Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 757

Grippe (Influenza), Infektionskrankheit, welche durch den von R. Pfeifer entdeckten influenzabazillus erzeugt wird. Die klinischen Symptome der Influenza bestehen in Fieber, Kopfschmerz und allgemeinem Gefühl von Mattigkeit und Abgeschlagenheit, Kreuz- und Gliederschmerzen. Dabei entwickeln sich die Anzeichen einer katarrhalischen Reizung der Luftwege. Schnupfen, Augentränen, Husten, Heiserkeit und dabei Kopfschmerz bilden die hervortretendsten Erscheinungen der Influenza. Steigt die katarrhalische Reizung, dem Wege der Bronchien folgend, bis zu deren Endverzweigungen hinab, so kann es zu schweren Erscheinungen, Luftmangel durch Bronchitis, ja zur Lungenentzündung kommen, durch welche nicht selten, besonders bei alten Leuten, ernste Gefahr entsteht. Die Behandlung besteht, solange Fieber vorhanden ist, in Bettruhe, Prießnitzpackungen von Brust oder Hals und in der Darreichung von Fiebermitteln (wie Antipyrin, Phenazetin, Aspirin). Häufig erweisen sich Schwitzpackungen als sehr nützlich. Heiße Getränke werden als angenehm empfunden. Für die Rekonvaleszenz ist große Vorsicht anzuraten, da Schwächezustände und Neigung zu Rückfällen häufig längere Zeit bestehen bleiben. Von den deutschen Kolonien scheinen die Inseln der Südsee am schwersten unter Influenza zu leiden zu haben. Dort treten schwere Influenzaepidemien auf, welche bisweilen mit Gehirnerscheinungen nach Art der Meningitis cerebrospinalis (berichtet von Nauru; s. Genickstarre) kompliziert sind. Manches von dem, was dort als Influenza bezeichnet wird, dürfte Denguefieber (s.d.) oder epidemische Genickstarre (s.d.) sein.

Werner.