Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 773

Gummi arabicum, eine Gruppe amorpher Kohlenhydrate, entstanden durch chemische Umwandlung der Zellulose in Holz und Rinde zahlreicher Arten der Gattung Acacia (Fam. d. Leguminosen), der sog. "Gummi - Akazien". Das Gummi tritt in Form einer dickflüssigen, klaren, farblosen oder gelblichen bis braunen Lösung an Verletzungen der Stämme, Äste und Zweige der Akazien hervor und erhärtet alsbald zu rundlichen Knollen (s. Tafel 62 und Tschirch, Taf. IX) oder in Zapfenform. Die Verletzungen können künstliche sein, erzeugt durch Anhauen oder Anschneiden, oder aber natürlich entstehen durch Aufplatzen der Binde (infolge von Spannungsdifferenzen), oder durch Insekten und andere Tiere. Die Hauptmenge des auf den Markt gebrachten Gummis stammt aus dem ägyptischen Sudan und aus Senegambien (Senegalgummi). In den afrikanischen Schutzgebieten kommen verschiedene Arten von Gummiakazien vor, und zwar ist namentlich Deutsch-Ostafrika in den Steppengebieten reich an solchen. Die hier vorkommenden Arten sind - der Güte ihrer Produkte nach angeordnet - folgende: Acacia Verek, A. Kirkii, A. Seyal, A. spirocarpa, A. arabica, A. stenocarpa, A. usambarensis; dazu kommen noch A. verugera und A. Stuhlmannii, deren Gummi bisher wahrscheinlich noch nicht untersucht worden ist. (Näheres über die ostafrikanischen Gummisorten bei Mannich, Busse). Ausbeutung und Ausfuhr finden dort nicht statt, dagegen im Kameruner Grasland (Adamaua). Die botanische Zugehörigkeit der gummiliefernden Akazien Kameruns ist noch nicht geklärt. Auch in Togo kommen Gummiakazien vor, z.B. A. verugera; eine Ausbeutung findet nicht statt. In Deutsch-Südwestafrika spielt G. a. als Nahrungsmittel ("Feldkost", s.d.) für einige Stämme eine besondere Rolle. Hierfür ist das Produkt der A. horrida ("Oruzu") am meisten beliebt, während die beste Handelsware der Kolonie von A. detinens gewonnen wird. Ein selteneres Gummi ist dasjenige der A. dulcis (bei Dinter). - G. a. ist geschmacklos oder schmeckt leicht süßlich oder säuerlich. Man unterscheidet Sorten, die in kaltem Wasser löslich sind, und solche, die darin nur quellen. Letztere sind minderwertig. An die zur medizinischen Verwendung bestimmten Produkte werden noch besondere Anforderungen bezüglich des chemischen und physikalischen Verhaltens gestellt. - Während des Mahdisten - Aufstandes in den 90er Jahren. wurde die Gummigewinnung im Sudan für längere Zeit fast ganz eingestellt; damals machte sich ein Mangel an Material fühlbar. Seit Beendigung des Feldzuges und Wiedereröffnung des Sudans sind indessen die Preise so gefallen, daß die Gummigewinnung nur noch bei sehr niedrigen Gestehungskosten rentabel ist. Auch dann ist eine, auf genauerer Kenntnis der einzelnen Akazienarten basierte Trennung der Produkte und deren Sortierung nach Farbe und Reinheit unerläßlich. Die stark gefärbten und mit Gerbstoffen durchsetzten, nicht durchscheinenden, an ordinären Siegellack erinnernden Produkte gewisser anderer Leguminosen, wie z.B. der Berlinia- und Brachystegia - Arten, sind ganz zu verwerfen; sie haben mit echtem G. a. nur wenig gemein.

Literatur: Flückiger, Pharmakognosie d. Pflanzenreichs, 3. Aufl. Berl. 1891 (mit ausführlicher Zusammenstellung der älteren Literatur) - Delacroix in L'Agriculture pratique des pays chauds 1905, II Sém. 162, 234, 335 - Tschirck, Handb. d. Pltarmakogno8ie, I. Abt., II. Bd. (1912) 406 ff. (m. zahlr. Abb.). - Ostafrika betreffen: Wördehoff i.Tropenpflanzer 1901, 91. - Mannich ebenda 1902, 201. - Busse i. Ber. d. Deutsch. Pharmaceut. Gesellsch. 1904, 200. - Stuhlmann, Beiträge z. Kultur gesch. vom Osttafrika (Berl. 1909) 572. - Kamerun, betr.: Fickendey i. Tropenpfl. 1911, 160. - Ber. üb. Handel u. Industrie XVI 1912, 556 u. X VIII, 1913, 422. - Südwestafrika betr. - Tropenpfl. 1897,285,314; 1898,14 (Gessert), 15 (Thoms), 17 (Warburg); 1900, 615. - Dinter, Die vegetabilische Veldkost Deutsch-Südwestafrikas (Okahandja 1912) 36. - Senegal betr.: Tropenpfl. 1897, 12, 112. - Sudan betr.: Tropenpfl. 1902, 517 (David).

Busse.