Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 751

Grenadilla, die Früchte einer brasilianischen Passionsblume, Passiflora edulis, die heute in allen Tropen und Subtropen verbreitet ist und noch in günstigen Lagen des Mittelmeergebietes reife Früchte hervorbringt. Es sind üppige, kletternde Rankenpflanzen mit dreilappigen Blättern und den bekannten, großen Passionsblumen. Die Frucht ist purpurn bis braun, von der Größe eines Hühnereis und hat eine lederige Schale. Das gelbliche Fruchtmus ist von angenehmem, etwas säuerlichem Geschmack und enthält kleine, nur schwer entfernbare Samen. In einem Glase mit einer Spur doppeltkohlensaurem Natron und Zucker versetzt, gibt der Inhalt der Frucht ein erfrischendes Getränk. Man zieht die G. entweder aus Samen oder aus Ablegern, gibt ihr einen möglichst humusreichen Boden, einen feuchten, schattigen Standort und läßt sie über Zäune, Mauern usw. ranken oder an Bäumen emporklettern. Versuche, diese Früchte von Australien dem europäischen Markt zuzuführen, sind nicht von Erfolg gewesen. Man findet sie nur vorübergehend und in kleinen Mengen in den großen Fruchtgeschäften. Auf Réunion wird die ebenfalls aus Brasilien stammende P. araca als G. de la Réunion kultiviert. - Passiflora laurifolia wird in Jamaika wegen ihrer als Nachtisch geschätzten Früchte kultiviert und Waterlemon oder Jamaica Honey - Suckle genannt. In französischen Besitzungen ist sie als Pommeliane bekannt, auf Madeira heißt sie Maracugia. Die ebenfalls aus dem tropischen Amerika stammende P. quadrangularis, meist Granadilla, Garnadilla oder in Indien Ratapuhul, von den Franzosen Barbadine genannt, wird ebenfalls in allen Tropen kultiviert und außerdem für die europäischen Gewächshäuser empfohlen. Das Fruchtmus der großen melonenähnlichen Früchte wird mit ähnlichen Zusätzen, wie oben erwähnt, genossen. Unreif gekocht gibt der Inhalt ein gutes Gemüse. Mit der Schale gekocht, sind die G. unter Hinzufügung von etwas Fett und Salz eine nicht zu verachtende Speise. - Auch die Früchte anderer Passiflora - Arten werden in ihrem Verbreitungsgebiete ähnlich verwendet, so z.B. P. tinifolia unter dem Namen Marietambour in Französisch - Guiana. - Der Name G. oder Granadilla dient auch zur Bezeichnung verschiedener Nutzhölzer (s.d.).

Literatur: H. F. Macmillan, A Handbook of tropical gardening and planting. Lond. 1910. - P. Hubert, Fruits des pays chauds. Paris

Voigt.