Die Organisation ist die eines mittelalterlichen Lehnstaates, d.h. es wird Heerfolge verlangt und Tribut bezahlt. Die Lamidos führen je nach ihrem Reichtum und dem ihres Landes einen großen Haushalt und halten sich einen großen Stab von Beamten. Letztere rekrutieren sich fast ausschließlich aus den Sklaven, während die Freien fast keinen Anteil an der Verwaltung haben. Das Land gehört dem Lamido, der es verkaufen kann. Das Gerichtswesen steht ziemlich hoch und wird von eigenen Richtern ausgeübt. S.a. Adamaua. Die Sitten und Gebräuche der F. sind im Laufe der Zeit sehr verändert, teilweise haben sie die der unterworfenen Völker angenommen, ebenso wie z.B. den Hausbau. So weicht die Haartracht und Kleidung der Frauen in den verschiedenen Gegenden sehr voneinander ab. Die Frauen tragen das Haar oft in kunstvollen Frisuren. Die Männer haben die mohammedanische Tracht. Die Gehöfte sind von Zäunen umgeben, die Hütten haben ein rundes Kegeldach. Eine Hütte liegt außerhalb der Umzäunung und dient als Empfangshalle. Innerhalb sind die Hütten für Frauen und Kinder und Sklaven mit kleinen Gärten umgeben. Früher waren die F. Hirten, jetzt sind sie seßhaft geworden und überlassen nun den Sklaven alle Arbeit. Ihre Beschäftigung war der Krieg und der Sklavenraub. Die Waffen der F. bestehen in Schwert, Keule, Pfeil und Bogen, Lanze und Schild; häufig sind auch Kürasse, die aus den Klingen eingeführter Messer und Schwerter geschmiedet worden (s. Tafel 86 Abb. 23), sowie Helme aus Metall, die durch Federbüsche u. dgl. prächtig aufgeputzt werden (s. Farbige Tafel Kamerun Abb. 10). Es gibt Fußvolk und Reiter. Die Pferde der letzteren tragen dicke Wattepanzer, ebenso wie die Reiter, zum Schutz gegen die, Pfeile der Heiden. Man hat vermutet, daß die ganze Kriegsrüstung der F. nur auf den Einfluß der Kreuzritterzeit zurückzuführen ist. Tatsächlich hat der bewaffnete F.reiter eine große Ähnlichkeit mit einem zum Turnier ausziehenden Ritter des Mittelalters. Im Gegensatz zu den angesessenen F. sind die Bororo (s.d.) reine Nomaden geblieben.

Literatur: Passarge, Adamaua. Berl. 1895. Strümpell, Die Geschichte Adamauas. Mitt. d. Geogr. Ges. in Hamburg XXVI, Heft 1. Oppenheim, Rabek.

Passarge - Rathjens.