Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 672

Futterpflanzen, die als Futtermittel (s.d.) verwendeten oder speziell zu deren Gewinnung angebauten Gewächse. Als F. im weiteren Sinne sind die Kleearten und kleeartigen Gewächse, die Gräser sowie Wurzel- und Knollengewächse und Hülsenfrüchte zu betrachten, als F. im engeren Sinne nur die ersten beiden Gruppen, ein Teil der Wiesengräser und Getreidearten, einige Hülsenfrüchte und einzelne andere Pflanzen. Beim Anbau von F. (s. Futterbau) wird besonderes Gewicht auf hohen Gehalt des zu erntenden Futters an Eiweißstoffen (verdaulichem Protein) gelegt; der wirtschaftliche Wert einer F. wird nach der Menge verdaulichen Proteins berechnet, den sie pro Hektar liefert. Tür einen rationellen Futterbau ist daher genauere Kenntnis des Nährstoffgehalts der F. erforderlich. Von den bei uns angebauten F. kommt für die Schutzgebiete die Luzerne (s.d.) vorläufig allein in Betracht. Von dort eingebürgerten Getreidearten sind Mais (s.d.) und Sorghumhirse (s.d.) zu nennen. Die in den Schutzgebieten natürlich vorkommenden Futterpflanzen systematisch festzustellen, botanisch zu bestimmen und auf ihren Nährwert zu untersuchen, ist eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Zukunft. In Deutsch-Südwestafrika ist damit vor, einigen Jahren begonnen worden. Auch aus Deutsch-Ostafrika liegen Anfänge vor (Näheres bei Eichinger). Daneben sind solche fremdländische F. zu prüfen, die sich bereits in anderen Gebieten unter analogen Verhältnissen bewährt haben. Auch in dieser Richtung werden Versuche ausgeführt von den Instituten Amani (Deutsch-Ostafrika) und Victoria (Kamerun), dem Botanischen Garten in Rabaul (Deutsch-Neuguinea) und verschiedenen landwirtschaftlichen Versuchsstationen (s. Landwirtschaftliches Versuchswesen). Auch Gründüngungspflanzen kommen dabei in Betracht (s. Gründüngung). Dabei sind bereits manche beachtenswerte - positive und negative - Ergebnisse erzielt worden. So haben sich in Usambara die vielfach versuchsweise angebauten bekannten europäischen Futterpflanzen (wie Kleearten, Esparsette, Gräser) sehr wenig bewährt. Über Luzerne (s.d.) liegen abgeschlossene Versuche aus den tropischen Kolonien noch nicht vor; in Deutsch-Südwestafrika gedeiht sie vorzüglich. Von speziell für die warmen Klimate geeigneten F., die teilweise in den Schutzgebieten vorkommen oder dort schon geprüft worden sind, sind u. a. zu nennen: Andropogon halepensis (Sudangras, Aleppohirse) (s.d. u. Lit. Piper), Melinitis minutiflora, Desmodium tortuosum (Floridaklee), Lathyrus tingitanus (Tanger Platterbse), Paspalum dilatatum, Panicum jumentorum (Guineagras, s.d.), Cyngdon dactylon (Bermudagras, s.d.), Euchlaena mexicana (Teosintegras), Lespedeza bicolor, L. striata ("Japan -Clover"), Pueraxia Thunbergiana. Phalaris commutata, Richardsonia scabra ("Mexican Clover"), die "baumartige Luzerne", Medicago arborea, verschiedene tropische Bohnen- und Erbsenarten, die Salzbüsche: Atriplex- und Salsola-Arten (s. bei Eichinger) und die Kaktus-Feige (Opuntia Ficus indica).

Literatur: Strebel in v. d. Goltz, Handbuch d. Landwirtschaft, Bd. 2, 482 ff. Tübing. 1890. - Werner, Handbuch d. Futterbaus, 3. Aufl. Berl. 1907. - Stebler, Die besten Futter Pflanzen. Bern 1908. -Zimmermann im "Pflanzer", 1908, S. 225, 250, 269, 273, 300, 319; 1911, S. 231. - Eichinger, ebenda, 1911, S. 26, 74, 387; 1912, S. 86. - Piper, Sudan Grass, a new drought - resistant kay plant. U. S. Dept. of Agricult. Bureau of Plant Industry 1913, Circ. Nr. 125 (mit Abb.). - Außerdem zahlreiche Mitteilungen im "Tropenpflanzer", Bulletin of the Malay Federated States Tropical Agriculturig Agricultural Journal of India, Veröff. des U. S. Departm. of Agriculture in Washington usw.

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