Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 1 ff.

Hafen, jeder natürliche oder künstliche durch Bauwerke geschaffene geschützte Liegeplatz für Schiffe, namentlich für Seeschiffe, in der Regel zum Ent- und Beladen der Schiffe bestimmt, im weitesten Sinne auch jeder Küstenlandeplatz (Plätze mit offener Reede). Die H. und Landungsplätze sind zur Erleichterung des Verkehrs meist mit besonderen Landungsanlagen (s.d.) ausgerüstet. Wegen der rechtlichen Behandlung der Schiffe betr. Heimatshafen s. Heimatshafen. Togo besitzt an seiner geradlinigen, sandigen Küste keinen H. Der Landungsplatz ist Lome, wo der Verkehr durch eine Landungsbrücke (s.d.) vermittelt wird. Von hier gehen die Eisenbahnen des Schutzgebietes aus. Vor Erbauung der Brücke wurden auch andere Orte an der Küste, namentlich Anecho, als Landungsplätze benutzt.

Die Küste Kameruns hat mehrere größere Buchten, die gute H. bilden, im Norden die Buchten des Ästuars der Rio del Rey-Küste, in der Mitte die Kamerun-Bucht, bei weitem der wichtigste Hafen des ganzen Schutzgebietes, und im Süden die Muni-Bucht. Weiter als H. anzusprechende Buchten finden sich an der felsigen Küste des Kamerun-Berges. Die bekannteste davon ist die Ambass- Bucht bei Victoria. Die Mündungen des Sanaga und Njong kommen als Häfen nicht in Betracht; die Kampo- Mündung ist als Hafen unbedeutend. Landungsplätze mit ungeschützten Reeden finden sich an der ganzen Küste; der bemerkenswerteste ist Kribi an der Südküste, bisher der Hauptausgangspunkt für den Handel des Südens des Schutzgebietes. Die Kamerun-Bucht (s. Abb. 1) steht unter den H. des Schutzgebiets sowohl hinsichtlich der nautischen Verhältnisse als auch hinsichtlich der Lage zum Hinterlande an erster Stelle. Die Bucht wird durch das vorspringende Bimbiaflach und die Suellabaspitze geschützt und ist für große Schiffe zugänglich. Hier können die Schiffe eine beträchtliche Strecke weit ins Land hineingelangen, und von hier aus bieten sich die bequemsten Zugangswege zum größten Teil des Schutzgebiets. Der Umschlag der Güter vollzieht sich in den an der Einmündung des Wuri in die Kamerunbucht gelegenen Plätzen Duala und Bonaberi, den Ausgangspunkten der Kameruner Mittellandbahn und der Kameruner Nordbahn. Schiffe mit mehr als 5 m Tiefgang mußten bisher vor der etwa 2 km unterhalb Duala liegenden Barre halt machen. Seit kurzem ist diese Barre durchbaggert, so daß die Schiffe nunmehr bis unmittelbar an die Orte Duala und Bonaberi gelangen können. Der Umschlag der Güter wird mit Hilfe von Leichterfahrzeugen bewirkt, die an kleinen Kais und Landungsbrücken anlegen. - Die Buchten des Rio del Rey-Ästuars sind zum großen Teil für Seeschiffe zugänglich. Als Landungsplatz ist nur der Ort Rio del Rey von Bedeutung. Besondere Landungseinrichtungen sind nicht vorhanden. Auch die Muni- Bucht ist für Seeschiffe, zugänglich. Über den Hafen Victoria s. Landungsbrücken. Die Mündung des Kampo-Flusses ist unter günstigen Verhältnissen für Schiffe von 2-3 m Tiefgang zugänglich. In Kribi müssen, obwohl dort ein Fluß mündet, zum Verkehr zwischen Schiff und Land kleine Boote benutzt werden, weil auf der vorgelagerten Barre nur sehr geringe Wassertiefen vorhanden sind.

Deutsch-Südwestafrika hat zwei Haupthafenplätze, Swakopmund, wo die Eisenbahnen nach Otavi und Windhuk ansetzen, und Lüderitzbucht, von wo die Eisenbahnen des Südens ihren Ausgang nehmen. Der H.platz Swakopmund ist eine künstliche Schöpfung, Lüderitzbucht ein natürlicher H. Weitere natürliche H. sind, abgesehen von der auf englischem Gebiet liegenden Walfischbai, nicht vorhanden. Der Sandfisch-H., in den früher Schiffe einlaufen konnten, ist versandet. An der Südküste des Schutzgebiets haben sich noch einige Landungsplätze herausgebildet, die hauptsächlich der Versorgung der Arbeitsstätten auf den Diamantfeldern dienen, so Empfängnisbucht, Spencerbucht, Elisabethbucht, Prinzenbucht u.a. Für Swakopmund war ursprünglich ein Leichterhafen geplant, der auch Schiffen von 600 t Größe Anlegeplätze bieten sollte. Es wurde hierzu eine gegen den vorherrschenden, aus Südwest kommenden Seegang schützende Mole von etwa 350 m Länge erbaut. Diese Mole versandete schon nach wenigen Jahren, weshalb südlich davon eine Landungsbrücke errichtet wurde. Die Ausbaggerung des versandeten H.beckens ist nicht gelungen. Es wird jetzt nur noch als Aufschleppeplatz für die Leichter benutzt. (Näheres s. Landungsbrücken.) Bei Lüderitzbucht (s. die Abb. 2) bildet die felsige Küste mehrere Einbuchtungen, die zum Teil noch durch Inseln abgeschlossen sind. Für den Verkehr wird die durch die Haifisch- und Pinguininsel gebildete (Robert-Hafen genannte) Bucht benutzt, in der die Seeschiffe ausreichende Tiefen und gute Ankerplätze finden. Die Verbindung zwischen Schiff und Land wird durch Leichter vermittelt, für die eine Landungsanlage im südlichsten Winkel des Robert-H. an einer von Seegang ganz freien Stelle liegt. (Näheres s. Landungsbrücken).

Die Küste Deutsch-Ostafrikas hat eine große Anzahl von Buchten, die zum Teil scharf eingeschnitten sind und vorzügliche H. bilden. Zu nennen sind die Buchten von Moa, Tanga, Daressalam, Kilwa-Kiwindsche, Kilwa-Kissiwani, Lindi, Mikindani und Kionga. Von Flußmündungen kommen als H. in Betracht die des Pangani, die sich buchtartig erweitert, und die des Rufiji. Die Küstenplätze Sadani und Bagamojo haben fast ganz offene Reeden. Von den Küstenplätzen an den Binnenseen sind Muansa und Bukoba am Victoriasee und Kigoma am Tanganjika hervorzuheben. - Die wichtigsten H. des Schutzgebiets sind Daressalam und Tanga, von wo die nach dem Tanganjikasee führende Tanganjikabahn und die nach dem Kilimandscharo führende Usambarabahn ausgehen.

Der H. von Daressalam (s. Abb. 3) ist ein geräumiges, mehreren großen Seeschiffen gleichzeitig Platz bietendes Becken, das mit der See durch einen schmalen, jeden Seegang fernhaltenden Kanal mit auch bei Niedrigwasser ausreichenden Tiefen verbunden ist. Zum Ent- und Beladen der Schiffe dient ein Kai, der mit weit vorgebauten, elektrisch betriebenen Krananlagen ausgerüstet ist. An diesen herrscht bei Niedrigwasser, das hier 3-4 m unter Hochwasser liegt, nur eine Wassertiefe von 1-2 m. Zum Verkehr mit den Seeschiffen müssen daher Leichter verwendet werden, deren es hier solche von 100 bis 200 t Größe gibt. Am Kai selbst können kleine Fahrzeuge bei Hochwasser festmachen.

Das H.- becken von Tanga (s.Abb. 4) ist, soweit tiefgehende Seeschiffe in Betracht kommen, weniger geräumig als das von Daressalam und gegen eintretenden Seegang nicht in der gleichen Weise geschützt. An Landungsanlagen bestanden bisher ein kurzer Damm und eine kleine Brücke. Gegenwärtig wird eine umfangreichere Kaianlage mit Kränen geschaffen, an der bei Niedrigwasser eine Wassertiefe von 2 m herrscht.

- Einen vorzüglichen H. bildet ferner die Bucht von Kilwa-Kissiwani. Sie ist ein langgestrecktes, sehr geräumiges, gegen eintretenden Seegang geschütztes Becken mit großen Tiefen. Dieser Vorzüge wegen ist die Bucht von Kilwa-Kissiwani als Ausgangspunkt einer den Süden des Schutzgebiets erschließenden Bahn vorgeschlagen worden. Auch die Buchten von Lindi und Mikindani sind noch als gute H. anzusehen. Die Buchten von Moa, Kilwa- Kiwindsche und Kionga sind ohne Bedeutung. - In die Mündung des Pangani können nur kleine Seeschiffe einfahren. Sie finden hinter den vorgelagerten Sandbarren Schutz. Die Mündungsarme des Rufiji sind zum Teil von großen Schiffen befahrbar. Seedampfer können bis nach Salale hinaufgelangen. - Die Landungsplätze Sadani und Bagamojo haben nur Bedeutung für kleine Küstenfahrzeuge, die hier, wie in Pangani, hinter den vorgelagerten Sandbarren einigen Schutz finden. Größere Schiffe müssen weit vom Strande entfernt liegen bleiben. - In Muansa und Bukoba sind vom Ufer sich vorstreckende Dämme vorhanden, an denen die auf dem Victoriasee verkehrenden Dampfer festmachen. Kigoma liegt in einer Einbuchtung und erhält Kais. In den Gewässern des Schutzgebiets Deutsch-Neuguinea gibt es zahlreiche H., darunter sehr gute. Im Inselarchipel werden die H. vielfach durch Korallenriffe gebildet. An der Küste von Kaiser-Wilhelmsland ist der wichtigste H.platz Friedrich-Wilhelmshafen. Daneben sind noch eine Reihe von mehr oder weniger geschützten Ankerplätzen zu verzeichnen. Auch die Mündungen des Kaiserin- Augustaf1usses und des Ramu können als H. dienen. Friedrich-Wilhelms-H. ist eine tiefeingeschnittene, durch eine vorgelagerte Insel geschützte Bucht, in der Seeschiffe an einer Landungsbrücke anlegen können. Von den übrigen Ankerplätzen sind zu nennen: Eitape (Berlin-H.), Potsdam-H., Prinz- Albrecht-H., Hatzfeld-H., Franklinbucht, Eitel-Friedrich-H., Prinz- Adalbert- H., Alexis-H. (ein gut abgeschlossenes Becken), Finsch-H., Hänisch-H. und Adolf- H. (Regierungsstation Marobe). Auf den übrigen Inseln des Bismarckarchipels sind die wichtigsten H. Simpsonhafen auf Neupommern, Käwieng an der Nordwestspitze Neumecklenburgs, und Kieta auf Bougainville. Der Simpson-H., auf der Gazellehalbinsel gelegen, ist eine große geschützte Bucht; das Lösch- und Ladegeschäft vollzieht sich bei dem Ort Rabaul, dem Sitze des Gouvernements, woselbst eine Landungsanlage für Seeschiffe besteht. Im übrigen gibt es an der Küste Neupommerns noch eine größere Zahl von zum Teil guten, natürlichen H., so Rügen-H., Powell-H., Möwe- H., die Jacquinotbai. Käwieng ist ein großes, durch Inseln abgeschlossenes H.becken; daneben gibt es auf Neumecklenburg sowie auf der dieser Insel im Nordwesten vorgelagerten Insel Neuhannover noch eine Reihe von Landungsplätzen. Hervorzuheben sind die geschützte Reede von Namatanai (Regierungsstation) und der H. Muliama. Auf der im St. Georgskanal liegenden Insel Neulauenburg ist der Mioko-H. bemerkenswert, auf den Wituinseln der Peter-H. Auf den übrigen, zum Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea gehörigen Inseln sind von den zahlreichen H. und Buchten bemerkenswert: der Tomil- H. auf Jap, der Langer-H. auf Ponape und der Tanapaghafen auf Saipan. An diesen H. liegen die Regierungsstationen. Die genannten 3 H. sind für große Schiffe zugänglich. Der Tomil-H. ist aber eng, der Tanapag-H. ist ein geräumiges, ganz abgeschlossenes Becken, der Langer-H. eine große geschützte Reede. Die Küsten der das Schutzgebiet Samoa bildenden beiden Inseln haben nur wenig gute H. Der wichtigste H.platz ist Apia, der Sitz des Gouvernements. Der H. besteht aus einer nach der See zu geöffneten, durch Korallenriffe eingeengten Bucht. Das Schutzgebiet Kiautschou hat an dem in der Kiautschoubucht gelegenen Tsingtau einen großen, mit allen zum Schiffsbetrieb erforderlichen modernen Einrichtungen versehenen H.platz. Von hier geht die Schantungbahn aus. Die Kiautschoubucht ist ein weites, natürliches H.becken, mit dem Meer durch eine 3 km breite, tiefe Einfahrtsstraße verbunden. Der Handels-H. liegt innerhalb der Bucht, durch einen etwa 4 km langen Steindamm abgegrenzt und mit dem tiefen Wasser durch eine 9-10 m tiefe Baggerrinne verbunden. Der H. enthält ausgedehnte Kais für Seeschiffe und große Werkstätten für Schiffsreparaturen sowie ein Schwimmdock. Etwas abseits des Handels-H. liegt der Bau-H. und der kleine H., der hauptsächlich dem Dschunkenverkehr dient.

Fischer.