Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 738 f.

Giftschlangen (s. Farbige Tafel Tropische Giftschlangen). Unter dem Namen G. fassen zwei sehr verschiedene Gruppen der Schlangen, die Giftnattern (s.d.) und die Vipern (s.d.) zusammen, die eben nur praktisch, hinsichtlich der giftigen Wirkung ihres Bisses, eine Einheit bilden. Beide Gruppen sind weit verbreitet; die Giftnattern fehlen nur in Europa, die Vipern nur in Australien. Von den bekannteren G. gehören zu den Giftnattern die Brillenschlangen (s.d.) Afrikas und Südasiens, die Seeschlangen (s.d.) des Indischen und Stillen Ozeans und die hauptsächlich südamerikanischen Prunkottern. Zu den Vipern (s.d.) zählen sämtliche europäische G., ferner die riesige afrikanische Puffotter und ihre Verwandten und die amerikanischen Grubenottern, die Klapperund Lanzenschlangen. - Die Gefahr durch den Biß der G. ist in den Tropen, wo die Zahl und Größe der Arten größer ist als bei uns, stellenweise nicht unbedeutend, sicherlich sind aber die Berichte, die z.B. aus Indien von mehr als 20 000 Todesfällen im Jahre sprechen, ganz enorm übertrieben. Hier mag manches Opfer des Verbrechens und des religiösen Fanatismus einfach auf das Schlangenkonto gesetzt sein. Die sog. Heilmittel der Naturvölker sind selbstverständlich höchst problematischer Natur und mögen oft genug den ungünstigen Ausgang beschleunigen, wo rechtzeitiges ärztliches Eingreifen noch hätte retten können. Schutzimpfungsversuche mit aus Schlangengift gewonnenem Heilserum. sind noch nicht abgeschlossen, scheinen aber günstige Erfolge zu versprechen. S. a. Schlangengift.

Sternfeld - Tornier.