Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 746

Gouvernementsräte. Als lediglich beratendes Organ sind den Gouvernements (s.d.) G. beigegeben. In Deutsch-Südwestafrika führt der G. die Bezeichnung "Landesrat" und ist besonders organisiert. Für die übrigen, dem RKA. unterstellten Kolonien beruht seine Einrichtung auf der V. des RK. vom 24. Dez. 1903 (KolGG. 1903 S. 284, KolBl. 1904 S. 1). Danach besteht er aus dem Gouverneur als Vorsitzenden, aus amtlichen und aus nichtamtlichen Mitgliedern. Letztere - mindestens 3 und nicht weniger als die amtlichen Mitglieder - werden vom Gouverneur aus den weißen Einwohnern nach gutachtlicher Anhörung von Berufskreisen auf mindestens ein Jahr berufen. Der G. hat die Entwürfe der Etats und der nicht bloß örtlichen Verordnungen zu beraten, auch können ihm andere Angelegenheiten zur Begutachtung unterbreitet werden. Die außerordentlichen Mitglieder haben das Recht, Anträge zur Beratung zu stellen. Das Ergebnis von Abstimmungen ist in ein Protokoll über die Verhandlungen aufzunehmen, das in Abschrift dem RK. einzureichen ist. Für Kiautschou beruht die Zusammensetzung auf der V. vom 14. März 1907 (KolGG. 11 S. 440). Danach sind Mitglieder der Gouverneur und 6 Beamte oder Offiziere, daneben nur 4 Bürgerschaftsvertreter, deren einen der Gouverneur ernennt, während die übrigen 3 als Firmen-, Grundeigentümer- und Handelskammervertreter je von den betreffenden Berufskreisen gewählt werden. Über das Recht der G. s. v. Hoffmann in der ZKolPol. usw. IX S. 835 ff, S. 924 ff, X S. 26 ff.

v. König.