|
Fulbe (s. Tafel 58,
78, 82, 83), auch Fulla,
Fullani, Fellata
oder Fellani genannt, sind Hamiten (s.d.), die von Nordwesten in Deutsch-
Adamaua
(Kamerun) eingewandert sind. Allerdings haben sie sieh auf deutschem
Gebiet
mit den Negerstämmen und besonders mit den Haussa (s.d.) sehr stark vermischt, so daß nur noch
der Stamm der BororoF., die noch heute wie früher alle F. als wandernde
Hirten herumziehen, sich relativ rein erhalten hat. Sie haben einen
schlanken
Wuchs, der selbst im Alter niemals zum Fettansatz neigt, sind mittelgroß
und haben eine helle Hautfarbe. Doch ist letztere oft sehr wechselnd.
Die Gesichter sind langgezogen, fast kaukasisch, mit schmalen, geraden
Nasenrücken und schmalen Lippen. Die Haare sind nicht kraus sondern
wellig.
Eigenartig ist, daß blaue Augen und blonde Haare bei den reinen F. keine
Seltenheit sein sollen. Im allgemeinen haben sie den Typus der Berber
Nordafrikas. Die Verbreitung der F. reicht vom Senegal durch den ganzen
westlichen Sudan bis nach Deutsch - Adamaua hinein. In Kamerun
sitzen sie auf einem breiten Streifen, der erst von Bakundi nach Osten
verläuft und dann nach Norden umbiegt, sich um Garua
verbreitert und im Norden noch einige Enklaven bildet, ebenso wie im
Osten.
Die Verbreitung der F. wird durch f olgende Städte, die ihre
Hauptzentren
angeben, markiert: Bakundi, Gaschaka,
Banjo, Dodeo, Kontscha, Tschamba, Jola, Garua, Rei Buba, ferner in den Enklaven um Tibati, Ngaundere, Binder,
Marua. - Die F. kommen nach ihrer
Überlieferung
aus Westen. Wahrscheinlich zwang Übervölkerung sie zum Wandern. Als Hirten
kamen sie so nach Deutsch - Adamaua. Wann diese Einwanderung stattgefunden hat, läßt sich
nicht
bestimmt feststellen. Unter dem Bornukönige Dala (1564/70) siedelten
sich
F. in Bornu an, im 17. und 18. Jahrh. in
Bagirmi. Zu derselben Zeit mögen sie dann wohl das
Benuegebiet erreicht haben. Damals kamen sie als friedliche Hirten und
fügten sich der Herrschaft der betreffenden Länder. Am Anfang des 19.
Jahrh. war das ganze Adamaua mit einer Reihe von F.siedelungen bedeckt,
die friedlich neben den Heiden wohnten. Erst dann begann die Eroberung.
Ein Wanderpriester namens Othman dan Fodio, von Senegal gebürti verstand es,
den Glaubenseifer der F. zu erwecken, und es gelang ihm im Jahre 1802
die Haussastaaten (s.d.), die zerrüttet waren,
über den Haufen zu rennen und sogar Bornu zu besiegen. Als Hauptstadt
erbaute er sich Sokoto. Unter den Großen, die er mit den eroberten
Reichen
belehnte, bekam Modibo Adama das Lamidat Adamaua.
- Die F. teilen sieh in mehrere Sippen,
die sich schon bei der Einwanderung von Nordwesten absonderten,
vielleicht
überhaupt in verschiedenen Zeiten eingewandert sind. Das sind vor allem
die Wollarbe und die Jillaga. Zu ersteren gehören die Ba und vielleicht
auch die Baewue oder Sugur. Diese Sippen wanderten im Westen des
Mandaragebirges
nach Süden, während zwei andere Sippen, die Badaua und die Gara,
im Osten dieses Gebirge umgingen und jetzt die Enklave von Marua bilden.
Die Bororo - F. (s.d.) sind erst später eingewandert.
- Nach der Eroberung Adamauas begann der Kleinkrieg mit den
Ureinwohnern,
den Heidenstämmen (s.d.), der sich bis zur deutschen Eroberung hinzog.
Die F. vermochten den Heiden aber nicht
in das Gebirge zu folgen, und so blieben die Völker, die sich dorthin
zurückgezogen hatten, unabhängig. Die Regierungsform der
mohammedanischen
F. ist despotisch. Früher war der Sultan
von Sokoto der Oberherr der ganzen F. Er setzte verschiedene Lamidos
(s.d.)
über die Provinzen seines Reiches, z.B. der Lamido von Jola
herrschte über Adamaua. An Stelle des Emirs von Jola ist heute die
deutsche
Regierung getreten. Adamaua zerfällt wieder in eine Anzahl von
Lamidaten,
z.B. das Lamidat von Tibati, und so geht es weiter abwärts bis zum Lamido über einen kleinen Ort. Die Organisation ist
die eines mittelalterlichen Lehnstaates, d.h. es wird Heerfolge verlangt
und Tribut bezahlt. Die Lamidos führen je nach ihrem Reichtum und dem
ihres Landes einen großen Haushalt und halten sich einen großen Stab von
Beamten. Letztere rekrutieren sich fast ausschließlich aus den Sklaven, während die Freien fast keinen Anteil an
der Verwaltung haben. Das Land gehört
dem Lamido, der es verkaufen kann. Das Gerichtswesen steht ziemlich hoch
und wird von eigenen Richtern ausgeübt. S.a. Adamaua.
Die Sitten und Gebräuche der F. sind im Laufe der Zeit sehr verändert,
teilweise haben sie die der unterworfenen Völker angenommen, ebenso wie
z.B. den Hausbau. So weicht die Haartracht und Kleidung der Frauen in
den verschiedenen Gegenden sehr voneinander ab. Die Frauen tragen das
Haar oft in kunstvollen Frisuren. Die Männer haben die mohammedanische
Tracht. Die Gehöfte sind von Zäunen umgeben, die Hütten
haben ein rundes Kegeldach. Eine Hütte liegt außerhalb der Umzäunung und
dient als Empfangshalle. Innerhalb sind die Hütten für Frauen und Kinder
und Sklaven mit kleinen Gärten umgeben. Früher waren die F. Hirten,
jetzt
sind sie seßhaft geworden und überlassen nun den Sklaven alle Arbeit.
Ihre Beschäftigung war der Krieg und der Sklavenraub. Die Waffen der F.
bestehen in Schwert, Keule, Pfeil und Bogen,
Lanze und Schild; häufig sind auch Kürasse, die aus den Klingen
eingeführter
Messer und Schwerter
geschmiedet worden (s. Tafel 86 Abb. 23), sowie Helme
aus Metall, die
durch Federbüsche u. dgl. prächtig aufgeputzt werden (s. Farbige Tafel
Kamerun Abb. 10). Es gibt Fußvolk und Reiter. Die
Pferde der letzteren tragen dicke Wattepanzer, ebenso wie die Reiter, zum Schutz
gegen die, Pfeile der Heiden. Man hat
vermutet,
daß die ganze Kriegsrüstung der F. nur auf den Einfluß der
Kreuzritterzeit
zurückzuführen ist. Tatsächlich hat der bewaffnete F.reiter eine große
Ähnlichkeit mit einem zum Turnier ausziehenden Ritter des Mittelalters.
Im Gegensatz zu den angesessenen F. sind die Bororo (s.d.) reine Nomaden geblieben.
Literatur: Passarge, Adamaua. Berl.
1895. Strümpell, Die Geschichte Adamauas.
Mitt. d. Geogr. Ges. in Hamburg XXVI, Heft 1. Oppenheim, Rabek.
Passarge - Rathjens.
|