Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 746

Götzen, Adolf Graf v., geb. 12. Mai 1866 auf Schloß Scharfeneck (Glatz). Als Leutnant im 2. Garde - Ul. - Rgt. trat v. G. im Jahre 1891 eine kurze Reise nach dem Kilimandscharo und 2 Jahre später seine musterhaft durchgeführte Forschungsreise an, die ihn quer durch Afrika von Ost nach West führte. Er brachte die ersten genauen Nachrichten über Ruanda, besuchte das dortige Vulkangebiet und entdeckte den Kiwusee. Nachdem er sodann Militärattaché in Rom und Washington war und im amerikanischen Hauptquartier am spanisch - amerikanischen Kriege teilgenommen hatte, wurde er Hauptmann im Großen Generalstab und 1900 Gouverneur und Kommandeur der Schutztruppe von Deutsch - Ostafrika. Fast 6 Jahre lang stand er an dieser Stelle, auch während des Aufstandes von 1905, der dank seiner Tatkraft und seinem Geschick in verhältnismäßig kurzer Zeit unterdrückt wurde. Seine schon damals angegriffene Gesundheit zwang ihn bald darauf zum Ausscheiden aus dem Kolonialdienst. Als langjähriges Mitglied der Deutschen Kolonialgesellschaft (s.d.) förderte er eifrigst deren Bestrebungen. Im Jahre 1908 wurde Graf - G. preußischer Gesandter in Hamburg. Am 2. Dez. 1910 erlag er einem inneren Leiden. Die beiden bedeutsamen Werke v. G.s sind: Durch Afrika von Ost nach West (Berl. 2. Aufl.); Deutsch - Ostafrika im Aufstand 1905/06 (Berl. 1909).