Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 715 f.

Gerichtsvollzieher, in der Heimat die Beamten, die im Auftrage der Parteien Zustellungen, Ladungen und Vollstreckungen in gerichtlichen Angelegenheiten - der ordentlichen streitigen und zum Teil auch der nicht streitigen Gerichtsbarkeit -zu besorgen haben (§ 155 GVG.; §§ 73, 74 AG.GVG.). Für die afrikanischen und Südsee - Schutzgpbiete sind auf Grund des § 10 der Ksl. V. vom 9. Nov. 1900 (RGBl. S. 1065) Bestimmungen erlassen, nach welchen eine Mitwirkung von G. in der Rechtspflege nicht stattfindet. Hier hat der Bezirks(Ober)Richter dafür zu sorgen, daß die Zustellungen mit der nach den vorhandenen Mitteln möglichen Sicherheit erfolgen. Er ist befugt, mit der Ausführung dauernd oder in bestimmten Fällen andere Personen zu beauftragen, welche nach seinen Anweisungen zu verfahren haben. Entsprechend erfolgt die Zwangsvollstreckung durch die Bezirksrichter, welche nach Anordnung der Zwangsvollstreckung mit ihrer Ausführung andere Personen beauftragen können, die nach ihren Anweisungen zu verfahren haben Diese beauftragten Personen haben die in der ZPO. dem G. zugewiesenen Befugnisse und Obliegenheiten, soweit nicht durch die ihnen erteilten Anweisungen etwas anderes bestimmt ist (§§ 4, 5 der RKVf. vom 25. Dez. 1900, KolBl. 1901 S. 1). Für Kiautschou ist in § 7 der Dienstanweisung des RK. vom 23. Okt. 1907 (Amtsbl. S. 325) bestimmt, daß die G. vom Reichskanzler ernannt werden. Solange besondere Beamte nicht ernannt sind, beauftragt der Oberrichter einen der Beamten des Obergerichts oder des Gerichts mit der Wahrnehmung der Geschäfte.

Gerstmeyer.