Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 671 f.

Futtermittel, die zur Ernährung der Tiere gebrauchten pflanzlichen und tierischen Stoffe. Alle F. bestehen zunächst aus "Trockensubstanz" und Wasser. Als Futtertrockensubstanz bezeichnet man den wasserfreien Teil einer Futterration (s. Fütterung) oder eines einzelnen Futtermittels. Die in der Trockensubstanz enthaltenen Nährstoffe werden eingeteilt in organische und unorganische, erstere wiederum in stickstoffhaltige und stickstofffreie. Nach dem Trockensubstanzgehalt sind zu unterscheiden: 1. Trockenfutter, Heu und Stroh (auch mit dem gemeinsamen Namen Rauhfutter bezeichnet), sowie Körnerfrüchte (Schrot) u. a. trockene F., mit 84 - 88% Trockensubstanz; 2. Grünfutter: Mähfutter und Weidepflanzen, auch Zuckerrüben und Kartoffeln, mit 20 - 30% Trockensubstanz; 3. die wässerigen F., z.B. Runkelrüben, Schnitzel, Milch, mit 10 - 12% Trockensubstanz. Nach dem Nährstoffgehalt werden nährstoffreiche oder Kraft - F. und nährstoffarme F. unterschieden. Dazwischen verschiedenste Übergänge; endlich eiweißreiche, fettreiche und kohlenhydratreiche. (Näheres bei v. d. Goltz.) Von F. tierischer Herkunft sind zu nennen: Fisch- und Fleischmehl, Milch und Molkereiabfälle. - Wichtigere, in den Schutzgebieten produzierte F. sind Mais (s.d.) und Sorghumhirse (s.d.), sowohl als Körnerfutter wie als Grünfutter und Stroh verwendet, Luzerne (frisch und als Trockenfutter; s.d.), verschiedene, speziell tropische Futterpflanzen (s.d.), Reis (s.d.), Bohnen- (s.d.) und Erbsen- (s.d.) Arten, Buchweizen (Kiautschou), Bananen (s.d.), namentlich aber Preßrückstände von der Ölfabrikation, z.B. Preßkuchen und -mehl von Palmkernen (s. Ölpalme), der Kopra (s. Kokospalme), Erdnüssen (s.d.), Baumwollsamen (s. Baumwolle), Sesam (s.d.) usw. Unter den Methoden der Zubereitung von F. spielen die unter Entwicklung von Gärungsprozessen bewirkte - Braunheu- Bereitung und Einsäuerung (Ensilage) in manchen Ländern und Gegenden eine gewisse Rolle (die Einsäuerung wird u.a. auch in Indien für Sorghumheu zur Beseitigung der Blausäure benutzt). In den Schutzgebieten vorläufig kaum erforderlich; Herstellung auch stets mit Risiko verbunden. Gutes Grünfutter ist dem Sauerfutter vorzuziehen. S.a. Fütterung.

Literatur: Weiske in v. d. Goltz, Handbuch d. Landwirtschaft, Bd. 3 S. 234 ff. Tübing. 1890 (daselbst noch weitere Lit.). - Werner, Handbuch d. Futterbaud. 3. Aufl., Berl. 1907. Stebler, Die besten Futterpflanzen. Bern 1908. - Landlexikon von K. zu Putzlitz u. L. Meyer, Bd. 2. Stuttgart 1911 (Farbige Tabellen für den Nährstoffgehalt der F.). - Zagorodsky in Tropenpfl. 1911 S. 413 (Erderbse) u. ebenda, Beihefte 1911 S. 283 (Bananen). Im übrigen s. die betr. Artikel.

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