Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 678 f.

Gartenbau. Der G. umfaßt drei Hauptgebiete, die Anlage und Pflege des Ziergartens, den Obstbau und den Gemüsebau. Von den beiden letzteren Zweigen ist in besonderen Artikeln die Rede. Überall dort, wo der Pflanzer in den Tropen und Subtropen günstige Verhältnisse für seine Kulturen findet, wird er auch meist die Umgebung seines Hauses gärtnerisch ausgestalten können. Er wird in der Regel die natürliche, parkartige Gartengestaltung den künstlichen Formen vorziehen. Unter geschickter Benutzung der Geländeverhältnisse und der in der ursprünglichen Vegetation vorhandenen, dekorativen Gewächse, wie alter Bäume und Palmen, wird, er bestrebt sein, der ganzen Anlage etwas Geschlossenes zu geben und doch dem aus dem Hause Hinausblickenden Durchsichten auf die landschaftlichen Schönheiten der ferneren Umgebung gestatten. In der Nähe des Hauses wird er aus hygienischen Rücksichten - so schön die Wirkung auch sein könnte - jede ornamentale Anpflanzung vermeiden und ebenso im Garten selbst allzu dichtes Buschwerk, das Raubzeug und Ungeziefer sicheren Unterschlupf gewährt. Die freien Flächen sind möglichst rasenartig zu bepflanzen und die Wege in gefälligen Linien unter Berücksichtigung des Geländes und der einzelnen, vorhandenen Bäume zu führen. An einen Rasen in der Art unserer heimischen Ziergarten ist meistens nicht zu denken. Unsere Rasengräser versagen fast alle im tropischen Klima. Die gröberen, tropischen Gräser mit ihren kriechenden Formen bieten einen ausreichenden Ersatz und liefern meist noch eine gute Nutzung als Pferdefutter. An sehr schattigen Stellen geben Selaginellen eine schöne, grüne Bodenbedeckung. Für die Umgrenzung des Parkes liefern viele Gattungen der tropischen Hülsenfrüchtler reichen, farbenprächtigen Blütenflor, so Poinciana regia, Cassia, Albizzia, Pithecolobium, ferner Lagerstroemia sowie viele Vertreter der Bignoniazeen und Apocynazeen. Anmutige, reich blühende Recken geben Bixa Orellana, Hibiscus - Arten, Duranta, leuchtende Früchte von Erythroxylon u. a. Als dekorative Einzelpflanzen sind Bananen, niedrige Fächerpalmen, Dracaenen, Fächerbananen und andere zu nennen. Für Blumenbeete eignen sich besonders diejenigen der bei uns verbreiteten Zierpflanzen, die ihre Heimat in den Subtropen oder Tropen haben, z.B. Canna, Gladiolus, Mirabilis, Phlox, Zinnia, Datura, Tabak, Salvia splendens und auch manche Nelken- und Rosensorten. Durch die Schönheit ihrer Belaubung oder ihrer Blätter wirken Anthurium, Monstera, Pandanus, Canna u.a. Die Beete für diese Anpflanzungen bedürfen sorgfältiger Bearbeitung und guter Düngung.

Literatur: Macmillan, A Handbook of tropical gardening and planting. Colombo 1910. - Deistel, Tropischer Gartenbau. Hamb. 1912.

Voigt.