Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S.1

Haartrachten der Eingeborenen. Sie richten sich nach der Beschaffenheit des Haares, zum Teil auch nach dem Geschlecht. Kraushaarige Völker suchen durch sorgsames Aufkämmen eine dichte und mähnenartige Frisur zu erzielen (Neuguinea) oder verfilzen das Haar, beschmieren es mit Lehm und formen dann Troddeln (Blanchebucht, Neupommern, Ostafrika); durch andere Zusätze (Schmuck, Haar, aber auch Pflanzenfasern, Blattstreifen, die gefärbt und verflochten werden) entstehen phantastische Gebilde (Bismarckarchipel, Südafrika). Bei Völkern mit straffem Haar wird weniger Wert auf eine Frisur gelegt, doch kommt auch hier die Einfügung von Schmuck vor, und die Frauen pflegen mit Blättern und Blumen, aber auch mit haarartig behandelten Pflanzenfasern Frisuren herzustellen oder das Haar zunächst in eine Unzahl von Zöpfchen zu Flechten, die dann frei herabhängen oder zu weiteren Frisuren aufgebaut werden (Fulbe). - Zu den H. ist auch das Einschmieren mit Kalk zu rechnen (Samoa), das zunächst als Schmuck gedacht ist, aber weiterhin die Entfärbung des schwarzen zu gelbrotem Haar zur Folge hat. Endlich wird das Haar ganz rasiert, die Kopfhaut weiterhin bemalt oder mit schwarzer Farbe beschmiert (Trauertracht), oder man rasiert es in phantastischen Mustern aus (Ruanda u.a.). Einen festen Bestandteil der H. bilden fast überall die Nadeln, Zierkämme, Blumen, bunte Blätter, Federn usw. Thilenius.