Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 752

Grenzfestsetzungen, Grenzregulierungen und Grenzexpeditionen. Als 1884 die Periode der politischen Aufteilung von Afrika einsetzte, war das Kartenbild des dunklen Kontinents noch ein sehr unvollkommenes und lückenhaftes. Die Diplomaten der verschiedenen an dieser Aufteilung beteiligten europäischen Mächte waren daher bei der bald notwendig werdenden vertraglichen Abgrenzung der betreffenden Interessengebiete, die sich zunächst vielfach nur auf die afrikanischen Küsten und ihr unmittelbares Hinterland, erstreckten, in einer üblen Lage. Aus dem Innern fehlten meist alle einigermaßen zuverlässigen geographischen Unterlagen und Fixpunkte für eine genauere Grenzfestsetzung. In dieser Notlage griff man damals vielfach dazu, die binnenländischen politischen Grenzen der Interessengebiete nach Längen- und Breitengraden, also in ganz gekünstelter Weise, unbekümmert um etwaige nachteilige Folgen einer derartigen rohen, die geographischen, hydrographischen, orographischen Verhältnisse und vor allem die ethnographische Zusammengehörigkeit der Bewohner des Hinterlandes nicht berücksichtigenden Gebietsaufteilung vertraglich festzulegen. Diese Methode glich vielfach einem Lotteriespiel und hat nachträglich oft herben Tadel erfahren. Sie war aber leider beim besten Willen nicht zu vermeiden, da bei dem allgemeinen Wettlauf der Mächte, sich im letzten Augenblick noch ein Stück von Afrika zu sichern, eine andere Methode nicht möglich war. Denn die Kartenangaben über das Innere waren meist so vage und unsichere, daß man bei G. nach Flüssen, Gebirgen, Seen oder Orten erst recht nachträglichen unliebsamen Überraschungen ausgesetzt werden konnte, wie das ja auch tatsächlich mehrfach vorgekommen ist. Es sei hier nur an die überraschend große Verschiebung des Ortes Andara, der in dem deutsch - portugiesischen Grenzvertrag vom 30. Dez. 1886 und indirekt auch bei dem deutsch - englischen Grenzvertrag vom 1. Juli 1890 eine Rolle spielt, an die Verschiebung des Ostufers des Eduardsees gegen den 30. Meridian, die in den Grenzstreitigkeiten zwischen dem Kongostaat und England zutage trat, an die Serra Canna, die in dem oben genannten deutschportugiesischen Vertrag auf Grund damaliger Karten genannt wird und die nicht vorhanden ist, an das englisch-französische Grenzabkommen vom 14. Juni 1898, welches die Nordgrenze von Northern Nigeria derart festsetzte, daß den Franzosen die direkte Überlandverbindung vom Niger nach dem Tsad wegen der Wasserlosigkeit des Gebietes fast unmöglich gewesen wäre, wenn das Abkommen nicht noch nachträglich zu ihren Gunsten abgeändert worden wäre, erinnert. Schließlich auch an den "Mfumbiroberg", der nach den damaligen Karten erheblich östlich vorn 30. Meridian im deutschen Gebiet liegen sollte, dessen Besitz sich England aber in dem deutschenglischen Abkommen vom 1. Juli 1890 ausdrücklich vorbehalten hatte. Später ergab sich, daß die Virungavulkane, die mit dem "Mfumbiro" mehr oder weniger identifiziert werden konnten, in dem zwischen Deutschland und dem Kongostaat strittigen Kiwugebiet westlich vom 30. Grad lagen. Auch der Freiwillige Verzicht auf Gebiete, die später einen unerwartet hohen Wert bekommen, muß hier erwähnt werden. Das berühmteste Beispiel in dieser Hinsicht, der Verkauf des später als so goldreich erkannten Alaska durch die russisch - amerikanische Handelskompagnie an die Vereinigten Staaten für den lächerlichen Betrag von 7,2 Millionen Doll. im Jahre 1867 gehört ja eigentlich nicht hierher, wohl aber die Tatsache, daß der Vertrag zwischen Deutschland und der Association internationale du Congo (s. Association Internationale Africaine) vom 8. Nov. 1884 letztere vom Besitz des jetzt als so kupferreich erkannten Katangagebietes ausschloß, während acht Monate später mit der Anerkennung der Neutralitätserklärung des Kongostaates vom 1. August 1885 durch Deutschland ersterer mühelos in den Besitz dieses zukunftreichen Gebietes gelangte. Wäre der deutsche Forschungsreisende Paul Reichard (s.d.), der den Kupferreichtum des Landes des Sultans Msiri im Mai 1884 zuerst erkannte, einige Monate früher nach Deutschland zurückgekehrt, als es im Sommer 1885 tatsächlich geschah, so würden die politischen Grenzverhältnisse in jenem Teil Afrikas sich wohl anders gestaltet haben. Das gleiche kann man von der Südwestküste Afrikas mit ihren Diamantenvorkommnissen sagen, als England es noch im Jahre 1883 ablehnte, im Damaraland zu intervenieren und den Kämpfen unter den Eingeborenen im Interesse der Rheinischen Missionsgesellschaft (s. d.) ein Ende zu machen. -Die, Grenzabkommen, die Deutschland seit 1884 mit seinen kolonialen Nachbarn im Laufe der Zeit abgeschlossen hatte, bedingten die Aussendung von Expeditionen, um diese Grenzen an Ort und Stelle festzulegen. Diese Festlegung ist nach völkerrechtlicher Übung nur möglich durch gemeinsame Expeditionen, bei denen jede der in Betracht kommenden Nationen durch Kommissare vertreten ist. Eine einseitige Grenzvermarkung, wie sie z.B. England bei seinem Walfischbaiterritorium im Jahre 1885 vorgenommen hatte, ist nach dem im Jahre 1911 ergangenen Schiedsspruch unverbindlich. Da die Kosten von Grenzexpeditionen sehr hohe sind - sie hängen natürlich wesentlich von der Länge der zu vermessenden Grenze, der Dauer der Expedition und der Zahl der an ihr beteiligten Weißen ab, und man wird nach den vorliegenden zahlreichen Erfahrungen die Kosten bei 3 - 4 Weißen, den nötigen Trägern und der Begleiteskorte pro Jahr auf ca. 115 000 bis 120 000 M zu veranschlagen haben - so werden sie meist so lange hinausgeschoben, bis die wirtschaftliche und verwaltungsmäßige Entwicklung der betreffenden Schutzgebiete oder politische Gründe, das Eindringen von fremden Händlern usw. eine solche Maßnahme unbedingt erforderlich machen. Die zahlreichen Grenzexpeditionen, welche die verschiedenen in Afrika interessierten Nationen seit etwa 1890 auszusenden gezwungen waren, haben sehr wesentlich dazu beigetragen, das Kartenbild von Afrika zu vervollständigen. Da bei diesen Expeditionen meist eine Reihe von Punkten astronomisch nach Länge und Breite so scharf festgelegt werden, wie es mit transportablen Instrumenten überhaupt möglich ist, so ist eine große Anzahl von Fixpunkten geschaffen worden, die für die Kartographie von Afrika von erheblichem Nutzen gewesen sind. Man wird die Genauigkeit der Ortsbestimmungen für solche Punkte, an denen astronomische Längen mit Hilfe von Mondhöhen, Mondkulminationen oder Sternbedeckungen vorgenommen worden sind und die meist mehrere Monate Zeit erfordern, bei den deutschen Expeditionen auf +/- 1 - 2 Bogensekunden in Breite und etwa 1 - 2 Bogenminuten in Länge ansetzen dürfen. Bei der (zum erstenmal während der deutschfranzösischen Grenzvermessung 1912/13 angewandten) drahtlosen Telegraphie zur Längenübertragung ist das Ergebnis der Bestimmung erheblich günstiger (etwa +/- 0.5 Zeitsekunden d. h. zirka 8 Bogensekunden). Auch erfordert diese Methode bedeutend weniger Zeit als die absolute Längenbestimmung. Da die vertragsmäßigen Grenzen nach Längen- und Breitengraden, wie oben bereits gesagt wurde, nur einen ersten Notbehelf darstellen und für die Praxis oft sehr unbequem sind, da sie häufig Ortschaften und ganze Volksstämme durchschneiden, so wird es- im beiderseitigen Interesse liegen, derartige künstliche Grenzen, sofern sie nicht durch Wüsten und unbewohnte Gebiete führen, durch natürliche, sich an Flüsse, Bäche, Wasserscheiden und andere Terrainobjekte anschmiegende Grenzen zu ersetzen. In solchen Fällen wird dann am zweckmäßigsten so vorgegangen werden, daß zunächst durch Besprechungen von sachverständigen Vertretern der beteiligten Regierungen ein Arbeitsplan für die zur Feststellung der Grenze auszusendende gemischte technische Kommission vereinbart wird. Letztere tritt an dem verabredeten Termin an Ort und Stelle zusammen, macht die erforderlichen astronomischen Ortsbestimmungen und nimmt längs der vertragsmäßigen Grenzlinien einen Gebietsstreifen von etwa 5 - 10 km Breite links und rechts von ihnen topographisch auf. Sie kehrt dann nach Europa zurück, um die astronomischen Beobachtungen genau berechnen und mit Hilfe der so gewonnenen Fixpunkte sowie der Geländeaufnahmen ein tunlichst zuverlässiges Kartenbild der Grenzgegend herstellen zulassen. Dann wird von den beteiligten Staaten eine diplomatische Kommission eingesetzt, die zunächst die beiderseitigen Karten prüft, sich auf Mittelwerte der astronomischen Ortsbestimmungen einigt und die dann auf Grund dieser Unterlagen ihren Regierungen Vorschläge zur Gewinnung einer natürlichen und möglichst praktischen Grenzziehung unterbreitet. Der hierbei ev. erforderlich werdende stellenweise Gebietsaustausch wird nach dem Gesichtspunkt der Gleichheit der auszutauschenden Gebiete, also unter Wahrung des Gesamtbesitzstandes vorgenommen. Wenn die Bedürfnisse nach Erlangung einer natürlichen Grenze den Austausch von Gebieten von sehr verschiedenem wirtschaftlichen Wert, z.B. von gut bevölkerten und menschenleeren Strichen, von kautschukreichen Urwald- und armen Savannengebieten erforderlich erscheinen lassen, so werden diese verschiedenwertigen Flächen nach einem gewissen, zu vereinbarenden Verhältnis, z.B. 1 : 2 oder 1 : 10, aufgerechnet. Hat diese diplomatische Kommission ihr Werk beendet und sich auf eine bestimmte, mehr oder weniger natürliche Grenze geeinigt, so unterbreitet sie ihre Vorschläge in einem doppelsprachigen Protokoll den beteiligten Regierungen, die dann mittels Notenaustausches die Kommissionsvorschläge ratifizieren. Es -wird dann meist noch die Aussendung einer zweiten, der sog. Vermarkungskommission erforderlich. Diese hat die von der diplomatischen Kommission vereinbarten Grenzpunkte an Ort und Stelle durch Steinhaufen, Zementpfeiler, eiserne Telegraphenstangen (in den subtropischen trockenen Wüstengebieten wie in Südwestafrika gegen Britisch - Betschuanaland sind sogar eiserne Grenztafeln verwendet worden) zu vermarken und über ihre Tätigkeit ein Protokoll aufzunehmen, das später ebenfalls durch Notenwechsel von seiten der beteiligten Staaten noch zu ratifizieren ist. Das Verfahren ist also ein recht zeitraubendes und' umständliches. Bei einigermaßen längeren Grenzstrecken vergehen leicht 4 - 6 Jahre, ehe die Sache ins reine gebracht ist. Zuweilen können sich aber die technischen Kommissionen über die Auslegung der ursprünglichen Grenzverträge nicht einigen, oder die diplomatische Kommission stellt unaufklärbare Differenzen in den grundlegenden astronomischen Ortsbestimmungen fest, oder sie sieht sich nicht in der Lage, den Vorschlägen der technischen Kommissare beizutreten. Dann müssen unter Umständen erneut Expeditionen zur Nachprüfung und Beschaffung von weiteren Unterlagen an Ort und Stelle gesandt werden, so daß sich solche Grenzstreitigkeiten leicht Jahrzehnte lang hinziehen können. Ist auch dann keine Einigung zu erzielen, so muß schließlich die Frage einem von einer dritten unbeteiligten Macht in Vorschlag gebrachten Schiedsrichter oder dem Haager Schiedsgericht zur endgültigen Entscheidung unterbreitet werden, ein Verfahren, das mit erheblichen Kosten verbunden ist. Denn die ursprünglich wohl allgemein ehrenamtliche Tätigkeit solcher Schiedsrichter hat mit der Häufung derartiger Schiedsfälle ein natürliches Ende genommen. Die Kosten werden meistens von den streitenden Parteien gemeinsam getragen und sind selbst in den einfachsten Fällen erheblich. Die besten Grenzen für afrikanische Verhältnisse liefern menschenleere Landstriche, Gebirge oder Seen. Flüsse mit einer gleichartigen dichteren Bevölkerung an beiden Ufern sind als Grenzen tunlich zu vermeiden, weil die an sich so wenig seßhaften Afrikaner es dann zu leicht haben, sich den ihnen unliebsamen Verwaltungsmaßnahmen, Steuerzahlen usw. durch Wanderung auf das andere Ufer zu entziehen. Das gibt dann leicht Anlaß zu Reibungen zwischen den beteiligten Staaten.

Grenzexpeditionen. (Auf deutscher Seite sind die Namen sämtlicher an den Messungen beteiligten Expeditionsmitglieder aufgeführt, von der Gegenpartei nur der Name des ersten Kommissars. Die Namen der beiderseitigen ersten Kommissare sind gesperrt gesetzt. Die deutschen Leiter der wichtigeren Grenzexpeditionen sind unter ihrem Namen als besonderes Stichwort zu finden.)

Deutsch-Ostafrika:

1. Deutsch- engl. Grenze. Küste (Umbamündung) -Kilimandscharo. Dr. K. Petors (s.d.), Forstref. Vogler (gest. 15. April 1891 Tanga), Geometer Haßmann, Lt. z. S. Fromm Konsul Ch. Stuart Smith. Febr. bis Dez. 1892. Schlußprotokoll Sansibar 24. Dez. 1892. Vertrag 25. Juli 1893 in Ergänzung der Grenzbestimmungen nach Notenaustausch vom 29. Okt. bzw. 1. Nov. 1886.-

2. Deutsch- portug. Grenze Kap Delgado - Rowuma. Dr. Fr. Stuhlmann (s.d.) - De Sepulveda. Febr. 1895. Protokoll vom 24. Febr. 1895. Nachträgliche Korrektur des Grenzpunktes auf dem Wege Tungi -Mbwisi durch Protokoll vom 9. Dez. 1896. -

3. Detailfeststellung der deutsch- engl. Grenze zwischen Ras Jimbo und Jassin. Dr. Maurer (s.d), Landm. Böhler - Konsul A. Hardinge. März 1897.3a. Wiederholt durch Dr. Stuhlmann - Konsul Russel. Protokoll 14. Febr. 1900. Durch Notenwechsel genehmigt 19. bzw. 27. Juli 1900.-

4. Deutsch- engl. Grenze zwischen Hjassa- und Tanganjikasee. Hauptmann a. D. Herrmann (s.d.), Oberl. Glauning (s.d.), Dr. Kohlschütter (s. d.) - Capt. C. F. Close. April bis Dez. 1898. Protokoll 11. Nov. 1898. Abkommen 23. Febr. 1901. Im Anschluß hieran die sog. Pendelexpedition (s.d.). -

5. Deutsch- kongolesische Grenze im Kiwuseegebiet. Gemäß Berliner Protokoll vom 10. April 1900. Hauptmann a. D. Herrmann, Prof. Dr. E. Lamp (gest. 10. Mai 1901), Lt. H. Fonck (s. d.), Lt. Schwartz, Geom. Tech. Dannert, Feldw. Richter - Capt. Bastien. Aug. 1900 bis Juni 1902. Triangulation vom Nordende des Tanganjika bis 1° s. Br. Keine Verständigung mit dem Kongostaat. -

6. Deutsch- engl. Grenze gegen Uganda westl. vom Victoriasee. Hauptmann Schlobach (s.d.), Lt. Schwartz, Lt. Weiß ' Dannert, Richter Major Delmé -Radcliffe. März 1902 bis Ende 1903. Telegr. Längenanschluß von Port Florence an Mombassa. -

7. Deutsch- engl. Grenze östl. vom Victoriasee bis zum Kilimandscharo. Hauptmann Schlobach, Schwartz, Weiß, Dannert, Serg. Buchner - Lt. - Col. G. E. Smith. Beginn Febr. 1904 bei Schirati, Ende Dez. 1905 mit trigon. Längenanschluß der Küste an Sansibar. Protokoll vom 18. Juli 1906 zu Berlin mit Vorschlägen über Grenzführung von 30° ö. Gr. bis zum Djipesee, jedoch wegen Mfumbirofrage (s.d.) bislang noch nicht ratifiziert. -

8. Deutsch- portug. Grenzvermessung am Njassasee. Hauptmann Schlobach, Oberl. Abel, Lt. Correck - Capt. Lt. Augusto Ed. Neuparth. April bis Okt. 1907. Deutschland gewinnt am Ostufer des Njassa gegenüber der portug. Grenze ca. 500 qkm und 26 km Küstenlinie. Neue Grenze beginnt an der Mündung des Kiwindibaches. Im Anschluß hieran:

9. Neue Vermessung und Vermarkung der deutsch - portug. Grenze von Kap Delgado - Rowuma. Hauptmann Schlobach, Dr. Castens Antonio Julio de Brito. Mai bis Juli 1908. Beide Grenzregulierungen ratifiziert durch Notenaustausch vom 23. bzw. 24. Nov. 1909, die Verteilung der im Rowuma gelegenen Inseln erfolgt durch Notenaustausch zwischen Deutschland und Portugal vom 20. März 1913. -

10. Deutsch- belgisch - englische Grenzvermarkungsexpedition am Kiwusee, auf dem Kamm der Virungavulkane und in West - Mpororo. Major a. D. Schlobach, Hauptmann a. D. H. Fonck -Command. Bastien - Major E. M. Jack. Infolge der gemeinsamen Verhandlungen in Brüssel von Jan. bis Mai 1910 gemäß Abkommen vom 14. Mai 1910. Grenzprotokoll mit Belgien vom 25. Juni 1911. Grenzprotokoll mit England vom 13. Okt. 1911. Letzteres Protokoll und das vom 18. Juli 1906 (s. Nr. 7) ist in ein deutsch-englisches Gesamtabkommen über die Grenze vom Sabinjoborg bis zum Djipesee verarbeitet.

Togo:

1. Erste Vermarkung der deutsch- engl. Grenze westlich von Lome auf 2 1/2 engl. Meilen landeinwärts gemäß Notenwechsel vom 11. bzw. 22. Juni 1885 durch engl. Kommissar Cecil Dudley auf gemeins. Kosten. Juli 1886.

2. Deutsch- franz. Grenze gemäß Protokoll vom 24. Dez. 1885. Kommissar Falkenthal (s.d.) Lt. - Gouv. Bayol. Protokoll vom 1. Febr. 1887. Nur Küstenpunkte am Bayolmeridian festgesetzt. Theoretisch Bayolmeridian bis 9° n. Br. vereinbart. Ratifiziert durch Notenwechsel vom 1. bzw. 20. April 1887. -

3. Deutsch- engl. Grenzkommission zur Abgrenzung des. engl. Kittabezirks. Graf M. Pfeil, Dr. E. Küster (gest. Akrosso 24.April 1892) - Riby Williams, Hull (Astronom). Jan. bis April 1892. Nicht ratifiziert.-

4. Deutsch- franz. Grenze im unteren Monugebiet bis 7° n. Br. Dr. H. Gruner (s.d.) - Capt. Colson. Febr.bis April 1893. Protokoll vom 13. April 1893.-

5. Deutsch- franz. Grenze. Oberl.v. Massow (gest. 23. Juli 1899), Dr. Rigler, seit Mai 1899 Oberl. Preil -Command. Plé, als Astronom Brisson. Juni 1898 bis Jan. 1900. Protokoll vom 1.7. Nov. 1899 in Gandu. Grenze von der Küste bis 11° n. Br. begangen. Komm. - Verhandlungen in Paris vom 10. Juli bis 1. Okt. 1901. Abkommen wurde nicht ratifiziert wegen fehlerhafter Bestimmungen des Bayolmeridians zwischen 7° und 9° n. Br.

6. Deutsch- engl. Grenzkommission zur Aufteilung der neutralen Zone auf Grund der Kommissionsbeschlüsse vom 5. März 1901 zu Berlin. (Verhandlungen mit Sir William Everett Nov. 1900 bis März 1901. Protokoll vom 5. März 1901 genehmigt durch Notenaustausch vom 26. Sept. bzw. 2. Dez. 1901). Graf Zech (s. d.), Hauptm. v. Seefried (s. d.), Vizewachtm. Sohn, Serg. Koch Capt. Johnston. Okt. 1901 bis Sept. 1902. Protokoll über Grenzführung. Grenzprojekt genehmigt durch Notenaustausch 25. Juni 1904. -

7. Zweite Begehung und Vermarkung der deutsch -engl. Kittabezirkgrenze mit Ausnahme des strittigen Teiles im Gebiet des Akkaflusses. Gemäß der Bestimmungen des Abkommens vom 1. Juli 1890. Hauptmann v. Seefried, Geometer Arendt - Lt. Coningham. Mai bis Okt. 1904. Schlußprotokoll vom 11. Okt. 1904. -

8. Deutsch- engl. Expedition zur Vermarkung der die Neutrale Zone aufteilenden Grenze (s. Nr. 6) vom 90 bis 11° n. Br. gemäß Notenaustausch vom 1. bzw. 9. Okt. 1904. Hauptmann v. Seefried - Capt. Des Vaeux. Okt. bis Dez. 1904. Schlußprotokoll 30. Dez. 1904. Ratifiziert ebenso wie die Vermarkung zu 7. durch Notenaustausch vom 18. Mai und 7. Nov. 1907. -

9. Deutsch- franz. Grenze. Hauptmann v. Seefried, Lt. v. Reitzenstein, Lt. Heilingbrunner Capt. Fourn. Sept. 1908 bisDez. 1909. Zunächst Neubestimmiing der Lage des Bayolmeridians durch telegr. Zeitübertragung, im April 1909 nochmalige Begehung der ganzen Grenze bis zur Nordwestecke von Togo vereinbart. Zunächst keine volle Verständigung erzielt, auch nicht durch Komm. Verhandlungen vom Nov. 1910 bis April 1911 in Paris, schließlich durch Vereinbarung vom 25. September 1912. Hierauf -

10. Vermarkung der ganzen deutsch - franz. Grenze durch Oberl. Heilingbrunner - Capt. Fourn. Nov. 1912 bis Okt. 1913.

Kamerun:

1. Deutsch- engl. Expedition Rio del Rey -Großschnellen. Hauptmann a. D. v. Besser - Capt. C. F. Close. Okt. bis Nov. 1895. Vorläufig ergebnislos. Grenze nach Abkommen vom 14. April 1893 beibehalten nach Notenwechsel vom Mai 1899. -

2. Deutsch- franz. Grenzvermessung im Sanga - Ngokogebiet und an der Kampomündung. Hauptmann Engelhardt (s.d.), Oberl. v. Restorff (an seiner Stelle seit Juni 1901 Oberl. Förster), Stabsarzt Hoesemann, Lt. S'chultz (gest. Nov. 1901 in Mabore, an seine Stelle Lt. Frank), Serg. Peter - Administrateur Dr. Cureau. Nov. 1900 bis Okt. 1902. -

3. Deutsch- engl. Grenzvermessung Jola - Tsadsee. Hauptmann Glauning (s.d.), Oberl. Marquardsen, Lt. v. Stephani, Lt. Schultze - Lt. - Col. L. Jackson. Jan. 1903 bis Juni 1904. Kommissionsprotokolle zunächst nicht ratifiziert. Ratifikation durch Notenaustausch vom 12. u. 16. Aug. 1906.

4. Vermarkung vorstehender Grenze unter kleinen Abänderungen. Oberl. v. Stephani - H. Vischer bzw. Capt. Vicars Boyle. Okt. 1906 bis April 1907. Ratifiziert durch Notenaustausch vom 5. März 1909. -

5. Zweite deutsch- engl. Grenzvermessungs- und Vermarkungsexpedition Rio del Rey - Großschnellen (s. Nr. 1). Hauptm. a. D. Herrmann (s.d.), Oberl. v. Roebel, Polizeimeister Wolf - Capt. J. A. Woodroffe. Nov. 1905 bis April 1906. Begehung der Grenze von Arsibong bis 40 km östlich von Obokum. Protokoll im allgemeinen genehmigt, Ratifikation bis zur Einigung über freie Schiffahrt auf dem Kreuzfluß noch ausgesetzt. -

6. Deutsch- franz. Ostkamerun Grenzexpedition. Hauptmann v. Seefried, Oberl. Winkler, Lt. v. Reitzenstein, Kartograph O. Freier (gest. 22. Febr. 1907 Garua) - Command. Moll. Sept. 1905 bis April 1907. -

7. Deutsch- franz. Südkamerun - Grenzexpedition. Hauptm. O. Förster (s. d.), Oberl. Schwartz - Capt. A. Cottes. Dez. 1905 bis Okt. 1906. Auf Grund der Resultate der Expeditionen zu 6. und 7., Grenzabkommen vom 18. April 1908 in Berlin, ratifiziert 28. Juli 1908 .- Im Anschluß an Nr. 7:

8. Deutsch- spanische Grenzexpedition. Hauptmann O. Förster Prof. Henrique d'Almonte. Nov. 1906 bis Jan. 1907. Die Kommissare legen unter dem 28. Aug. 1908 auf Grund von Besprechungen in Madrid Grenz vorschläge vor. Angelegenheit noch in der Schwebe. -

9. Deutsch- engl. Jola - Croßschnellen -Vermessungsexpedition. Major Haering (nur während der 1. Kampagne), später Oberl. v. Stephani, Oberl. Rothe, Lt. Cuno, Oberl. Bartsch (2. Kampagne) Major G. F. A. Whitlock. Juli 1907 bis Mai 1909 (mit Unterbrechung während der Regenzeit 1908). Protokoll vom 16. 4. 1909 in Bascho. Grenzverhandlungen Okt. 1909 in London mit Protokoll vom 6. Okt. 1909. Ratifikation erst 11. März 1913 (wegen Einschluß einer Vereinbarung über freie Schiffahrt auf dem Kreuzfluß). -

10. Deutsch- franz. Vermarkungsexpedition der Ost- und Südgrenze:

a) von Kunde nordwärts bis zum Tsadsee. Oberl. Winkler - Administr. Brussaux. Dez. 1908 bis Juli 1909;

b) von Kunde süd- und westwärts. Oberl. Schwartz -Comm. Périquet. Dez. 1908 bis Juli 1909. Die Protokolle beider Expeditionen sind vor ihrer Genehmigung überholt durch das deutschfranz. Kamerunabkommen vom 4. Nov. 1911.

11. Deutsch- engl. Vermarkungsexpedition auf Strecke Jola - Kreuzfluß. Oberl. Detzner, V. F. Foerstl - Capt. Nugent vom Okt. 1912 bis April 1913. -

12 . Deutsch- franz. Vermessung zur Festsetzung der Grenzen von "Neukamerun" auf Grund des Abkommens vom 4. Nov. 1911 (ratif. 12. März 1912) und der Erklärung vom 28. Sept. 1912 (Berner Konferenz). Deutscherseits Teilung in Süd- und Ostabschnitt unter je selbständiger Oberleitung von Major Zimmermann und Hauptmann a. D. v. Ramsay, französischerseits einheitliche Leitung durch Administrateur Périquet. Auf dem Südabschnitt vermaßen:

a) Monda- Dschua- Grenzexpedition Hauptmann Abel, Hauptmann Trenk, Lt. von Prankh, Geograph Dr. Gehne, Dr. med. Oberg, Feldw. Seifert, Techniker Müller - Capt. Crépet. Dez. 1912 bis Okt. 1913;

b) Ssanga- Dschua- Grenzexpedition Major Ritter, Hauptmann v. Elpons, Geograph Dr. Maywald Lt. Karcher. Dez. 1912 bis Juni 1913. Auf dem Ostabschnitt vermaßen:

a) Konjo- Lobaje- Grenzexpedition Hauptmann Horn, Hauptmann Geisler, Lt. Lüders, Dr. med. Siebert - Capt. Thomas. Dez. 1912 bis Juli 1913;

b) Logone - Pama - Grenzexpedition Hauptmann Bartsch, Hauptmann Tiller, Lt. Ebert, Dr. med. Houy (gest.), Unterzahlm. Wedderkopf -Lt. Guillemet. Jan, bis Aug. 1913;

c) Lobaje - Pama - Sonderexpedition und Absteckung des deutschen Kongoufers bei Bonga Hauptmann a. D. v. Ramsay (neben seiner Oberleitung) Administrator Périquet. Jan. bis Aug. 1913. Schlußprotokoll der gesamten Vermessung soll Anfang 1914 durch die Oberleiter in Brüssel vereinbart werden.

Deutsch- Südwestafrika:

1. Deutsch - engl. Grenze gegen Britisch - Bechuanaland vom Oranjefluß im Süden bis zum Schnittpunkt des 22° s. Br. mit 21° ö. Gr. bei Rietfontein - Nord. Wegen der Unwegsamkeit des Landes, der Personal-, Transport- und Verpflegungsschwierigkeiten äußerst kostspielige und langwierige Grenzfeststellung, durchweg auf Triangulation beruhend. Im Anschluß daran Grenzvermarkung mit 102 eisernen Tafeln . Oberl. Wettstein, vom 1. Dez. 1900 ab Oberl. O. Doering, Landmesser Gaertner und Heimann - Major Laffan. Aug. 1898 bis Sept. 1903 mit mehrfachen Unterbrechungen. Ergebnisse dargelegt in der Schrift von Sir David Gill, kgl. Astronom am Kap: Bericht über die Grenzvermessung zwischen Deutsch - Südwestafrika und Britisch - Bechuanaland. Berlin 1906. (Auch englischer Text.) -

2. Absteckung der Grenzen des Walfischbai -Territoriums, nachdem die Grenzstreitigkeit durch Schiedsspruch vom 23. Mai 1911 erledigt ist. Landmesser Schmidt - Garwood Alsten. Sept. 1913 bis etwa März 1914.

Deutsch-Neuguinea, Kaiser-Wilhelmsland :

1. Deutsch - engl. Grenzexpedition längs des 8° s. Br. bis 147° ö. Gr. Hauptm. O. Foerster (s.d.), Bergassessor Stollé (s.d.) - Landmesser G. Sabine. Nov. 1908 bis Okt. 1909. Wegen Erkrankung Foersters einseitige Grenzabsteckung durch engl. Komm. - provisorisch anerkannt Mai 1911.

2. Deutsch- niederländische Grenzexpedition zur Bestimmung der Lage des 141° ö. Gr. Prof. Dr. L. Schultze (s.d.), Oberl. Findeis, Bergassessor Stollé, Dr. med. Kopp - Lt. z. S. 1. Kl. Luymes. Febr. 1910 bis Febr. 1911. Die Lage des Grenzmeridianes konnte der Terrain- und Verpflegungsschwierigkeiten wegen nur in der Küstenregion am Tamifluß und am Kaiserin Augustafluß (Sepik) bestimmt werden. - 3. Dez. 1913 Entsendung von Oberl. Detzner zur Nachprüfung englischer Grenzabsteckung am 8° s. Br. (s. 1) zwecks endgültiger Anerkennung derselben.

Danckelman.