Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 707

Gerberakazien. Verschiedene australische Akazienarten liefern unter dem Namen Wattle- oder Mimosenrinde ein wichtiges Gerbmaterial so Acacia dealbata, white oder silverwattle, Acacia melanoxylon, Black Wattle, Acacia decurrens, Green wattle, ihre Varietät mollissima, common wattle, und Acacia pyonantha, golden wattle. Von Australien, wo im wesentlichen wilde Bestände genutzt wurden, kamen die G. nach Indien und haben sich dort vollständig eingebürgert. Ebenso gelangten sie vor etwa 30 Jahren nach Südafrika, in erster Linie nach Natal und bilden dort heute den Gegenstand einer ausgedehnten und erfolgreichen Kultur. Die guten Ergebnisse in diesen Gebieten führten dann zur Aufnahme des Anbaues in Deutsch-Ostafrika, der vor allem in Westusambara von der Forstverwaltung in die Hand genommen wurde. Die Pflanzungen haben sich gut entwickelt und auch schon befriedigende Ernten geliefert. Die Frage der Rentabilität und damit der Ausdehnungsmöglichkeit der Anlagen scheint noch nicht endgültig gelöst zu sein. In Südafrika hat man in erster Linie Acacia mollissima, die ebenfalls black wattle genannt wird, gepflanzt und folgende Erfahrungen gemacht. Der Boden muß tiefgründig und nicht zu arm sein. Regen ist mindestens in der ersten Zeit nach dem Pflanzen erforderlich, jedenfalls aber hinreichende Luftfeuchtigkeit. Große Wärme wird gut vertragen, Frost dagegen nur von einzelnen Arten in geringem Umfange. Die schwer keimenden Samen sind vor der Aussaat zwei bis drei Stunden in Wasser zu kochen. Man baut in der Regel Mais als Zwischenkultur und sät bis zu 20 Samenkörnchen, von denen etwa ein Viertel aufgeht, in Abständen von 1 - 2 m. Nach Ablauf von 3/4 Jahren dünnt man die Pflanzung bis auf 1 oder 2 Exemplaren an jedem Standort aus. Im 5. bis 10. Jahre wird die Rinde erntereif, d. h. sie erreicht ihren Höchstgehalt an Gerbstoff. Es ist Sache der Erfahrung, festzustellen, wann dies der Fall ist, da ein längeres stehenlassen der Anlage keinen Zweck hat und nur den Umtrieb verzögert. Die Bäume werden geschlagen und die Stämme entrindet. Aus den Stümpfen entwickelt sich der Nachwuchs von selbst, der nur nach einem Jahre durch Ausschneiden in geordnete Form gebracht werden muß. Der Ertrag schwankt zwischen 16 und 64 tons für den Hektar. Hamburg importierte 1912 300 000 dz fast ausschließlich aus Britisch -Südafrika. Der Gerbstoffgehalt beträgt über 400/0 (s.a. Gerbpflanzen).

Literatur: W. Holtz, Über Black Wattle - Wirtschaft in Natal, Tropenpflanzer X, 1906, S. 445/58. 4 Abb. - Felix Fließ, Die Gerberakazie. Ebenda 2. 578/84. - W. Bodenstab, Die wichtigsten Gerbstoffpflanzen der Deutsch - Afrikanischen Schutzgebiete. Ebenda, X VII, 1913, 2. 463/81 u. 557/68. - A. Hintze, Eukalyptus- und Wattle - Pflanzung. Ebenda S. 489/98.

Voigt.