Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 743 f.

Gold kommt in den deutschen Kolonien auf drei verschiedenartigen Lagerstätten vor, namlich auf echten G.quarzgängen, in Konglomeraten und Breccien, und auf Seifen, von denen aber nur die erste Art wesentliche Bedeutung hat. Auf Seifen (s.d.) in losen Flußablagerungen, aber nur in minimalen Mengen, findet sich G. in Deutsch - Ostafrika in einem Nebenfluß des Mbeinbukuru, in den Sanden der kleinen Bäche, die vom Irambaplateau nach der Wembäresteppe herunterkommen, undin einigenFlüssen, die vomUsindjagebiet nach dem Victoria Njansa abfließen, sowie im Sinujufluß. Ebenso ist es in geringen Mengen in Togo in den Sanden des Monuflusses gefunden. Die angeblichen Funde aus Kamerun haben sich alle als Täuschung erwiesen. Das bedeutendste Vorkommen von Waschgold ist oder vielmehr war das am Waria- und Wiwofluß in Kaiser-Wilhelmsland, aus dem zeitweise erhebliche G.mengen gewonnen wurden. Es liegt hier zum Teil in den Krümmungen und WirbelsteUen im Flußbett selbst, zum Teil in 1-2 m über dem Fluß gelegenem Schotterterrassen, die 0,9 -1,7 g G. im Kubikmeter enthalten. Im Jahre 1908 sollen dort etwa 450 Goldwäscher an der Arbeit gewesen sein, die pro Tag bis 31 g Gold (= 83 M) pro Kopf gewannen; jetzt scheint die Lagerstätte im wesentlichen erschöpft zu sein. In Konglomeraten, d.h. in geologisch sehr alten, groben und verfestigten "Seifen", ist G. ebenfalls, aber n i oh t in abbauwürdigen Mengen in DeutschOstafrika in der Wembäresteppe und in Ussongo gefunden; die goldführenden Konglomerate von Ussongo scheinen im Alter und Beschaffenheit mit den Witwatersrandkonglomeraten übereinzustimmen und sind eingelagert in eine steilstehende Schichtenserie von Sandsteinen, Arcosen usw. Ebenso unbauwürdig sind die schwachen, steilgestellten, sehr wenig G. führenden Konglomerate von Aup bei Rehoboth in Südwestafrika und die goldführenden Quarzite von Kuibis ebenda. Die wichtigsten deutschkolonialen G.lagerstätten sind die G.quarzgänge. Bei Sekenke in der Wemb ä resteppe (Ostafrika) treten linsenförmige, bis 200 m lange und 3 m mächtige G.quarzgänge an der Grenze eines grobkörnigen Quarzdiorits (Granodiorits) zu einem jüngeren, feinkörnigen Diorit auf. Die Diorite sind stark gepreßt und zersetzt und werden noch von Aplitund Diabasgängen durchzogen. Die Gänge streichen NNO/SSW und setzen sehr steil in die liefe. Das G. ist teils in Pyrit (Schwefelkies) eingewachsen, teils als Freigold vorhanden. Die ärmeren Gänge gehen in der Tiefe zum Teil in Pegmatitgänge über. Durchschnittlich enthält das Ganggestein 40 - 45 g Gold pro Tonne, zum Teil geht der Gehalt über 60 g hinaus. 1908/09 wurden 3515 t Erz gefördert mit einem Goldgehalt von 176 kg. und einem Goldwert von 400 000 M; 1910 7333 t Erz mit 429 kg Gold im Werte von 946 645 g; 1911 wurden 7132 t Erz mit 395 kg Gold im Werte von 866 188 M gefördert. Aus den oben angeführten Mengen Rohgold wurden 139 bzw. 347 bzw. 316 kg Feingold und 25 bzw. 62 bzw. 59 kg Silber gewonnen. Die anderen ostafrikanischen G.gänge, an die sich zum Teil so erhebliche Hoffnungen knüpften, haben sich alle als mehr oder minder geringfügig und größtenteils als nicht abbauwürdig erwiesen. Sie zeigen alle oberflächlich eine zum Teil sehr goldreiche (Zementations- und Oxydations-)Zone, die aber nur in ganz geringe Teufe herab ' reicht, während die primäre Zone unter dem Grundwasserspiegel meistens sehr arm und völlig unbauwürdig ist. Diese G.gänge setzen alle auf in steil aufgerichteten, stark gefalteten und metamorphen Schiefern, Sandsteinen und Quarziten (Eisenquarzitschiefern), Glimmerschiefern, Phylliten, Amphiboliten usw., die von sauren und basischen Eruptivgesteinsgängen (Aplit, Diabas usw.) durchsetzt werden; im Gneisgebiet sind sie bisher nicht beobachtet. - Die G.gänge des Irambaplateaus setzen in Phylliten, Ton- und Glimmerschiefern auf, die durch Granit kontaktmetamorphosiert sind, zum Teil in Hornfels umgewandelt und mit Magnetkies imprägniert sind. Sie werden durchsetzt von Granitporphyr- und Quarzporphyrgängen sowie von Diabasgängen, und die G.quarzgänge sind da besonders reich, wo sie mit diesen Eruptivgesteinsgängen zusammentreffen und von ihnen abgelenkt werden. 7 G.gänge sind hier genauer untersucht; ihre Mächtigkeit schwankt von 20 - 80 cm, ausnahmsweise bis zu 5 m; in der Oberflächenzone waren die schmalen Gänge sehr reich und enthielten zum Teil große Mengen Freigold, so daß nach einzelnen Proben der Gehalt auf 120 - 500 g, ja sogar auf 1100, 2700 und 4000 g Gold pro Tonne berechnet wurde; unter dem bei 12 m Tiefe gelegenen Grundwasserspiegel sank der Gehalt aber ganz schnell auf 23 - 11 g, in 30 m auf 5 - 3 g pro Tonne, um dann ganz zu verschwinden und durch Pyrit und Arsenkies ersetzt zu werden. Das Vorkommen kann durch die obere, reiche Zone nur für wenige Jahre einen sparsamen Kleinbetrieb gewährleisten. Ähnlich ist das Vorkommen bei Ngasamo, südöstlich vom. Spekegolf, beschaffen, wo am Kassamaberge Diabase, Diabastuffe, geschieferte Grünsteine, Hornblendeschiefer, Chlorit und Serizitschiefer auftreten, in denen kurze, bis zu 3 m mächtige Gänge, Nester und Linsen von Quarz auftreten, die steil einfallen und das G. gebunden an verschiedene Kiese, zum Teil auch als Freigold enthalten. Dieses Vorkommen wird seit einigen Jahren durch ein kleines Pochwerk ausgebeutet; ganz neuerdings sollen in der Nähe aber wesentlich reichere G.gänge gefunden sein, mit 80 - 190 g G. pro Tonne, die jetzt, aufgeschlossen und untersucht werden. - Das G.vorkommen von lkoma am Westrande der Massaisteppe setzt ebenfalls in einem Gebiet phylhtisch - quarzitischer Schiefer, sowie von Hornblende-, Chlorit- und Serizitschiefern auf, in denen erhebliche Dioritstöcke, sowie Diabasgänge vorhanden sind. Es sind dort 15 Züge goldhaltiger Quarzlinsen festgestellt, von denen aber nur 2 - und diese auch nur in kleinem Maßstabe - abbauwürdig sind; sie sind 3 - 5 mmächtig, stehen ganz steil und werden anscheinend schon in 5 in Tiefe ganz arm, während sie oberflächlich zum Teil sehr reich an Freigold sind, zum Teil auch noch etwas Kupfererz und Brauneisenerz (zersetzten Pyrit) enthalten. In Msalalla bei St. Michael und auch sonst noch südlich vom Victoriasee treten stark gefaltete und zertrümmerte Itabirite mit einem ganz geringen G.gehalt auf, die auch von sehr schwachen, sehr gering goldhaltigen Quarzgängen durchsetzt werden. -Das sog. Bismarckriff südlich vom Emin - Pascha -Golf setzt auf in einem Gebiet von Tonschiefern, Quarziten, Eisenquarzitschiefern und Graniten. Die Gänge, die zum Teil im Granit selbst aufsetzen, sind nur 4-30 cm stark, enthalten im Ausgehenden zum Teil sehr reichlich Freigold (nach Proben 22 - 68 g, ja 90 -166 g G. pro Tonne) und auch etwas Silbererz; in 5 - 6 m Tiefe war aber der G.gehalt schon sehr gering (5 - 6 g) bzw. schon völlig verschwunden. Da die Flüsse des Usindjagebieles fast alle etwas G. führen, so müssen südlich vom Victoriasee wohl noch mehr G.lagerstätten vorhanden sein. - Im allgemeinen ist in Deutsch-Ostafrika ein G.gehalt von mindestens 13 g pro Tonne erforderlich, um einen gewinnbringenden Abbau zu gewährleisten. - In Togo sind ganz geringfügige G.quarzgänge mit einem Gehalt von etwa 9 g pro Tonne bekannt geworden, die praktisch wertlos sind, dasselbe ist der Fall mit dem G.vorkommen von Deutsch- Südwestafrika, wo auch nur ganz geringfügige G.spuren in oder in der Nähe von ebenfalls unbauwürdigen Kupferlagerstätten gefunden sind. - Die angeblichen G.vorkommen in Kamerun haben sich bei fachmännischer Untersuchung bisher alle als überhaupt nicht vorhanden herausgestellt. - Die, primären G.vorkommen in Kaiser- Wilhelmsland am Wariafluß, aus deren Zerstörung und Umlagerung die eingangs erwähnten "Seifen" vorkommen des Wariagebietes stammen, treten in dioritischen und diabasischen Gesteinen auf, die "von Granit unterlagert werden" und von zahlreichen feinen Klüften durchsetzt sind, in denen das G. teils als Frei - G., teils in Gestalt von goldhaltigem Schwefelkies und Magnetkies auftritt, öfter zusammen mit Brauneisenerz. Die Diorite zeigen zum Teil alle Anzeichen starker Pressung; nach allem, was bis jetzt über diese G.vorkommen bekannt geworden ist, sind sie ebenfalls nicht abbauwürdig. S.a. Bergbau.

Literatur s. Erzlagerstätten.

Gagel.