Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 745

Gottesurteil. Bei Naturvölkern ist eine Eideshandlung des Angeklagten üblich, bei der man erwartet, daß die Folgen einer Falschheit bei dem Schwörenden oder seinen Angehörigen sofort oder in kurzer Zeit durch das Eingreifen einer höheren Macht eintreten. Die Eideshandlung kann selbst G. oder mehr symbolisch sein. In ersterem Falle wird der Eid gegessen oder getrunken (Giftprobe), das Grab eines Vorfahren (Manismus) überschritten, ein der Gottheit geweihter Gegenstand berührt usw. Im zweiten Falle wird das Schicksal des Eidbrüchigen dem Schwörenden durch Analogiezauber, etwa durch die Tötung eines Tieres oder das Zerfließen von Salz in Wasser usw. vor Augen gestellt (s. Eid bei Naturvölkern).

Thilenius.