Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 771

Guineaküste, im weitesten Sinne die Westküste Afrikas vom Kap Verde etwa bis einschließlich der portugiesischen Kolonie Angola, im engeren Sinne die Küsten der Guineabucht (s.d.), also. etwa vom Kap Palmas bis zur Kongomündung. Im Innern dieser Bucht liegt die deutsche Kolonie Kamerun. Die ostwestlich verlaufende Küste heißt Oberguinea, die nordsüdlich verlaufende Niederguinea. An Kamerun grenzen im Westen die englische Nigerkolonie, im Süden Französisch - Kongo, während Spanisch - Guinea eine Enklave im deutschen Gebiete bildet. - Die G. ist zum größten Teil Flachlandküste. Ungefähr von Kribi ab tritt der Rand als Südkameruner Randgebirge in nordöstlicher Richtung zurück, und davor breitet sich das Alluvialland der Flüsse, das am Sanaga eine Breite von 10 km, westlich des Kamerunbergs eine solche von 90 km, im Rio del Rey - Gebiet aber ca. 40 - 50 km Breite erreicht. Die aufschüttende Wirkung der Flüsse dauert bis in die Jetztzeit fort, unterstützt durch das Wachstum der Mangroven. Die Küstengestaltung steht unter dem Einfluß zweier Strömungen, des Guineastroms, die in ihrer Richtung -von Westen nach Osten den äquatorialen Gegenstrom darstellt, und des Benguellastroms, der kühles Wasser von Süden dem Äquatorialstrom zuführt. Diese Strömungen ändern ihren Wirkungsbereich im Laufe des Jahres. Die vorherrschenden Winde sind im Sommer der Südwest - Monsun, im Winter, wenn das Minimum in Afrika südlicher liegt, herrscht eine nordöstliche Windrichtung vor, die init dem Harmattan identifiziert worden ist. Die Winde genügen nicht zur Erklärung - der außerordentlichen Gewalt der Brandung,die in Kamerun unter dem Namen Kalema bekannt ist. Sie ist wahrscheinlich, eine Fernwirkung südatlantischer und antarktischer Stürme, wie sie unter dem 50. Breitengrad im Winter vorkommen. Dem gemeinsamen Wirken der Kräfte von Meeresströmungen und Wellen ist es zuzuschreiben, daß die Sinkstoffe der Flüsse in langen, schmalen Nehrungen abgelagert werden, hinter denen sich Lagunen bilden. Eine andere charakteristische Erscheinung sind die tiefen Ästuarien, in die verhältnismäßig unbedeutende Flüsse münden. Die Flüsse stehen im Tiefland fast alle durch zahlreiche Kricks miteinander in Zusammenhang. - Das Klima der G. ist nicht exzessiv heiß, aber infolge der vorherrschenden Südwestwinde sehr feucht. Infolge der abkühlenden Wirkung des Benguelastroms ist die Wolkenbildung während eines großen Teils des Jahres bedeutend. Die Niederschläge erreichen besonders am Kamerunberg extreme Werte. Die Verteilung der Regen ist in den verschiedenen Regionen der G. verschieden. Die ganze G. ist im allgemeinen als sehr ungesund zu bezeichnen.

Passarge - Rathjens.