Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 682

Geckonen, Haftzeher (Geckonidae), Familie der Echsen (s.d.), ausgezeichnet durch die vorn und hinten ausgehöhlten (amphicoelen) Wirbel, die großen, wie bei den Schlangen von einer durchsichtigen Kapsel bedeckten Augen und durch Haftapparate an der Unterseite der Zehen. Diese Haftapparate bestehen aus einer oder zwei Reihen querliegender, häutiger Blättchen, zwischen denen beim Anpressen der Zehen an glatten Flächen luftverdünnte Räume sich bilden, wodurch die Tiere befähigt werden, selbst an senkrechten Glasscheiben und an der Decke eines Zimmers sich zu bewegen. Die G. sind über alle tropischen und subtropischen Gegenden in zahlreichen Arten verbreitet; sie halten sich vielfach mit Vorliebe in der Nähe und selbst im Innern menschlicher Behausungen auf, wo sie in der Regel erst des Abends zum Vorschein kommen, auf allerlei Kerbtiere Jagd machen und gelegentlich ihre helle, quäkende Stimme hören lassen. Die großen Nachtaugen mit der Katzenpupille und die rauhe, oft mit tuberkelartigen Schuppen übersäte Haut geben dem plumpen, plattgedrückten Körper ein etwas gespenstisches Aussehen. Die G. haben daher von jeher auf abergläubische Gemüter große Wirkung ausgeübt und gelten noch jetzt vielfach als äußerst gefährliche Wesen. Besonders die Zehen, die bei Berührung ein etwas klebriges Gefühl verursachen, galten vielfach als Sitz furchtbaren Giftes. In Wahrheit sind sämtliche G. natürlich ebenso harmlos wie alle anderen Eidechsen. Die in Deutsch-Südwestafrika besonders zahlreichen Wüstengeckonen haben keine Haftapparate, sondern Verbreiterungen der Zehenflächen, die sie zum Laufen auf losem Sande befähigen. Die ostafrikanische Gattung Lygodactylus (s. Farbige Tafel Tropische Echsen Abb. 4) hat dagegen eine Haftfläche auch an der Schwanzspitze. In neuerer Zeit werden viele G. lebend in Europa eingeführt und haben in den Kreisen der Terrarienliebhaber viele Freunde gefunden.

Sternfeld - Tornier.