Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 692

Geld und Geldwirtschaft. 1. Allgemeines. Anfänge kolonialen Geldwesens. 2. Bedeutung der Geldwirtschaft. 3. Die koloniale Währungspolitik. 4. Die Schutzgebiete mit Reichsmarkwährung. 5. Deutsch-Ostafrika. 6. Kiautschou.

1. Allgemeines. Anfänge kolonialen Geldwesens. Die Ordnung des Geldwesens in Kolonien umfaßt zweierlei Aufgaben: die Herstellung eines geordneten Geldumlaufs im inneren Verkehr der Kolonie und den Anschluß an den Weltverkehr zur Vermittlung des Außenverkehrs, der auswärtigen Zahlungen. Aus der Natur der Kolonie als eines von außen politisch beherrschten und wirtschaftlich beeinflußten Wirtschaftsgebietes folgt die besondere Bedeutung der zweiten Aufgabe. In beiden Richtungen fand die deutsche Kolonialherrschaft bei ihrer Errichtung nirgends tabula rasa vor. Nur den allerprimitivsten Völkerschaften fehlte jede Vorstellung eines Zahlungsmittels. Zum Zwecke des Frauenkaufs, zu Zahlungen von Bußen und Markt- oder Durchgangsabgaben, zur Schatzbildung, fanden wir zur Zeit der deutschen Besitzergreifung - und finden zum Teil noch - die verschiedenartigsten Dinge im Gebrauch als Geld, ganz abgesehen von dem Kulturgebiet Kiautschou, wo das herkömmliche chinesische Geldwesen besteht. So dienten als Geld Vieh, Salz, Tabak, Metallringe, Draht, Eisen- und Messingstäbe ' Hacken, Äxte, Gewebe, Glasperlen, Muscheln usw. (s. Geld der Eingeborenen). Von solchen Geldarten hatten die Kaurimuscheln (s.d.) eine Art internationaler Bedeutung, da sie über große Teile des afrikanischen Kontinents als Zahlungsmittel benutzt wurden. An die konventionelle Benutzung solcher Dinge als Zahlungsmittel knüpfen sich dann Vorstellungen von festen Werten, die sie geeignet machen, den entstehenden Tauschverkehr zu vermitteln, zum Teil in der Form, daß solches Geld gar nicht tatsächlich zu Kauf und Verkauf benutzt wird, sondern nur als Wertmaßstab, nach 'dem der Preis der verlangten Ware in anderen Waren bemessen wird. Solchem Zweck können ganz ideelle Werteinheiten dienen, wie in Kamerun das Kru, dessen Wert bei der ersten Ordnung des Geldwesens (V. vom 10. Okt. 1886) gleich 20 M, gleich 80 Liter Palmöl, gleich 160 Liter Palmkerne bestimmt wurde. Zu solchen einheimischen Geldarten bringt dann der beginnende Außenverkehr gewisse internationale Handelsmünzen, die anfangs einfach als Edelmetallstücke, wohl auch als Schmuck, benutzt wurden, aber allmählich solche primitiveren Völker, welche mit dem fremden Handel in Berührung kommen, mit gemünztem Gelde bekannt machen und als konventionelles Geld umlaufen, ohne jede Rücksicht auf den Staat, der es ausgegeben hat. So ist zuerst der spanische Piaster im 17. Jahrh. das allgemeine Kolonialgeld geworden, im 19. Jahrh. aber allmählich auf Ostasien beschränkt (s. Silberdollar). Auf seinen Spuren finden wir im 19. Jahrh. vielerorts den Dollar der amerikanischen Union, der aus Ostafrika am Anfang der 70er Jahre verschwindet, aber auf den Inseln der Südsee noch verbreitet ist. Eine ähnliche Münze ist der Maria - Theresien - Taler, der sich von Nordostafrika aus im ganzen Sudan verbreitet hat. .Seit der Mitte des 19. Jahrh. dehnt sich die indische Rupie (s.d.) im Gefolge der indischen Händler an den Rändern des indischen Ozeans aus; englische Gold- und Silbermünzen wandern, nachdem sie sich in den britischen Kolonien Mittelamerikas, Afrikas und Australiens durchgesetzt haben, nach deren Nachbargebieten. In geringerem Umfange ist das auch mit französischem Gelde in der Nachbarschaft französischer Kolonien in Afrika der Fall. Bis zu einem eigenen einheimischen Münzwesen war es dagegen in den jetzt deutschen Schutzgebieten nirgends gekommen, abgesehen natürlich von Kiautschou.

2. Die Bedeutung der Geldwirtschaft. Die Fürsorge für ein geordnetes Geldwesen gehört zu den wichtigsten und grundlegenden Aufgaben kolonialer Verwaltung. Das ist ganz besonders der Fall in Eingeborenenkolonien. Ihre wirtschaftliche Nutzbarmachung setzt voraus, daß die Bevölkerung von der Eigen- zur Verkehrswirtschaft, von der Natural- zur Geldwirtschaft übergehe, daß Produktion für den Markt, für den Absatz erfolge, daß das Herkommen durch rationelles Wirtschaften ersetzt werde und der Erwerbstrieb wirtschaftlich zweckmäßige Formen und. Ziele erhalte. Das hat alles aber zur Voraussetzung die Gewöhnung der Bevölkerung an Geldverkehr und an Geldverdienen. Durch die Einführung von Geldsteuern (s. Eingeborenensteuern), die Durchführung der Barlöhnung, die Ermunterung des Sparens (Einrichtung von Sparkassen) wird dies gefördert. Vor allem aber ist für das alles wichtig ein geordnetes, zweckmäßiges Geldwesen. Die primitiven Geldarten haben nur lokalen und schon auf kurze Entfernungen abweichenden oder gar keinen Wert; manche von ihnen sind sehr vergänglicher Art; oft sind sie schwer aufzubewahren und zu befördern. Der Wanderarbeiter braucht eine Form für seinen Lohn, in der er ihn bequem in seine Heimat mitnehmen und ihn auch dort ohne Schwierigkeit verwerten kann. Der Eingeborene, der seinen Lohn oder den Preis für seine Produkte in einem allgemein gangbaren Gelde ein, pfängt, wird dies leichter wieder ausgeben für die Waren, die ihn locken, und so wird die Kaufkraft der Bevölkerung steigen. So ist die Aufgabe der Kolonialverwaltung: Hinwirken auf Bargeldverkehr, Ersetzung der primitiven Geldarten durch gemünztes Geld, Herstellung eines geordneten Geldumlaufes, wozu wieder die Verdrängung fremder Münzen erforderlich ist. Dies ist auch aus fiskalischen Gründen nötig, wenn das im inneren Umlauf befindliche Geld einen höheren Nennwert und Zahlkraft hat als seinem Metallgehalt entspricht. Und das ist in Kolonien vielfach der Fall.

3. Die koloniale Währungspolitik. Bei der Wahl der für die Kolonie geeigneten Währung ist entscheidend der äußere Wirtschaftsverkehr der Kolonie. Es ist zunächst zu unterscheiden, ob es sich um ein selbständiges Wirtschafts- und Produktionsgebiet handelt oder nicht. Kolonien, die nur Handelsstationen für ein anderes Wirtschaftsgebiet sind, wie Hongkong oder Kiautschou, können keine andere Währung haben, als das Gebiet, dessen Hafentor sie sind. Für sie kommt, abgesehen von der Regelung der Banknotenausgabe, nur die Ordnung der lokalen Scheidemünze in Betracht. In allen anderen Kolonien ist bestimmend, daß sie in erster Linie auch wirtschaftlich abhängig sind vom Mutterlande. So erscheint als das Nächstliegende der Anschluß an die Währung des Mutterlandes. Das ist auch in allen Kolonialstaaten im 19. Jahrhundert erstrebt worden. Wo aber, wenn auch nur für den Außenverkehr, eine abweichende Währung bereits bestand und sich behauptete (z.B. in Britisch-Ostindien, in Ostafrika, in Südostasien), ist das Streben dahin gegangen, die daraus entspringenden Unbequemlichkeiten zu überwinden, indem ein festes Wertverhältnis zwischen beiden Währungen hergestellt ist. In alten Silberwährungsgebieten (Britisch -Ostindien, Singapore, Philippinen, Deutsch -Ostafrika) hat das dazu geführt, daß die im Innern umlaufende Silberzirkulation zu einem Goldwert verrechnet wird, der höher ist als dem Metallwert der Silbermünzen entspricht. Das hat zur Folge, daß ebenso wie bei Scheidemünzen an diesen, dem inneren Verkehr dienenden Silbermünzen ein Münzgewinn gemacht wird. Deshalb muß der Staat sich diese Prägung vorbehalten, und die Versorgung des Währungsgebietes mit Münzen ist die Aufgabe nur des Staats. Tatsächlich kann aber auch bei Anschluß der Kolonie an die Währung des Mutterlandes der gleiche Zustand entstehen, wenn der innere Umlauf der Kolonie im wesentlichen mit Scheidemünze versorgt wird. Das ist meist ohne weiteres möglich. Vollwertige Währungsmünze ist nur für den Außenverkehr nötig. Dieser vollzieht sich für die Kolonie aber wesentlich mit dem Mutterlande. Der etwa entstehende Aktivsaldo des Warenexports und die Gewinne aus Kapitalanlagen werden im Mutterlande ausgezahlt. Nachfrage nach international vollwertiger Münze erfolgt also nicht so leicht. Es ist also überflüssig und eine Verschwendung, Kolonien damit (d.h. also mit Goldmünzen) zu versorgen. Wenn nur für die Außenzahlungen gesorgt ist, kann also der innere Umlauf der Kolonie mit unterwertigem Gelde versorgt werden. Das hat nebenher den Vorteil, daß der Münzumlauf nicht beeinträchtigt wird durch Export (etwa. seitens fremder Kontraktarbeiter). Thesaurierung von Geld durch Eingeborene, wie sie auch in den deutschen Schutzgebieten beginnt (Deutsch-Neuguinea, Kamerun), ist unbedenklich, da der das Geld besorgende Fiskus an den Münzen Gewinn macht. Da mit der Entwicklung der Geldwirtschaft die Kolonien andauernd Bedarf an Umlaufsmitteln haben, liegt darin nicht nur eine dauernde Einnahmequelle. Die Aufnahmefähigkeit der Kolonien bringt auch eine Entlastung des mit Silber überfüllten Umlaufes des Mutterlandes, der z.B. für Frankreich recht erheblich ist und auch für Deutschland anfängt Bedeutung zu haben. Das letztere trifft natürlich nur dann zu, wenn nicht die Scheidemünzenprägung Sache der Kolonie ist, was auch mit Anschluß an die Währung des Mutterlandes möglich ist. - Ist der innere Umlauf der Kolonie mit den für größere Zahlungen unbequemen Silbermünzen erfüllt, so erhält der ergänzende Umlauf von Banknoten besondere Bedeutung. Das können wieder Noten der heimischen Zentralbank sein oder Noten einer in der Kolonie befindlichen Bank. Letzteres wird der Fall sein in Kolonien mit vom Mutterlande abweichender Währung. - Der Geldumlauf in Kolonien umfaßt, absolut genommen, regelmäßig nicht sehr große Summen. Bei plötzlich auftretendem, starken lokalen Bedarf an Zahlungsmitteln kann daher leicht eine Geldklemme entstehen. In der älteren Kolonialgeschichte spielen solche Krisen eine große Rolle. Bei dem heutigen entwickelten Verkehr hat das an Bedeutung verloren. Aber ganz vermieden sind sie nicht. In den deutschen Schutz gebieten sind Klagen über örtlichen Mangel an Umlaufsmitteln nicht selten, und es ist eine wichtige Aufgabe der Verwaltung und der Banken, solchen Mißständen abzuhelfen oder vorzubeugen. Natürlich ist mit Mangel an Umlaufsmitteln nicht zu verwechseln der Mangel an Kapital, den der populäre Sprachgebrauch als "Geldmangel" bezeichnet.

4. Die Schutzgebiete mit Reichsmarkwährung. In den deutschen Schutzgebieten besteht eine selbständige Regelung des G. in Deutsch - Ostafrika und in Kiautschou. In den übrigen Schutzgebieten entstand mit der Besitzergreifung von selbst ein gewisser Umlauf deutschen Geldes. Die Rechnung nach Reichsmark wurde dann bald ausdrücklich eingeführt (Kamerun 1886, Togo und Deutsch -Neuguinea 1887, Marshallinseln 1888, Deutsch-Südwestafrika formell erst 1900, Karolinen und Marianen 1900, Samoa 1901). Dabei wurden bemerkenswerterweise meist die Taler zugelassen, die Fünfmarkstücke aber nicht. Eine einheitliche Regelung erfolgte schließlich durch die V. des Reichskanzlers vom 1. Febr. 1905, wonach in den Schutzgebieten, außer Deutsch-Ostafrika und Kiautschou, die Reichsmarkrechnung gilt. Silbermünzen sind in jedem Betrage Zahlungsmittel, Nickel- und Kupfermünzen bis zu 5 M. Vom Gouverneur zu bezeichnende Kassen werden Nickelund Kupfermünzen in Beträgen von mindestens 100 M in Gold und Silber einlösen. Kassenscheine sind gegenüber öffentlichen Kassen Zahlungsmittel; Reichsbanknoten in Zahlung zu nehmen, wurden die amtlichen Kassen ermächtigt. Abweichend vom deutschen Währungssystem ist also, daß die Silbermünzen in jedem Betrage Zahlungsmittel sind. Wann diese V. in jedem Schutzgebiete in Kraft treten sollte, war durch den Gouverneur zu bestimmen. Nachdem das für Samoa 1911 (5. Juli) erfolgt ist, ist sie jetzt überall in Kraft. Die Gouverneure sollen auch, außer den für einen geregelten Geldumlauf erforderlichen polizeilichen Vorschriften, die Bestimmungen über den Umlauf fremder Münzen erlassen, der ja nicht ohne weiteres im Widerspruch mit den Gewohnheiten und Bedürfnissen des Verkehrs unterdrückt werden kann. Diese Befugnis geht so weit, daß fremden Goldmünzen gesetzliche Zahlungskraft verliehen werden kann. Indem regelmäßig der Kassenkurs fremder Goldmünzen unter Parität normiert ist, das englische Pfund zu 20 M, werden sie von selbst zurückgedrängt. Nur in Samoa ist der Kurs für ein Pfund auf 20,42 M, für den amerikanischen Golddollar auf 4,19 M festgesetzt. Über die Behandlung des bei den amtlichen Kassen eingehenden nachgemachten, verfälschten oder nicht mehr umlaufsfähigen Geldes ist die V. vom 6. Febr. 1905 ergangen. In die hier in Betracht kommenden Schutzgebiete sind auf amtlichem Wege bis zum 31. Dez. 1912 netto folgende Mengen deutschen Geldes eingeführt worden (in 1000 M):

In Togo, wo Kauris und Maria- Theresien-Taler das wichtigste Geld waren, ist die Durchsetzung der deutschen Währung gegen die fremden Münzen infolge der geographischen Konfiguration besonders schwierig. Das Verbot der Einfuhr von Maria-Theresien-Talern (1899) und ihres Umlaufs (1907) hat viel Widerspruch gefunden. Mit Genehmigung des Gouverneurs können sie eingeführt werden (1907) für die Bedürfnisse des Handels im Norden. Gegenüber dem starken Umlaufe englischen Geldes wurde 1908 Zahlung in englischem Silber nur bis zu 100 M zugelassen. Englisches Gold- und Silbergeld wird zu 20 M für ein Pfund an den öffentlichen Kassen angenommen. Der auswärtige Geldverkehr des Schutzgebiets ist verhältnismäßig sehr bedeutend, um 1 1/2 Mill. M je in Ein- und Ausfuhr in den letzten Jahren, 1912 1 Mill. M in Einfuhr, 2 Mill. M in Ausfuhr. Auch in Kamerun treten die alten einheimischen Geldarten langsam zurück. Auch hier ist 1907 (17. Juni) die Einfuhr von Maria - Theresien - Talern von Genehmigung des Gouverneurs abhängig gemacht. Die Einfuhr von Kauris ist 1911 (l. Nov.) verboten. Die voreiligen Versuche, fremdes Geld ganz auszuschließen (1900), sind durch den Kassenkurs von 20 M für ein Pfund und 16 M für 20 Franken in Gold und Silber ersetzt (24. Jan. 1908), doch ist 1913 die Einfuhr fremder Silbermünzen im Betrage von mehr als 100 M von besonderer Erlaubnis abhängig gemacht. Die anfängliche Abneigung der Eingeborenen gegen die kleine Scheidemünze verschwindet, seit die Barzahlung der Trägerlöhne durch die Trägerverordnung eingeführt ist. Die Gewöhnung, an den Geldgebrauch kommt dem Handel auch zugute, indem der Kassahandel sich hebt. In Deutsch-Südwestafrika liegt die Hauptaufgabe in der Durchsetzung des deutschen Geldumlaufs gegenüber dem aus dem Nachbarschaftsverkehr entstehenden Gebrauch englischer Münzen. Zunächst wurden englische Kupfermünzen von der Annahme an den Kassen ausgeschlossen (1893). Auch hier ist an die Stelle des Versuchs, die englischen Gold- und Silbermünzen auszuschließen (1900), der Kassenkurs von 20 M für Gold wie Silber getreten (15. Nov. 1905). In Deutsch-Neuguinea war zunächst von der Neuguinea - Kompagnie (s.d.) die Prägung von Dollars geplant, doch wurde 1887, um den Gebrauch des Muschelgeldes in seinen verschiedenen Arten zurückzudrängen, die Reichsmarkrechnung geplant. Nach längeren Verhandlungen wurde 1894 (11. Mai) der Kompagnie, die sich auf die der Ostafrikanischen Gesellschaft gegebene Erlaubnis berief, gestattet, selbst Münzen zu prägen, gegen die Verpflichtung, den Kurs der Valuta dadurch zu sichern, daß sie gegen Einlieferung von Münzen Schecks auf Berlin ausstellte. Diese Neuguinea - Mark, von der 50 000 M in Gold, 200 035 M in Silber und 20 000 M in Bronze geprägt sind, ist zu einem erheblichen Teil in Sammlungen verschwunden. Das ganze unnötige Experiment ist nach dem Vertrage vom 7. Okt. 1898 aufgegeben, die Münzen sind zum 15. April 1911 außer Kurs gesetzt, wurden aber bis 15. April 1914 noch bei den Kassen des Schutzgebietes angenommen.

5. Deutsch-Ostafrika. In Deutsch-Ostafrika liefen zur Zeit der deutschen Besitzergreifung an gemünztem Gelde indische Rupien (s.d.) um, welche die amerikanischen Golddollars, zum Teil auch die Maria-Theresien-Taler, verdrängt hatten. Es war das die Folge der Abhängigkeit des ostafrikanischen Handels von Indien und den In dem (s.d.). Diesen eingebürgerten Geldumlauf, der auch in den benachbarten Gebieten bestand, zu stören, erschien nicht zweckmäßig. Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (s.d.), welche die Verwaltung der Küste und des alten Schutzgebietes übernahm, erhielt 1890 (5. Jan. und 14. März) das Recht der Münzprägung, das ihr bei Übernahme der Verwaltung durch das Reich (20. Nov. 1890) belassen wurde. Es bestand also der merkwürdige Zustand, daß einer privaten Erwerbsgesellschaft die Münzprägung überlassen war, noch merkwürdiger dadurch, daß jede weitere gesetzliche Regelung fehlte, insbesondere jede Verpflichtung der Ostafrikanischen Gesellschaft zur Einlösung der Gesellschaftsmünzen. Der Kurswert der ostafrikanischen Rupie richtete sich nach dem der indischen und mit dieser nach dem schwankenden Silberkurse. Ein Prägegewinn ergab sich dabei nur für die kupferne Scheidemünze, die Pesa, die in großen Mengen geprägt wurde (1890/93 41 Mill. Stück). In deren Interesse wurde 1893 Einfuhr indischer und zanzibaritischer Pesas und die Zahlung damit verboten, die im Schutzgebiet befindlichen fremden Pesas eingelöst und weggeschafft. Ebenso wurde Einfuhr von Maria Theresien - Talern und Zahlung damit verboten (1893/96). Dagegen liefen indische Rupien in ziemlicher Menge um. Die Grundlage dieses ganzen Zustandes verschob sich vollständig, als im Juni 1893 die britischindische Regierung, um der Unbequemlichkeit des dauernden Sinkens des Silberwerts zu entgehen, die freie Silberprägung einstellte und erklärte, daß an diejenigen, welche Rupien brauchten, solche zum festen Kurse von 1 sh 4 d (15 Rupien für ein Pfund. Sterling) abgegeben werden. Die indische Rupie erreichte allmählich (bis 1897) diesen Wert und war damit ganz losgelöst von dem Silberwerte, der immer weiter sank. Merkwürdigerweise blieb auch die ostafrikanische Gesellschaftsrupie auf dem gleichen Werte mit der indischen, erhielt also einen Wert, der immer stärker über ihrem Metallwerte stand. Erklärlich ist das dadurch, daß der Umlauf in Deutsch - Ostafrika nur zum kleineren Teile aus Gesellschaftsrupien bestand, und daß diese auch in Sansibar umliefen. Der Zustand war bedenklich, da der Geldumlauf des Schutzgebietes nun abhängig war von den Maßregeln fremder Währungspolitik. Er machte mancherlei Kassenschwierigkeiten und verschaffte dem indischen Fiskus und der Ostafrikanischen Gesellschaft Münzgewinne, an die niemand vorher gedacht hatte. Sie hatte 1890/92 nur rund 845 000 Rupien in Silber geprägt, von 1893/1902 dagegen 1 727 000. Dieser abnorme Zustand wurde durch ein Abkommen vom 15. Nov. 1902 beendet, wonach die Gesellschaft zum 1. April 1903 auf das Prägerecht verzichtete, worüber schon seit 1896 verhandelt war. Der merk würdige Währungszustand aber hörte auf, als vom 27. März 1903 an den Kassen in Sansibar nur noch indische Rupien angenommen wurden. Die Notwendigkeit einer selbständigen Regelung der ostafrikanischen Währung wurde damit dringend. Sie erfolgte durch die V. vom 28. Febr. 1904 (jetzige Fassung 29. Okt. 1908). Dadurch wurde die Rupie in ihrem bisherigen Gewicht und! hrer Form beibehalten, eine Silbermünze von 10,6918 g Feingewicht zu 11/12 fein. Der Übergang zur Reichsmarkwährung wurde also nicht vorgenommen. Die Übergangsschwierigkeiten wären erheblich, die Kosten beträchtlich gewesen. Ähnlich wie für die indische, wurde für die deutsche Rupie ein fester Kassenkurs erklärt, die Zahlung in Gold zugelassen. Der Kurs wurde bestimmt zu 15 Rupien = 20 M, 1 Rupie = 1 1/3 M. Der indische Kurs von 1 sh 4 d ist aber gleich 1,362 M. Die deutsche Rupie hat also einen etwas geringeren Wert, was allein dazu führen mußte, die indische Rupie aus dem Schutzgebiete zu verdrängen, auch zur wirtschaftlichen Ablösung Deutsch - Ostafrikas von Sansibar beiträgt. Der Gewinn aus der Münzprägung fällt nunmehr ganz dem Reiche zu, und zwar dem Schutzgebietsfiskus (während die anderen Schutzgebiete an dem Gewinn aus der Prägung der bei ihnen umlaufenden Münzen keinen Anteil haben). Auch die Untereinteilung der Münze ist geändert. An Stelle der Pesa, von der 64 auf eine Rupie gehen (außer Kurs gesetzt 1. April 1910), ist das Hundertstel der Rupie getreten unter dem Namen Heller, und zwar werden ganze und halbe Heller geprägt. Sie haben Zahlungskraft bis 2 Rupien. 1908 kamen hinzu 5 - Hellerstücke aus Kupfer, die wenig beliebt sind, 10 - Hellerstücke aus Nickel, die sich rasch verbreiten, während die silberne Viertelrupie nur an der Küste umläuft. Seit 1912 werden auch 5 - Hellerstücke aus Nickel geprägt. Zum Ersatz für die indischen Rupien und für den sich erweiternden Geldumlauf waren bedeutende Prägungen nötig. Von 1903/12 sind geprägt:
in Silber
11 700 000
Rupien,
in Nickel
250 000
Rupien,
in Kupfer
1 017 000
Rupien,

Nicht zu übersehen ist dabei, daß für größere Zahlungen die Noten der Anfang 1905 gegründeten Deutsch-Ostafrikanischen Bank (s.d.) dienen. Der Umlauf, anfangs langsam zunehmend, ist bis 31. März 1909 auf 1 300 000 Rupien, 2912 auf 2 997 000 Rupien gestiegen und beträgt jetzt rund 3 1/2 Mill. - Für diese isolierte ostafrikanische Währung war aber der Anschluß an den Weltverkehr zu sichern. Das erfolgte vom 1. Mai 1904 an in der Weise, daß die Legationskasse, an deren Stelle 1905 die Ostafrikanische Bank trat, gegen Einzahlung deutschen Geldes auf Rupien lautende Zahlungsanweisungen auf Daressalam zu 134,25 M für 100 Rupien gibt. In Daressalam erhält man Sichtwechsel auf Berlin zu 132,5 M = 100 Rupien. Damit ist die ostafrikanische Währung zu einem nur in engen Grenzen schwankenden Kurse an die deutsche Währung und damit an den Weltmarkt angeschlossen. Nach außen rechnet Deutsch-Ostafrika tatsächlich nach Gold, und die gegen die Isolierung der ostafrikanischen Währung gerichteten Angriffe sind in der Hauptsache gegenstandslos. Damit die Ostafrikanische Bank diese Kursregelung vornehmen kann, hat sich die Kolonialverwaltung verpflichtet, ihr, die nötigen Beträge an Rupien gegen Barzahlung an ihre Kasse zur Verfügung zu stellen. Häufen sich die Rupien übermäßig bei der Bank, übernimmt sie das Gouvernement. Zur Sicherung der Kolonialverwaltung ist aus den Münzgewinnen eine Goldreserve gebildet.

6. Kiautschou. Dieses Schutzgebiet kann eine selbständige Währung nicht haben. Es ist mit allen seinen Umsätzen auf China angewiesen und hat sich dessen Währung anzuschließen, so unvollkommen diese bisher ist. China hatte bisher eine Parallelwährung von Kupfer und Silber, jenes in, geprägter Form, dieses in Barren nach dem Gewicht zu Zahlungen benutzt. Der Außenverkehr Chinas und der Umlauf in den offenen Häfen beruhte von jeher auf Silber, zum Teil in der Form von ursprünglich spanischen, später mexikanischen Dollars (s. Silberdollar). Durch das Edikt vom 24. Mai 1910 ist dann für China der Silberdollar zur Währungsmünze erhoben. Als kleine Münze dienten die von den Provinzen geprägten, mehrfach verschlechterten Kupfermünzen und silberne unterwertige Teilstücke des Dollars, die nach dem Vorbilde von Japan und Hongkong ausgegeben waren. Die unerfreuliche Folge dieses Währungszustandes ist, daß nicht bloß der ungefähr mit dem Silberwerte auf und abgehende Dollarkurs in Gold ausgedrückt schwankt, sondern daß auch gleichzeitig der Kurs der kleinen Münze in Silber ausgedrückt schwankt. Gegenüber den Schwankungen des Silber resp. Dollarkurses ist die Schutzgebietsverwaltung machtlos. Für den lokalen Kleinverkehr ist wenigstens Abhilfe geschaffen durch Ausgabe von Nickelmünzen zu 5 und 10 Cents (Hundertteilen des Silberdollars). Sie sind Zahlungsmittel bis zu 3 Dollars und können an der Gouvernementskasse gegen Silberdollars eingetauscht werden, bei der der Gegenwert, der ganzen Emission in Silber hinterlegt ist. Es sind 1909 und 1910 32 586 Dollars in Nickel geprägt. Um für größere Zahlungen ein zweckmäßiges Umlaufsmittel zu schaffen, ist der Deutsch-Asiatischen Bank (s.d.) 1906 das Recht zur Ausgabe von in Silber einzulösenden Banknoten erteilt worden. Die Bank gibt auch an anderen, chinesischen Plätzen Noten aus. Die Emission betrug im Sept. 1913 an Dollarnoten 2 773 000, an Taelnoten 160 000.

Literatur: Denkschrilt über d. Neuordnung des Münzwesen du Deutsch- Ostafrikan. Schutzgebiets, v. 19. April 1904. (Druckwcken des Reichstags.) - G. de Laveleye, Le régime monétaire dans les colonies. Rapport. Compte Rendu de l'ICI, session de 1911 vol. II, 519 (1911). Discussion: session de, 1912.

Rathgen.