Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 675 f.

Galeriewälder entwickeln sich vorzugsweise, ja fast ausschließlich in Ländern mit Steppencharakter. Der Begriff, von Schweinfurth (s.d.) gebildet, fand zuerst Anwendung bei Veetationsschilderungen aus den oberen Niländern. Geschlossener, allseitig ausgedehnter Wald fehlt hier, dagegen finden sich die Flüsse und Bäche von einem beide Ufer begleitenden Waldstreifen eingesäumt, der, namentlich von einem erhöhten Standpunkt aus betrachtet, den Eindruck einer fortlaufenden, bald geradlinigen, bald geschlängelten Galerie macht. Später wurde der Ausdruck auf andere Gebiete des tropischen Afrikas übertragen, und jetzt wird er vielfältig gleichbedeutend mit Uferwald gebraucht. Maßgebend bleibt, daß der Bestand eines G. entweder nur an die Bodendurchtränkung geknüpft ist, die eine Wasserader dem Erdreich rechts und links über ihr Bett hinaus gewährt, oder daß daneben auch die feuchte Luft von Bedeutung ist, die in der Umgebung verdunstenden Wassers herrscht. Letzteres trifft in erster Linie für Flüsse und Bäche zu, die tief eingeschnitten verlaufen und dabei sanft ansteigende Böschungen haben. In den deutschen Kolonien sind G. auf Deutsch-Ostafrika, Togo und die Grasländer Kameruns beschränkt, in Deutsch-Südwestafrika kommen sie wegen des Mangels an ständig fließendem Wasser nur ganz gelegentlich vor. Ihre Breite ist sehr wechselnd. Bald setzen sie sich nur aus wenigen Baumreihen längs der Ufersäume zusammen, bald, wenn der Fluß ein größeres Überschwemmungsgebiet besitzt, stellen sie Waldkomplexe von ansehnlicher Tiefe dar. Charakteristisch für G. ist die scharfe Begrenzung, die sie nach außen, an der vom Fluß abgewendeten Seite erfahren. Schroff heben sie sich hier von einer Grasoder Krautvegetation oder von einem lichten Bestande von Sträuchern und niederen Bäumen ab, die durch ihren Krüppelwuchs und ihr fahles Laub auf Bodendürre hinweisen, und dies macht es, daß sie im Gelände von der Vogelperspektive aus als dunkle Schlangenlinien auf hellerem Grunde hervortreten. Die Baumarten die G. bilden, sind in der Mehrzahl solche des tropischen Regenwaldes, und nicht wenige von ihnen gehen in Afrika von der West- zur Ostküste durch. Letzteres kann als Anzeichen dafür gelten, daß sie Relikte aus einer Zeit darstellen, in der das gesamte tropisch - afrikanische Tiefland mit geschlossenem Walde bedeckt war.

Literatur: G. Schweinfurth, Pflanzengeogr. Skizze des gesamten Nilgebietes u. der Uferländer des Boten Meeres in Petermanns Mitteil. 1867.

Volkens.