Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 680

Gayl, Georg Freiherr v., General der Inf. z. D., geschäftsführender Vizepräsident der Deutschen Kolonialgesellschaft, geb. 25. Febr. 1850 in Berlin. G. trat nach Erziehung im Kadettenkorps als Leutnant in das 7. Thür. Inf. - Regt. Nr. 96, nahm an dem Krieg 1870/71 teil, in dem er das Eiserne Kreuz erwarb, besuchte 1873 - 76. die Kriegsakademie, wurde 1883 Hauptmann, 1884 in den Generalstab versetzt. 1900, bei Ausbruch der Chinawirren, wurde Generalmajor Freiherr v. G. dem Generalfeldmarschall Graf Waldersee, bei dessen (IX.) Armeekorps er früher Chef des Stabes gewesen war, als Oberquartiermeister zugeteilt. In China leitete v. G. unter anderem .die nach Kalgan gesandte Expedition und war Vorsitzender des internationalen Komitees zur Verwaltung der Stadt Peking, sodann. Chef des Generalstabes beim Armee - Oberkommando. Nach Rückkehr nach Deutschland wurde v. G. 1902 Kommandeur der 14. Inf. - Brig., 1903 Oberquartiermeister im Großen Generalstab, 1904 Generalleutnant, 1906 Kommandeur der 21. Division, 1908 unter Beförderung zum General der Infanterie z. D. gestellt, 1912 als Mitglied in das Herrenhaus berufen. v. G. unternahm Reisen in überseeische Gebiete, besonders, auch in sämtliche Deutsche Kolonien: 1909 nach Samoa, Neuguinea und Kiautschou, 1910 in die afrikanischen Kolonien, 1912 nochmals nach Ost- und Südwestafrika, 1913 die westafrikanischen Kolonien. Er hielt in Deutschland zahlreiche Vorträge. 1913 wurde er als v. Hollebens (s.d.) Nachfolger geschäftsführender Vizepräsident der Deutschen Kolonialgesellschaft.