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Gräser, eine der artenreichsten Familien aus der Klasse der
Monokotyledonen
oder einkeimblättrigen Gewächse, in der Mehrzahl einjährige oder
ausdauernde
Kräuter mit zweizeilig gestellten, parallelnervigen, schmalen, am Grunde
in eine gespaltene Scheide übergehenden Blättern und halmartigen,
hohlen,
durch Knoten gegliederten Stengeln. Die Blüten bestehen aus Hochblättern
(Spelzen), gewöhnlich 3 Staubblättern und einem Fruchtknoten und sind
zu Ährchen vereint, die wieder Ähren oder Rispen zusammensetzen. Die
Frucht
ist eine Karyopse mit mehl- und eiweißreichem, den Embryo seitlich
bergenden
Samen. Die G. sind über die ganze Erde verbreitet und bilden fast
überall
durch ihr geselliges Vorkommen einen vorwiegenden Bestandteil der
Krautvegetation.
Sie gehören zu den wichtigsten Getreide- und Futterpflanzen
und werden darum in umfassender Weise angebaut. Die höchste Bedeutung
als Futterpflanzen haben sie da, wo es an anderen Weidegewächsen für das
Vieh fehlt, so namentlich in Hochgebirgen und Steppengebieten. Wo sie
in der gemäßigten Zone einen dichten Bestand bilden, läßt sich ein
Reservefutter,
das Heu, aus ihnen gewinnen, anderwärts, wie in Deutsch-Südwestafrika, läßt man sie
zu dem Zweck "auf dem Halm" trocknen. Keineswegs alle G. werden vom Vieh
angenommen, teilweise darum nicht, weil ihre Blätter und Halme im Alter
stark verkieseln. Diesem Übelstande begegnen die auf Viehzucht
angewiesenen Eingeborenen dadurch, daß sie in der Trockenzeit Grasbrände
(s.d.) hervorrufen. Die nach solchen mit Eintritt der Regen neu hervorbrechenden Triebe werden dann wieder
gefressen. Über den Nährwert der heimatlichen Gräser sind wir im
allgemeinen
unterrichtet, -der der tropischen und subtropischen ist nur zum
allergeringsten
Teile bekannt, wenngleich Eingeborene,
wie die Massai (s.d.), die Herero (s.d.) und Hottentotten (s.d.), durch Erfahrung belehrt,
manches darüber wissen. Die Blätter und Halme vieler G. werden für Flechtwerk, zur Herstellung von Taschen,
Körbchen,
Hüten und Matten benutzt, das Wurzelwerk
anderer liefert grobe Bürsten. Die Papierindustrie Englands insbesondere
hat sich des Halfa- und Espartograses (Aristida tenacissima und Lygeum
spartum) bemächtigt, die Technik der Dünenbefestigung bedient sich einer
Reihe
von G. zur Bindung des Sandes. Siehe auch Zuckerrohr und Bambus. - Die einjährigen G. sterben nach der
Fruchtzeit
ab, die ausdauernden sind mit unterirdischen Wurzelstöcken oder mit
oberirdisch
kriechenden Ausläufern ausgerüstet. Zu letzteren gehören die
rasenbildenden
G., zu ersteren die Bülteng., die in Steppen und Savannen eine Hauptrolle spielen und sich dem Ackerbau feindlich erweisen, da sie schwer
auszurotten
sind. In Afrika ist das Elefanteng. (Pennisetum purpureum) in dieser
Hinsicht
bemerkenswert, in den Schutzgebieten der Südsee das Alang-
Alang (s.d.).
Literatur: Hackel in Engler- Prantls
Natürl. Pflanzenfamilien. Lpz. 1887.
Volkens.
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