Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 728

Getreidebau. In den tropischen Schutzgebieten Afrikas nimmt unter den Brotfrüchten an Umfang der Produktion die Sorghumhirse (s.d.) bei weitem den ersten Platz ein; ihr folgt der Mais (s.d.), diesem der Reis (s.d.), darauf die Pennisetumhirse (s.d.). In Deutsch-Ostafrika spielt stellenweise auch das Eleusinekorn (s.d.) eine Rolle als Brotgetreide, während die Panicumarten (s. Hirse) daselbst nur ganz vereinzelt angebaut werden. Die Verteilung des Anbaus der vier erstgenannten Getreide wird in erster Linie durch die klimatischen Bedingungen geregelt, ferner durch die Gewöhnung der einzelnen Stämme und endlich durch die Absatzmöglichkeiten. - Der Weizen wurde in jüngerer Zeit durch die Araber in bescheidenem Umfange nach Deutsch-Ostafrika (Tabora, Karagwe usw.) und nach Nord-Kamerun (Tsadseegebiet) eingeführt. Hier wird er mit künstlicher Bewässerung angebaut. In Deutsch-Ostafrika hat der Weizenbau bei den Eingeborenen später unter dem Einfluß der europäischen Landwirtschaft im Konde-Hochland einen gewissen Umfang angenommen; seine weitere Ausbreitung wird von der Aufnahme der Pflugkultur abhängen. In den Hochländern Usambara, Uhehe, Konde und am Kilimandscharo wird Weizenbau von europäischen Ansiedlern, von Regierungs- und Missionsstationen betrieben, stellenweise auch der Anbau von Gerste und Hafer, die bei den Eingeborenen noch keine Aufnahme gefunden haben. Auch in Kamerun beschränkt sich die Kultur dieser drei Getreidearten - mit Ausnahme des Weizens - auf einige höher gelegene Stationen und Siedlungen. Im Norden Deutsch-Südwestafrikas, besonders im Amboland, überwiegt Sorghum, dessen Kultur neuerdings auch bei den Farmern der Nordbezirke, wenn auch nur für Futterzwecke, Eingang gefunden hat. Der Mais breitet sich eben daselbst mehr und mehr aus, gibt aber in Dürrejahren weniger gute Ernten als Sorghum. Im übrigen werden von den Farmern Weizen, Gerste und Hafer nach heimischem Muster an gebaut. - In den Südseekolonien spielt der G. noch eine untergeordnete Rolle; Mais, Sorghum und Reis sind in Deutsch-Neuguinea zwar eingebürgert, werden aber nur stellenweise kultiviert. - Die intensive, vielgliedrige Feldwirtschaft der Chinesen in Kiautschou umfaßt den Anbau von Weizen und Gerste, Sorghum- und Panicumbirse, Reis, Mais und Buchweizen.

Literatur: S. Ackerbau und die einzelnen Getreidearten. - Für Kiautschou: Tropenpflanzer 1910. - G. Wegener in H. Meyer, Das deutsche Kolonialreich, Bd. II (1910), 526 f (daselbst weitere Literaturnachweise).

Busse.