Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 7

Haft, d.i. die durch die zuständige Behörde angeordnete Freiheitsentziehung, kann als gerichtliche Strafe (s. Freiheitsstrafen) sowie im gerichtlichen Verfahren als Ordnungsstrafe, Zwangs- und Sicherungsmittel zur Anwendung kommen. Als solches ist sie zulässig bei Ausübung der Sitzungspolizei (GVG. §§ 177, 178, 182), gegen Zeugen wegen Nichterscheinens trotz ordnungsmäßiger Ladung und wegen - unberechtigter Verweigerung der Aussage oder der Beeidigung (ZPO. §§ 380, 390; StPO. §§ 50, 69), zur Erzwingung der Vornahme von Handlungen oder Unterlassungen sowie als Strafe bei Zuwiderhandlungen gegen die Verpflichtung, eine Handlung zu unterlassen oder die Vornahme einer Handlung zu dulden (ZPO. §§ 888, 890), zur Erzwingung der Leistung des Offenbarungseides (ZPO. §§ 889, 901-915), als persönlicher Sicherheitsarrest bei Gefährdung der Zwangsvollstreckung (ZPO. § 918) und im Konkursverfahren gegen den Gemeinschuldner zur Sicherung der Masse usw. (KO. §§ 101, 106). Im Strafverfahren kann endlich die H. als Untersuchungsh. gegen einen Beschuldigten verhängt werden, wenn dringende Verdachtsgründe vorhanden sind und er entweder der Flucht verdächtig ist oder Tatsachen vorliegen, aus denen zu schließen ist, daß er Spuren der Tat vernichten oder Zeugen und Mitschuldige zu einer falschen Aussage oder Zeugen dazu verleiten werde, sich der Zeugnispflicht zu entziehen. Wegen des Näheren sowie auch der Befugnis zur vorläufigen Festnahme Beschuldigter vgl. StPO. §§ 112 ff und ferner SchGG. § 3, KonsGG. §§56ff (wonach in den Schutzgebieten an Stelle der Staatsanwaltschaft die Bezirksrichter zum Einschreiten berufen sind). - Als Zwangsmittel kommt die H. auch in Verwaltungsangelegenheiten in Betracht, sofern eine zur Erzwingung einer Handlung oder Unterlassung seitens einer zuständigen Verwaltungsbehörde festgesetzte Geldstrafe nicht beizutreiben ist (Ksl. V. vom 14. Juli 1905, RGBI. S. 717).

Gerstmeyer.