Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 749 f.

Grasbrände (s. Farbige Tafel ). Alljährlich, zur Höhe der Trockenzeit, werden die Grasbestände der Steppen und Savannen Afrikas, vornehmlich in der Äquatorialzone des Kontinents von den Eingeborenen in Brand gesetzt, sei es um Ackerland zu gewinnen, sei es um den Boden mit Aschensalzen zu düngen, sei es um die Ausübung der Jagd zu erleichtern, endlich auch allein aus altüberlieferter Gewohnheit. Die Wirkungen dieser periodischen G. sind teils gewollte, teils ungewollte, teils nützliche, teils schädliche; sowohl äußern sie sich in der Zusammensetzung und dem Charakter der natürlichen Vegetation der betroffenen Gebiete, wie sie auch die Ausübung der Land- und Forstwirtschaft beeinflussen. -

A. Einwirkungen auf die Vegetation: Vernichtung des Waldes und Begünstigung der Steppenbildung und damit: Störung des Wasserhaushalts im Boden und in oberflächlichen Wasserläufen, allmähliche Austrocknung des Grundes, Verminderung des Windschutzes, Mangel an Schatten, Verschlechterung der Bodenqualitäten (Einschränkung oder völlige Verhinderung der Humusbildung); Beeinflussung bzw. Behinderung der Besiedlung von Steppenland oder verlassenem Ackerboden mit Holzpflanzen und gewissen sonstigen Gewächsen: abgesehen von der Zerstörung zarter Gewächse, wird die natürliche Verjüngung wenig widerstandsfähiger Arten verhindert, und endlich wird die Entwicklung der überlebenden Steppenhölzer verlangsamt und ihre Gestalt in nachhaltiger Weise beeinflußt. Bei zahlreichen Holzgewächsen bildet sich eine besondere Wuchsform, der "Zwetschenbaum"- oder "Combretum Typus" aus. Für die Intensität der Wirkungen ist außer der Beschaffenheit des Grundes die Mächtigkeit des Graswuchses maßgebend.

B. Bedeutung für die Land- und Forstwirtschaft:

a) schädliche Wirkungen: Entstehung von Waldbränden, Vernichtung von Nutzhölzern und anderen forstlichen Produkten, Erschwerung bzw. Verhinderung der künstlichen oder natürlichen Aufforstung; Vernichtung organischer Substanz, Stickstoffverlust usw. s. u. A.;

b) nützliche Wirkungen: Bereicherung des Bodens durch Aschensalze, Ermöglichung des Hackfeldbaues ohne Düngung; Verbesserung der Viehweiden durch Beeinträchtigung der Vermehrung minderwertiger harter Gräser und Begünstigung des Aufschlags feinerer, nahrhafter Grasarten, Beseitigung des vertrockneten Altgrases; Vertilgung der die Steppen bevölkernden schädlichen Insekten, insbesondere der als Krankheitsüberträger wirkenden Zecken. Weidewirtschaft in tropischen. Hochgrassteppen ist ohne alljährliches Wildbrennen unmöglich. -Schutzmittel gegen Übergreifen von G.: Anlage grasfreier Schutzstreifen, lebender Schutzhecken und Einschaltung von Feldkulturen.

Literatur: W. Busse, Die periodischen Grasbrände im tropischen Afrika um. in Mitt. Schutzgeb. 1908, II. Heft 113 - 139; m. 4 Taf. Daselbst ausführl. Angaben der früheren Lit.

Busse.