Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 746 f.

Gouverneur. An der Spitze einer jeden deutschen Kolonie steht gegenwärtig ein G., nachdem die früher für Kolonien von geringerer Bedeutung eingeführten Titel eines Reichskommissars oder Landeshauptmanns fortgefallen sind. Über den Sitz der G. s. den Art. "Gouvernement", über ihre Gehaltsbezüge den Art. "Diensteinkommen". Die Rangverhältnisse der G. sind nach Allerh. Order vom 7. Juni 1909 (KolGG. 1909 S. 10) folgende: 1. Im Inlande haben für die Dauer ihrer Verwendung im Kolonialdienste, sofern ihnen persönlich kein höherer Rang zusteht, die G. von Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Kamerun und Kiautschou den Rang der Räte erster KI., die übrigen G. den Rang der Räte zweiter Kl. 2. Im Auslande haben für die Dauer ihres Amtes und ihres Aufenthalts innerhalb ihres Amtsbezirks die G. der vier genannten Kolonien den Rang der Wirklichen Geheimen Räte. Im übrigen haben sie auch im Auslande jeglich ihren inländischen Rang ebenso wie die übrigen G., denen ein erhöhter Rang auch innerhalb ihres Amtsbezirks nicht zusteht. Ohne Rücksicht auf ihre Rangverhältnisse steht sämtlichen G. für die Dauer ihres Amtes und ihres Aufenthalts außerhalb Europas das Prädikat Exzellenz zu. Über die Befugnisse der G. bezüglich der Verwaltung s. Zivilverwaltung, über ihre disziplinaren Befugnisse s. Disziplinargewalt.

v. König.