Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 702 f.

Genickstarre ist ein Symptomenkomplex, der, wie der Name sagt, durch Nackensteifheit (schmerzhafte Zusammenziehung der Nackenmuskulatur) und Kopfschmerz gekennzeichnet ist. Die Kranken sind außerstande den Kopf zu drehen und empfinden jede Berührung der Nackengegend als äußerst schmerzhaft. Dabei besteht ein teils unregelmäßig, teils regelmäßig remittierendes Fieber und Benommenheit; außerdem häufig eingezogener Leib, verlangsamter Puls und Brechreiz. Pathologischanatomisch ist charakteristisch die Entzündung der Gehirnhäute. -Dieser Symptomenkomplex tritt auf bei folgenden in ihrem Wesen verschiedenen Krankheitszuständen:

1. bei der epidemischen G. Auftreten epidemisch. Infektion von Mensch zu Mensch, besonders bei Kindern. Übertragung durch das Gaumen- und Nasensekret (Anhusten, Tröpfcheninfektion), in welchem sich der Erreger, Meningococcus intracellularis, befindet. Die Übertragung geschieht nicht nur durch die klinisch Kranken, sondern auch durch Rekonvaleszenten und scheinbar Gesunde, welche den Krankheitserreger in ihrem Mund- und Nasensekret haben (Kokkenträger). Behandlung: Mit Serumbehandlung ist eine nicht unbeträchtliche Herabsetzung der Sterblichkeit erreicht worden. Die hygienische Bekämpfung hat ihre Aufgabe in der Isolierung der infektiösen Menschen zu suchen, was bei den Kokkenträgern auf sehr große, fast unüberwindliche Schwierigkeiten stößt. -

2. bei der tuberkulösen Meningitis (Gehirnhautentzündung, durch den Tuberkelbazillus veranlaßt, und

3. bei der vom Ohre (Mittelohreiterung) ausgehenden Gehirnhautentzündung. - Die epidemische Genickstarre ist in vielen Gegenden der Tropen beobachtet worden, so in Britisch - Indien, Ceylon, Niederländisch - Indien und an der afrikanischen Westküste. Von deutschen Kolonien liegen Berichte über die Erkrankung vor aus Samoa, Deutsch- Ostafrika, aus Kamerun und besonders aus Togo.

Werner.