| Hafen, jeder natürliche oder künstliche durch Bauwerke
geschaffene
geschützte Liegeplatz für Schiffe, namentlich für Seeschiffe, in der
Regel
zum Ent- und Beladen der Schiffe bestimmt, im weitesten Sinne auch jeder
Küstenlandeplatz (Plätze mit offener Reede). Die H. und Landungsplätze
sind zur Erleichterung des Verkehrs meist mit besonderen Landungsanlagen
(s.d.) ausgerüstet. Wegen der rechtlichen Behandlung der Schiffe betr.
Heimatshafen s. Heimatshafen. Togo
besitzt an seiner geradlinigen, sandigen Küste keinen H. Der
Landungsplatz
ist Lome, wo der Verkehr durch eine
Landungsbrücke
(s.d.) vermittelt wird. Von hier gehen die Eisenbahnen des
Schutzgebietes
aus. Vor Erbauung der Brücke wurden auch andere Orte an der Küste,
namentlich
Anecho, als Landungsplätze benutzt.
Die Küste Kameruns hat mehrere größere Buchten, die gute H. bilden, im
Norden die Buchten des Ästuars der Rio del Rey-Küste, in der Mitte die
Kamerun-Bucht, bei weitem der wichtigste Hafen des ganzen
Schutzgebietes,
und im Süden die Muni-Bucht. Weiter als H. anzusprechende Buchten finden
sich an der felsigen Küste des Kamerun-Berges. Die bekannteste davon ist
die Ambass- Bucht bei Victoria. Die
Mündungen
des Sanaga und Njong kommen als Häfen nicht in Betracht; die Kampo-
Mündung ist als Hafen unbedeutend. Landungsplätze mit ungeschützten
Reeden
finden sich an der ganzen Küste; der bemerkenswerteste ist Kribi
an der Südküste, bisher der Hauptausgangspunkt für den Handel
des Südens des Schutzgebietes. Die Kamerun-Bucht (s. Abb. 1) steht unter
den H. des Schutzgebiets sowohl hinsichtlich der nautischen Verhältnisse
als auch hinsichtlich der Lage zum Hinterlande an erster Stelle. Die
Bucht
wird durch das vorspringende Bimbiaflach und die Suellabaspitze
geschützt
und ist für große Schiffe zugänglich. Hier können die Schiffe eine
beträchtliche
Strecke weit ins Land hineingelangen, und von hier aus bieten sich die
bequemsten Zugangswege zum größten Teil des Schutzgebiets. Der Umschlag
der Güter vollzieht sich in den an der Einmündung des Wuri
in die Kamerunbucht gelegenen Plätzen Duala
und Bonaberi, den Ausgangspunkten der Kameruner Mittellandbahn und der Kameruner Nordbahn. Schiffe mit mehr als 5 m Tiefgang mußten
bisher vor der etwa 2 km unterhalb Duala liegenden Barre halt machen.
Seit kurzem ist diese Barre durchbaggert, so daß die Schiffe nunmehr bis
unmittelbar an die Orte Duala und Bonaberi gelangen können. Der Umschlag
der Güter wird mit Hilfe von Leichterfahrzeugen bewirkt, die an kleinen
Kais und Landungsbrücken
anlegen.
- Die Buchten des Rio del Rey-Ästuars sind zum großen Teil für
Seeschiffe
zugänglich. Als Landungsplatz ist nur der Ort Rio del Rey von Bedeutung.
Besondere Landungseinrichtungen sind nicht vorhanden. Auch die Muni-
Bucht
ist für Seeschiffe, zugänglich. Über den Hafen Victoria s.
Landungsbrücken.
Die Mündung des Kampo-Flusses ist unter günstigen Verhältnissen für
Schiffe
von 2-3 m Tiefgang zugänglich. In Kribi müssen, obwohl dort ein Fluß
mündet,
zum Verkehr zwischen Schiff und Land kleine Boote benutzt werden, weil
auf der vorgelagerten Barre nur sehr geringe Wassertiefen vorhanden
sind.
Deutsch-Südwestafrika
hat zwei Haupthafenplätze, Swakopmund,
wo die Eisenbahnen nach Otavi und Windhuk
ansetzen,
und Lüderitzbucht, von wo die Eisenbahnen des
Südens ihren Ausgang nehmen. Der H.platz Swakopmund ist eine künstliche
Schöpfung, Lüderitzbucht ein natürlicher H. Weitere natürliche H. sind,
abgesehen von der auf englischem Gebiet liegenden Walfischbai, nicht vorhanden. Der Sandfisch-H.,
in den früher Schiffe einlaufen konnten, ist versandet. An der Südküste
des Schutzgebiets haben sich noch einige Landungsplätze
herausgebildet, die hauptsächlich der Versorgung der Arbeitsstätten auf
den Diamantfeldern dienen, so Empfängnisbucht, Spencerbucht, Elisabethbucht, Prinzenbucht u.a. Für
Swakopmund
war ursprünglich ein Leichterhafen geplant, der auch Schiffen von 600
t Größe Anlegeplätze bieten sollte. Es wurde hierzu eine gegen den
vorherrschenden,
aus Südwest kommenden Seegang
schützende
Mole von etwa 350 m Länge erbaut. Diese Mole versandete schon nach
wenigen
Jahren, weshalb südlich davon eine Landungsbrücke errichtet wurde. Die
Ausbaggerung des versandeten H.beckens ist nicht gelungen. Es wird jetzt
nur noch als Aufschleppeplatz für die Leichter benutzt. (Näheres s.
Landungsbrücken.)
Bei Lüderitzbucht (s. die Abb. 2) bildet die felsige Küste mehrere
Einbuchtungen,
die zum Teil noch durch Inseln abgeschlossen sind. Für den Verkehr wird
die durch die Haifisch- und Pinguininsel
gebildete (Robert-Hafen genannte) Bucht benutzt, in der die Seeschiffe
ausreichende Tiefen und gute Ankerplätze finden. Die Verbindung zwischen
Schiff und Land wird durch Leichter vermittelt, für die eine
Landungsanlage
im südlichsten Winkel des Robert-H. an einer von Seegang ganz freien
Stelle
liegt. (Näheres s. Landungsbrücken).

Die Küste Deutsch-Ostafrikas hat eine große Anzahl von Buchten, die zum
Teil scharf eingeschnitten sind und vorzügliche H. bilden. Zu nennen
sind
die Buchten von Moa, Tanga, Daressalam, Kilwa-Kiwindsche, Kilwa-Kissiwani, Lindi,
Mikindani und Kionga. Von Flußmündungen kommen als H. in Betracht
die des Pangani, die sich buchtartig
erweitert,
und die des Rufiji. Die Küstenplätze
Sadani
und Bagamojo haben fast ganz offene Reeden. Von den
Küstenplätzen an den Binnenseen sind Muansa und Bukoba am Victoriasee und Kigoma
am Tanganjika hervorzuheben. - Die wichtigsten H.
des Schutzgebiets sind Daressalam und Tanga, von wo die nach dem
Tanganjikasee
führende Tanganjikabahn und die nach dem Kilimandscharo
führende Usambarabahn ausgehen.
Der
H. von Daressalam (s. Abb. 3) ist ein geräumiges, mehreren großen
Seeschiffen
gleichzeitig Platz bietendes Becken, das mit der See durch einen
schmalen,
jeden Seegang fernhaltenden Kanal mit auch bei Niedrigwasser
ausreichenden
Tiefen verbunden ist. Zum Ent- und Beladen der Schiffe dient ein Kai,
der mit weit vorgebauten, elektrisch betriebenen Krananlagen ausgerüstet
ist. An diesen herrscht bei Niedrigwasser, das hier 3-4 m unter
Hochwasser
liegt, nur eine Wassertiefe von 1-2 m. Zum Verkehr mit den Seeschiffen
müssen daher Leichter verwendet werden, deren es hier solche von 100 bis
200 t Größe gibt. Am Kai selbst können kleine Fahrzeuge bei Hochwasser
festmachen.
Das H.- becken von Tanga (s.Abb. 4) ist, soweit tiefgehende Seeschiffe
in Betracht kommen, weniger geräumig als das von Daressalam und gegen
eintretenden Seegang nicht in der gleichen Weise geschützt. An Landungsanlagen
bestanden bisher ein kurzer Damm und eine kleine Brücke. Gegenwärtig
wird
eine umfangreichere Kaianlage mit Kränen geschaffen, an der bei
Niedrigwasser
eine Wassertiefe von 2 m herrscht.
- Einen vorzüglichen H. bildet ferner die Bucht von Kilwa-Kissiwani.
Sie ist ein langgestrecktes, sehr geräumiges, gegen eintretenden Seegang
geschütztes Becken mit großen Tiefen. Dieser Vorzüge wegen ist die Bucht
von Kilwa-Kissiwani als Ausgangspunkt einer den Süden des Schutzgebiets
erschließenden Bahn vorgeschlagen worden. Auch die Buchten von Lindi und
Mikindani sind noch als gute H. anzusehen. Die Buchten von Moa, Kilwa-
Kiwindsche und Kionga sind ohne Bedeutung. - In die Mündung des Pangani
können nur kleine Seeschiffe einfahren. Sie finden hinter den
vorgelagerten
Sandbarren Schutz. Die Mündungsarme des Rufiji sind zum Teil von großen
Schiffen befahrbar. Seedampfer können bis nach Salale
hinaufgelangen. - Die Landungsplätze Sadani
und Bagamojo haben nur Bedeutung für kleine Küstenfahrzeuge, die hier,
wie in Pangani, hinter den vorgelagerten Sandbarren einigen Schutz
finden.
Größere Schiffe müssen weit vom Strande entfernt liegen bleiben. - In
Muansa
und Bukoba sind vom Ufer sich vorstreckende Dämme vorhanden, an denen
die auf dem Victoriasee verkehrenden Dampfer festmachen. Kigoma liegt
in einer Einbuchtung und erhält Kais. In den Gewässern des Schutzgebiets
Deutsch-Neuguinea
gibt es zahlreiche H., darunter sehr gute. Im Inselarchipel werden die
H. vielfach durch Korallenriffe
gebildet. An der Küste von Kaiser-Wilhelmsland
ist der wichtigste H.platz Friedrich-Wilhelmshafen. Daneben sind noch
eine Reihe von mehr oder weniger geschützten Ankerplätzen zu
verzeichnen.
Auch die Mündungen des Kaiserin- Augustaf1usses und des Ramu
können als H. dienen. Friedrich-Wilhelms-H. ist eine
tiefeingeschnittene,
durch eine vorgelagerte Insel geschützte Bucht, in der Seeschiffe an
einer
Landungsbrücke anlegen können. Von den übrigen Ankerplätzen sind zu
nennen:
Eitape
(Berlin-H.), Potsdam-H., Prinz- Albrecht-H., Hatzfeld-H., Franklinbucht,
Eitel-Friedrich-H., Prinz- Adalbert- H., Alexis-H. (ein gut
abgeschlossenes
Becken), Finsch-H., Hänisch-H. und Adolf- H. (Regierungsstation Marobe).
Auf den übrigen Inseln des Bismarckarchipels sind die wichtigsten H. Simpsonhafen
auf Neupommern,
Käwieng an der Nordwestspitze Neumecklenburgs, und Kieta auf
Bougainville.
Der Simpson-H., auf der Gazellehalbinsel
gelegen, ist eine große geschützte Bucht; das Lösch- und Ladegeschäft
vollzieht sich bei dem Ort Rabaul,
dem Sitze des Gouvernements, woselbst eine Landungsanlage für Seeschiffe
besteht. Im übrigen gibt es an der Küste Neupommerns noch eine größere
Zahl von zum Teil guten, natürlichen H., so Rügen-H., Powell-H., Möwe-
H.,
die Jacquinotbai. Käwieng ist ein großes, durch Inseln abgeschlossenes
H.becken; daneben gibt es auf Neumecklenburg
sowie auf der dieser Insel im Nordwesten vorgelagerten Insel Neuhannover
noch eine Reihe von Landungsplätzen. Hervorzuheben sind die geschützte
Reede von Namatanai
(Regierungsstation) und der H. Muliama.
Auf der im St. Georgskanal liegenden Insel Neulauenburg
ist der Mioko-H. bemerkenswert, auf den Wituinseln
der Peter-H. Auf den übrigen, zum Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea
gehörigen
Inseln sind von den zahlreichen H. und Buchten bemerkenswert: der Tomil-
H.
auf Jap, der Langer-H.
auf Ponape
und der Tanapaghafen auf Saipan.
An diesen H. liegen die Regierungsstationen. Die genannten 3 H. sind für
große Schiffe zugänglich. Der Tomil-H. ist aber eng, der Tanapag-H. ist
ein geräumiges, ganz abgeschlossenes Becken, der Langer-H. eine große
geschützte Reede. Die Küsten der das Schutzgebiet Samoa
bildenden beiden Inseln haben nur wenig gute H. Der wichtigste H.platz
ist Apia, der
Sitz des Gouvernements. Der H. besteht aus einer nach der See zu
geöffneten,
durch Korallenriffe eingeengten Bucht. Das Schutzgebiet Kiautschou hat
an dem in der Kiautschoubucht
gelegenen Tsingtau
einen großen, mit allen zum Schiffsbetrieb erforderlichen modernen
Einrichtungen
versehenen H.platz. Von hier geht die Schantungbahn aus. Die
Kiautschoubucht
ist ein weites, natürliches H.becken, mit dem Meer durch eine 3 km
breite,
tiefe Einfahrtsstraße verbunden. Der Handels-H. liegt innerhalb der
Bucht,
durch einen etwa 4 km langen Steindamm abgegrenzt und mit dem tiefen
Wasser
durch eine 9-10 m tiefe Baggerrinne verbunden. Der H. enthält
ausgedehnte
Kais für
Seeschiffe und große Werkstätten für Schiffsreparaturen sowie ein
Schwimmdock.
Etwas abseits des Handels-H. liegt der Bau-H. und der kleine H., der
hauptsächlich
dem Dschunkenverkehr dient.
Fischer. |