Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 742

Godeffroy & Sohn, Johann Cesar. Hamburger Handelshaus, 1766 gegründet, von Johann Cesar G. 1887 übernommen. Mitte der 1850er Jahre. gründete die Firma von Valparaiso aus auf den Samoainseln eine Faktorei und überzog in den folgenden Jahren fast die ganze Südsee mit einem Netz von 45 Niederlassungen und Agenturen. Sie hatte Faktoreien auf den Tongainseln, der Guilbert- und Ellisgruppe, auf Wallis und Fotuna, im Bismarckarchipel und auf den Salomoninseln; sie, legte Plantagen an (Kokospalmen, Kaffee, Zuckerrohr, Baumwolle) und trieb Perlfischerei. Den Verkehr mit den überseeischen Niederlassungen besorgte eine eigene Flotte von Schiffen, die z. T. auf der der Firma gehörenden Werft gebaut worden waren. Die Firma erwarb sich große Verdienste um die wissenschaftliche Erforschung der Südsee; sie sandte auf eigene Kosten Forscher hinaus (Kubary, Kleinschmidt, Hübner, Amalie Dietrich u.a.), brachte deren wertvolle Sammlungen in einem 1861 begründeten Museum unter, veröffentlichte die Forschungsergebnisse in dem "Journal des Museums Godeffroy" (14 Hefte 1871/79 bei L. Friederichsen & Co. in Hamburg). 1878 geriet die Firma in Schwierigkeiten, so daß sie das ganze Südseegeschäft an die am 16. März 1878 gegründete Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft der Südseeinseln (s.d.) verkaufte. 1885 wurde auch das Museum aufgelöst, dessen ethnographischer Teil vom Museum für Völkerkunde in Leipzig erworben wurde. Dem Hause G. verdankt das Deutsche Reich den Besitz der Kolonie Samoa (s.d. 17 a. Entdeckungsgeschichte und 7 d).