Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 765 f.

Grundkredit. Das Wesen des G., den man auch als Boden- oder Hypothekarkredit bezeichnet, liegt in erster Linie in seiner Langfristigkeit. Seine Befriedigung und Ausgestaltung wird in kolonialen Ländern, in denen die wirtschaftlichen Werte noch im Entstehen begriffen sind, erst. nach Schaffung einigermaßen stabiler Verhältnisse erfolgen können. Das Risiko für den Gläubiger, der sein Geld auf längere Zeit festlegt, besteht in solchen Ländern besonders darin, daß sowohl durch politische Verhältnisse als auch durch natürliche Einwirkung oder besondere Naturereignisse sehr leicht eine Verminderung oder Zerstörung geschaffener Werte herbeigeführt werden kann. Dieses Risiko wird zum Teil durch Festsetzung eines sehr hohen Zinsfußes ausgeglichen. - Soweit in den deutschen Schutzgebieten G. gewährt worden ist, ist dies bis in die jüngste Zeit von privater Seite geschehen. In erster Linie wurden von dieser Seite die städtischen Grundstücke beliehen. In den ländlichen Bezirken, die erst neu erschlossen sind und wo ein sicherer Marktwert des Bodens noch nicht vorhanden ist, hat aber der private Geldgeber meistens versagt. - Zur ausreichenden Befriedigung des G. bedarf es wegen, der langfristigen, nicht kündbaren Darlehen meist besonderer Institute, die sich die erforderlichen Mittel auch durch Ausgabe von Inhaberschuldverschreibungen auf Grund der erworbenen Hypotheken verschaffen. Der ländliche Bodenkredit basiert ausschließlich auf dem Gund und Boden mit seinen Meliorationen und, gegebenenfalls auch den Gebäuden. Das lebende Inventar bleibt für die Wertfestsetzung meist außer Betracht. Die Darlehne werden durch hypothekarische Eintragung gesichert. In manchen Fällen bleibt nach erfolgter Rückzahlung eines Teils des Darlehens der Rest als dauernde Hypothek auf dem Grundstück stehen (s. Kreditwesen, Bodenkreditbanken und Landwirtschaftlicher Kredit). In unseren Schutzgebieten ist jetzt für den städtischen Grundkredit die Südwestafrikanische Bodenkreditgesellschaft (s.d.) tätig. Der Förderung des landwirtschaftlichen G. dient die Landwirtschaftsbank für Deutsch-Südwestafrika (s.d.). In anderen Schutzgebieten ist der G. noch nicht organisiert. Neuerdings sind in Deutsch-Ostafrika Wünsche wegen Schaffung eines städtischen und landwirtschaftlichen Kreditinstituts hervorgetreten (s. Kreditwesen, Bodenkreditbanken, Landwirtschaftsbank).

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