Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 679

Garua (s. Tafel 59), Hauptstadt der Residentur G. in Nordkamerun, die vom Benue bis zum Nordhang des Mandaragebirges reicht. Sie liegt am Nordufer des Benue, am Fuß des Tengelingebirges, und wird von Fulbe (s.d.) bewohnt, welche die umwohnenden heidnischen Battastämme (s.d.) unterworfen haben. Die günstige Lage der Stadt macht sie, zu einem Handelszentrum ersten Ranges. Der Benue ist bis G. für Dampfer von 1 Fuß Tiefgang von Juli bis Januar schiffbar (s. Tafel 60); in der wasserreichsten Zeit gelangen, diese aber weiter auf dem Mao Kebbi (s.d.) bis Lere, auf dem Benue bis Rei Buba und auf dem Faro bis Tschamba. So laufen in G. die Straßen von Tsadsee - Logone über Binder, aus Bubandjidda und Ngaundere zusammen, und G. macht schon dem weiter flußabwärts auf englischem Gebiet liegenden Jola Konkurrenz. - Nach Norden führen 2 Handelsstraßen über Marua zum Schari und über Madagali-Dikoa zum Tsadsee. Der Handel liegt großenteils in den Händen der Haussa (s.d.). Jetzt befinden sich in G. eine deutsche und eine englische Faktorei der Niger - Co. (erstere ist inzwischen von der Niger - C. aufgekauft). G. nimmt im Binnenhandel nach Molundu in Südkamerun die erste Stelle ein. Die Hauptprodukte des Exports sind Kautschuk, Elfenbein, Baumwolle, Guttapercha und Gummi arabicum, sodann geht ziemlich viel Vieh den Benue hinab. Der Export an Gummi war im letzten Jahr bedeutend zurückgegangen. Der Gesamthandelswert beläuft sich für 1912 auf etwas über 1 Mill. M. G. ist der Sitz der Residentur, einer Kompagnie der Schutztruppe, eines Zollamts, einer Postagentur (s. Tafel 60). Es hat eine Regierungsschule und ein Lepraheim für die Eingeborenen. Niederschlagstabelle s. Kamerun (s. Tafel 81).

Passarge - Rathjens.