Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 688

Geier, Vulturidae. Unter dieser Gruppe begreift man jetzt nur die G. der alten Welt, während die neuweltlichen, amerikanischen, wegen bedeutender körperlichen Verschiedenheiten systematisch als besondere Familie aufgefaßt werden. Die G. sind über die wärmeren Gegenden Europas, Asiens und Afrikas verbreitet; in Australien und den zugehörigen Inseln fehlen sie, ebenso auf Madagaskar. Ihr Verbreitungszentrum ist Afrika, wo ein Dutzend Arten unterschieden wird. Der nackte oder mit Dunen, nicht mit ausgebildeten Federn (Konturfedern) bekleidete Kopf und gestrecktere Schnabel, kürzere Hinterzehe und weniger gekrümmte Krallen unterscheiden die G. von anderen Raubvögeln. Sie bewohnen vorzugsweise Steppengebiete und Gebirge, an die freieres Gelände sich anschließt, seltener den Hochwald. Ihre Nahrung besteht ausschließlich in Aas, das sie mit ihrem scharfen Gesicht, nicht durch Geruch, aus weitester Ferne erspähen. Sie horsten mit Vorliebe in Gebirgen auf Felsen, aber auch auf Bäumen. Die Eier sind reinweiß oder rotbraun gefleckt. In Deutsch - Ostafrika ist der Wollkopfg. Lophogyps occipitalis, durch seine bunte Kopffärbung eine auffallende. Erscheinung. Die nackten Kopfseiten und der obere Teil des Halses sind rosa, Wachshaut, am G runde des Schnabels graublau bis meergrün, Schnabel Orange bis fleischrot, an der Spitze grau, Füße rosa; Ober- und Hinterkopf sind mit weißen wolligen Dunen bedeckt, die am Hinterkopf einen kantigen Wulst bilden. Häufig ist auch der schlankere Pseudogyps africanus, der in mehreren Abarten in Ostafrika und auch im Hinterlande von Togo und Kamerun vorkommt. Die Kopfseiten sind nackt, Genick und Hals mit wolligen weißen Dunen bedeckt, Schnabel schwarz, Füße bleigrau, im Nacken, beim Beginn der Befiederung, eine Krause lanzettförmiger, fahlbrauner Federn, Gefieder fahlbraun. Diesem ähnlich, aber größer und von blasserer Gefiederfärbung, ist der in Südwestafrika lebende Gyps kolbei. - Von kleineren G.arten leben in Ostafrika der weiße Aasg., Neophron percnopterus, mit nacktem blaßgelbem Kopf, und der über das ganze tropische Afrika verbreitete Mönchsg., Neophron monachus, dunkelbraun, die nackten Kopfteile veilchenrot. In Kiautschou ist bisher noch kein G. nachgewiesen.

Reichenow.