Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 704 ff.

Geologie (Geologische Erforschung der Schutzgebiete). Die speziell geologische Erforschung der deutschen Schutzgebiete hat erst verhältnismäßig spät und zögernd eingesetzt, so daß wir über nicht unerhebliche Teile dieser Gebiete noch gar nichts in geologischer Hinsicht wissen, und über recht beträchtliche Teile nur ganz notdürftig und unvollkommen unterrichtet sind, so daß allerlei neue, überraschende Funde an manchen Stellen durchaus noch nicht ausgeschlossen sind. Die erste Grundlage für die Kenntnis der geologischen Verhältnisse Deutsch-Ostafrikas wurde, wie überall, aus den mehr beiläufig gemachten Beobachtungen und Sammlungen von geographischen Forschungsreisenden und Missionaren gewonnen, unter welchen ersteren besonders Stuhlmann (s.d.) zu erwähnen ist, und das erste Werk (Stromer v. Reichenbach) über die Geologie der deutschen Schutzgebiete zeigt sehr anschaulich, aus einer wie weit zerstreuten und ungleichmäßigen Literatur unsere ersten Kenntnisse über die Geologie unserer Kolonien zusammengebracht werden mußten. In Deutsch-Ostafrika wurde dann anfangs der 90er Jahre als erster der Geologe Lieder seitens der Regierung mit geologischen Forschungen betraut, hauptsächlich mit dem ausgesprochenen Zweck, Steinkohlen zu finden, und wenn in dieser Hinsicht auch. keinerlei Ergebnisse erzielt wurden, so hat Lieder doch über das Hinterland von Tanga und Daressalam und über das Gebiet zwischen Lindi und dem Njassasee einige nicht unwichtige Beobachtungen gemacht und die ersten Grundlagen für das Verständnis des geologischen Aufbaus gelegt, während annähernd gleichzeitig über den Aufbau des Kilimandscharo durch die Forschungsreisen von Hans Meyer (s.d.) Klarheit gebracht und die vulkanische Natur dieses höchsten Berges von Afrika festgestellt und von Graf Götzen (s.d.) die Kirungavulkane entdeckt wurden. Sodann folgte die große und für unsere Kenntnis der G. Deutsch- Ostafrikas grundlegende Forschungsreise von Bornhardt (s.d.), der nicht nur die allgemeinen geologischen Verhältnisse des Ostens und Südens unserer größten Kolonie klarlegte und im Zusammenhang damit ein Verständnis der morphologischen Formen anbahnte, sondern auch die so lange vergeblich gesuchten Steinkohlen im Nordwesten des Njassasees auffand. Im unmittelbaren Anschluß an diese Reise erfolgte dann eine Expedition des Bergassessors Dantz (s.d.), die zum Teil dieselben Gebiete, zum Teil die Landschaften zwischen Njassa-, Tanganjika- und Victoriasee, sowie im Südosten desselben erforschte und damit einen vorläufigen Abschluß erreichte. Es war hiermit festgestellt, daß der ganz überwiegende Teil von Ostafrika aus Gneisen, Gneisgraniten und Graniten bestand, daß nur. in einer relativ schmalen Küstenzone mesozoische und tertiäre Sedimente dieses uralte und stark denudierte Kontinentalgebiet bedeckten, daß im Innern - an Fläche ebenfalls sehr zurücktretend - auf dem Gneis stark gefaltete und metamorphe Schiefergesteine vorkommen sowie an vereinzelten Stellen wenig gestörte, wahrscheinlich paläozoische Sedimentgesteine, daß die kohlefährenden Karrugesteine nur in sehr geringer Verbreitung und nur, an Stellen vorhanden sind, wo sie durch Einbrüche in die umgebenden Gneisschichten vor der Abtragung bewahrt geblieben waren, daß jüngere marine Sedimente (Jura bis Tertiär) nur in dem östlichen. Küstengebiet vorhanden sind, daß endlich ungeheure Massen vulkanischer Gesteine in den Hauptbruchgebieten (zwischen Kilimandscharo und ostafrikanischer Bruchstufe, nördlich vom Njassa, östlich vom Kiwusee) vorkommen. In den nächsten Jahren folgten dann kleinere Expeditionen der Regierungsgeologen Koert (s.d.) und Tornau, sowie des Bergingenieurs J. Kuntz, durch die manche Lücken der bisherigen Kenntnisse geschlossen und vor allem die Goldvorkommen des Innern genauer untersucht wurden, sowie die Forschungsreisen von Uhlig (s.d.) und Jaeger (s.d.) im Gebiet der ostafrikanischen Bruchstufe und der Riesenvulkane. Endlich wurden durch die Expeditionen des Herzogs von Mecklenburg (s. Adolf Friedrich, H. z. M.) und die von Hans Meyer, deren Resultate aber im speziellen noch nicht veröffentlicht sind, einer der noch vorhandenen "weißen Flecke" der Karte - Urundi und Ruanda - in großen Zügen durchforscht, und durch die Tendaguruexpedition zur Bergung der riesigen Dinosaurier (s.d.) wesentliche Fortschritte in unserer Kenntnis der Kreide- (und Jura-) Formation Deutsch-Ostafrikas erzielt. Gänzlich unerforscht sind bisher noch sehr große Gebiete im Süden von Tabora und im NO des Njassasees, sowie erhebliche Strecken im SO des Spekegolfes. Andere Gebiete im Innern sind bisher nur auf so schmalen und weitläufig gelegenen Routen durchzogen, daß auch dort noch wesentliche Überraschungen in wissenschaftlicher und praktischer Beziehung bei genauerer Erforschung nicht ausgeschlossen sind. In Deutsch-Südwestafrika, das man bis dahin nur aus Berichten von Missionaren und Jägern (Andersson [s.d.]) kannte, wurden gleich nach der Besitzergreifung durch Lüderitz (s.d.) ausgedehnte geologische Forschungsreisen ausgeführt, im Namaland durch Schenck, im Hereroland durch Gürich, die die Hauptgrundlinien des geologischen Aufbaus klarlegten. Auch hier fand sich ein uralter, stark denudierter Kontinentalsockel von Gneisen, Graniten und kristallinen Schiefern, auf dem im Innern des Namalandes und am Waterberg sowie zu in Teil im Kaokofeld sehr alte, aber horizontal liegende Sedimente lagern. Jüngere marine Sedimente fehlen bis auf minimale Spuren bei Lüderitzbucht völlig. Sodann folgten nach sehr langer Pause die Forschungsreisen des Regierungsgeologen Dr. Lotz und später von Dr. Range, sowie von R. Scheibe, alle im wesentlichen im Namalande, mit nur kleineren Exkursionen nach dem Hererolande, die Forschungen von Voit und Cloos im Hererolande, während das Kaok of eld durch Expeditionen von Dr. Hartmann (s.d.) und zuletzt durch die des Bergingenieurs J. Kuntz genauer erforscht, das Land der Khauashottentotten durch Rimann untersucht wurde und über das Otavigebiet durch die Aufschlußarbeiten für die Tsumeb grube Klarheit geschaffen wurde. Das Vorkommen der Karruformation ist zwar im Namalande durch Range und Lotz sichergestellt. Auf das Auftreten von Kohlen in abbauwürdiger Menge scheint aber nach den bisherigen Untersuchungen keine große Hoffnung mehr zu bestehen. Am unvollständigsten bekannt von allen afrikanischen Kolonien ist Kamerun. Über die inneren Hochländer - Adamaua wurden die grundlegenden Untersuchungen 1893/94 bei Gelegenheit der Üchtritz sehen (s.d.) Expedition durch Passarge (s.d.) angestellt, die zum Teil später durch Edlinger ergänzt und erweitert wurden. Über das Kamerungebirge und die Gebiete bis über das Manengubagebirge hinaus verdanken wir die ersten genauen und zuverlässigen Ergebnisse den Forschungen von Dr. Esch, der als Regierungsgeologe dort arbeitete, und später denen von Dr. Guillemain (s.d.) und Dr. Mann, die zum Teil noch weiter in das Innere bis Adamaua und bis zum Kreuzfluß vorstießen, sowie endlich der von der landeskundlichen Kommission ausgesandten Expedition von Hassert (s.d.) und Thorbecke (s.d.). Der ganze Süden und Osten der Kolonie sowie das ehemals französische Gebiet muß noch als völlig unbekannt betrachtet werden. Was wir so von Kamerun wissen, ist die Erkenntnis, daß es sich dort ebenfalls um einen uralten, stark denudierten Kontinentalsockel von Gneis und damit verknüpften Gesteinen handelt, der aber in sehr erheblichem Maße von jungen Eruptivgesteinen, Basalt, Phonolith, Trachyt usw., durchbrochen und zum Teil bedeckt ist. Sedimentäre marine Formationen kommen nur in sehr beschränktem Maße in dem Senkungsfeld um die Biafrabucht vor, solche von nicht mariner Entstehung am Kreuzflusse und im Benuegebiet; in ganz minimalem Umfang sind auch in Adamaua paläozoische Gesteine gefunden. Unvergleichlich viel besser sind wir dagegen über die Geologie Togos unterrichtet. Die ersten Grundlagen für unsere diesbezüglichen Kenntnisse wurden gelegt durch die Reisen des Bergassessors Hupfeld (s.d.) sowie durch die Sammlungen des Bezirksamtmanns Gruner (s.d.) und des Leutnants v. Seefried (s.d.), die durch v. Ammon bearbeitet wurden. Sodann wurde aber durch die mehrjährigen Reisen des Regierungsgeologen Dr. Koert (s.d.) ein derartig vollständiges und zusammenhängendes Material und eine solche Fülle systematischer Beobachtungen zusammengebracht und verarbeitet, daß unsere geologischen Kenntnisse von Togo als durchaus befriedigend und im wesentliche als abgeschlossen gelten können. Im Osten und Süden ein stark denudiertes Gneisgebiet, an das sich mit annäherndem Nordsüdstreichen im Westen das aus stark gefalteten kristallinen Schiefern usw. aufgebaute Togogebirge mit Granit-, Diorit- und Gabbromassiven anlegt, noch weiter westlich die effigebrochene Schollengebirgslandschaft der Buemformation und endlich ganz im Westen die fast ungestört liegenden Schichten der (mesozoischen?) Otiformation. - Das ist in großen Zügen der einfache und übersichtliche Bau dieser Kolonie. Ganz außerordentlich unvollkommen sind dagegen wieder unsere Kenntnisse von Kaiser - Wilhelmsland, das - wie überhaupt die Insel Neuguinea - zu den am schlechtesten bekannten Teilen der Erde gehört. Gleich nach der Besitzergreifung durch die Neuguinea - Kompagnie wurde eine größere Expedition mit dem Geologen Dr. Schneider ausgeschickt, die die Küstengebiete von der Südgrenze bis zum Kaiserin Augustaflusse und auch eine beträchtliche Strecke von dessen Ufern erforschte, aber sich immer nur in unmittelbarer Nähe des Wassers hielt. Dann folgte eine mehr als zwei Jahrzehnte lange Pause, bis endlich durch die Expedition von L. Schulze (s.d.) ein weiterer Vorstoß in den NW des Gebietes und nach dem Oberlauf des Kaiserin - Augustaflusses gemacht und eine kleine, kurze, aber wissenschaftlich sehr erfolgreiche Forschungsreise ins Torricelligebirge durch den Missionar P. Reiber ausgeführt wurde, während vom Huongolfgebiet wichtige Beobachtungen durch Neuhauß mitgebracht wurden. Eine weitere Expedition nach dem Kaiserin - Augustaflusse, die sog. Sepik - Expedition, ist in den letzten Jahren unter Leitung von Stollé und Behrmann durchgeführt worden. Das Ergebnis der bisherigen Reisen zeigt ein hohes, aus Gneisen und kristallinen Schiefern und aus Granit-, Diorit- und Gabbromassiven aufgebautes Gebirge, annähernd parallel der Küste streichend, an das sich nördlich vom Huongolf jüngere marine Sedimente und Tuffe anlegen sowie eine Anzahl junger Vulkane. Ganz junge Hebungen von ungewöhnlich großem Betrag sind vielfach nachgewiesen. Der Bismarckarchipel, über den vereinzelte Nachrichten schon von früheren Reisenden vorlagen, wurde durch eine Expedition Sappers (s.d.) genauer erforscht; über die geologischen Verhältnisse der Karolinen sind wir im wesentlichen durch die Aufsammlungen des Botanikers Volkens (s.d.), über die Marshallinsel Nauru und über die Palauinsel Angaur durch Elschner, über Samoa durch die Forschungen Friedländers unterrichtet. Im Bismarckarchipel und auf einzelnen Karolinen sind plutonische und zum Teil sehr alte Gesteine in geringer Ausdehnung vorhanden; im Bismarckarchipel ganz vorwiegend jüngere Sedimente und jungvulkanische Bildungen. Basalt baut ganz Samoa auf. Die kleinen ozeanischen Inseln bestehen, soweit sie nicht jungvulkanisch sind, aus Korallenkalk. Die einzigen zuverlässigen Angaben über den Aufbau und die Gesteine des chinesischen Schutzgebiets bei Tsingtau verdanken wir den Forschungen Rinnes, der dort Gneis, Granit, kontaktmetamorphe Gesteine und in ganz geringem Maße steinkohlenführende Schichten nachwies.

Gagel.