Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 725

Gespenstheuschrecken oder Phasmiden, Insektengruppe, die sich fast ausschließlich aus größeren, wenig beweglichen Formen zusammensetzt. Zum Schutze gegen größere insektenfressende Vögel sind sie Blättern und Zweigen sehr ähnlich (s. Tafel 67/68, Abb. 1 - 3). Eine sehr breite Form besitzt das sog. wandelnde Blatt (Phyllium) (s. Tafel 67/68, Abb. 3, Ph. siccifolium, Bismarckarchipel), dessen Körper einem gelappten Blatte gleicht. Die Flügeladern bringen bei dieser Ähnlichkeit (Mimikry) das Blattgeäder zum Ausdruck; die verbreiterten Beine stellen die Seitenlappen des Blattes dar. Die Stabheuschrecken sind von zylindrischem Körperbau, oft äußerst dünn und Zweigen sehr ähnlich (s. Tafel 67/68, Abb. 1, Gratidia gracilipes, Togo). Die Mittelund Hinterbeine bilden hier die Seitenzweige. Die Vorderbeine aber liegen eng dem Kopfe an und schließen in der Ruhe vorn zusammen, besitzen meist sogar an der Wurzel der Schenkel einen Ausschnitt für den Kopf. Manche Stabheuschrecken sind auch sehr kräftig gebaut (s. Tafel 67/68, Abb. 2, Eurycantha horrida, Bismarckarchipel). Trotz ihrer Ähnlichkeit mit Pflanzenteilen werden die G. von einigen Insektenfressern gefunden, so in Neuguinea vom Spornkuckuck (Centropus), der die Schlingpflanzen der Bäume von unten bis oben nach ihnen absucht. Die G. kommen in allen unsern Kolonien vor, höchstens könnten sie auf einigen der jüngeren Südseeinseln fehlen.

Literatur: K. Brunner v. Wattenwyl u. J. Redtenbacher, Die Insektenfamilie der Phasmiden. Lpz. 1908.

Dahl.