Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 715

Gerichtstage. Nach § 92 AG.GVG. kann in Preußen die Abhaltung von G. außerhalb des Gerichtssitzes durch den Justizminister angeordnet werden, was durch besondere Verfügungen für zahlreiche Orte geschehen ist. Auf dem Gerichtstage können alle dem Amtsgerichte obliegenden Geschäfte aus dem Gerichtstagsbezirk erledigt werden, sofern sie ihrer Natur nach zur Bearbeitung auf dem Gerichtstage überhaupt geeignet sind. In den Schutzgebieten Afrikas und der Südsee sind die zur Ausübung der Gerichtsbarkeit ermächtigten Beamten befugt, die Abhaltung von Gerichtstagen außerhalb des Sitzes des Gerichts anzuordnen (§ 1 Nr. 5 der Vf. des RK. vom 25. Dez. 1900, KolBl. 1901, 1). In Kiautschou ist der Oberrichter befugt, für das Obergericht und das Gericht die Abhaltung von Gerichtstagen außerhalb Tsingtaus anzuordnen (§ 2 Nr. 3 der Dienstanweisung vom 23. Okt. 1907, Amtsbl. S. 325).

Gerstmeyer.