Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 703 f.

Genossenschaften. Das Genossenschaftswesen in den deutschen Schutzgebieten hat sich bisher nur in Deutsch-Südwestafrika zu organisieren und zu entwickeln vermocht. Neuerdings haben sich auch Bestrebungen im Nordbezirk von Deutsch-Ostafrika (Tanga und Hinterland) zur genossenschäftlichen Betätigung geltend gemacht, deren Abschluß aber noch nicht erfolgt ist. In Deutsch- Südwestafrika hatte die genossenschaftliche Bewegung schon vor dem Aufstande 1904 eingesetzt. Zuerst beschränkte sie sich auf den Norden und die Mitte des Schutzgebietes, da der Süden noch nicht genügend wirtschaftlich entwickelt war. Die sämtlichen G. sind zu einem genossenschaftlichen Verbande in Windhuk zusammengeschlossen. Der Verband bezweckt die Förderung und Ausbreitung des Genossenschaftswesens, die Wahrung und Vertretung der gemeinschaftlichen Interessen, besonders auf dem Gebiete der Verwaltung und Gesetzgebung, die Beratung und Förderung der zugehörigen G. und deren Mitglieder in genossenschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen, sowie die Vornahme der gesetzlich vorgeschriebenen Revisionen bei den zugehörigen G. Die geringste Zahl der G., welche der Verband umfassen darf, ist auf 2, die höchste auf 200 festgesetzt worden. Mitglieder des Verbandes können werden eingetragene G. aller Art, ferner Korporationen und Geschäftsanstalten, welche gemeinnützigen Zwecken dienen. Die G. zerfallen einerseits in Erwerbs- und Wirtschafts - G., andererseits in Kredit - G. Die ersteren befassen sich mit dem, Ankauf von Waren, Produkten, landwirtschaftlichen Betriebsmitteln sowie mit dem Verkauf und der Verwertung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Die letzteren sind als Darlehnskassen für ihre Mitglieder von Bedeutung und befassen sich mit den üblichen Bankgeschäften (s.a. Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, ferner Kreditgenossenschaften).

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